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Sprachmaschinen 

Eine Philosophie der künstlichen Intelligenz

von Roberto Simanowski

Reihe: Beck Paperback
ISBN: 9783406837531
Genre: Sachbücher/Philosophie, Religion
Verlag: C.H.Beck
Erscheinungsdatum: 07.10.2025
Sammlung: KI und ihre Auswirkungen
Umfang: 288 Seiten
Format: Taschenbuch
Preis: € 23,70
Kurzbeschreibung des Verlags

Wenn Rechner denken - Eine Philosophie der Künstlichen Intelligenz

Für die Philosophie gehört die Sprache zu den vor­nehms­ten und wich­tigs­ten Ei­gen­schaf­ten des Men­schen: Sie er­mögl­icht es, eine ganze Welt zu er­schlie­ßen, auch die in­tims­ten Ge­dan­ken zu ar­ti­ku­lie­ren, sich über Wert­vor­stel­lun­gen zu ver­stän­di­gen und ist ent­schei­dend für die be­son­dere Frei­heit und Sou­ve­rä­ni­tät, mit de­nen Men­schen ihr Leben füh­ren. Was aber ge­schieht, wenn wir uns von ei­ner Sprach­ma­schine die Welt er­klä­ren, Werte ver­mit­teln und das Den­ken ab­neh­men las­sen? Der Me­dien­philo­soph und Inter­net­ex­perte Ro­ber­to Sima­nowski will es ge­nau­er wis­sen und be­gibt sich auf die Suche nach den atem­be­rau­ben­den Kon­se­quen­zen des gro­ßen Sou­ve­rä­ni­täts­trans­fers, der ge­rade im Gange ist.

Jede Technik hat die Macht, ihren ahnungs­losen Nut­zern die ei­gene Lo­gik auf­zu­drän­gen. Ge­wöh­nen uns ChatGPT, Gemini und an­dere Chat­bots das Le­sen, Schrei­ben und Den­ken ab? Über­re­den sie uns zu An­sich­ten, die wir gar nicht ha­ben? Ent­mün­di­gen sie uns ge­rade da­durch, dass sie uns so eif­rig zu Diens­ten sind? Und wer hat ei­gent­lich in wes­sen Auf­trag die Sprach­ma­schi­nen er­zo­gen? Sima­nows­ki geht die­sen und wei­te­ren Fra­gen nach mit dem philo­so­phi­schen Ge­spür da­für, wie die neue Tech­nik die Si­tua­tion des Men­schen sub­til, aber enorm fol­gen­reich ve­rän­dern wird.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.10.2025

Die bislang schlüssigste philo­so­phi­sche Stu­die über KI legt laut Re­zen­sent Andrian Kreye Roberto Sima­nowski hier vor. Der Me­dien­phi­lo­soph lässt die ge­samte philo­so­phi­sche Tra­di­tion auf die neue Tech­no­lo­gie los und zwar ge­nau zur rich­ti­gen Zeit, meint Kreye, sind ChatGPT und Co doch gerade dabei, die Grenzen zwischen Menschlichem und Technischem zu verunklaren. Das Fazit, auf das Simanowskis Buch hinaus läuft ist bitter: Com­pu­ter mö­gen zwar die erste Uni­ver­sal­spra­che der Mensch­heits­ge­schichte her­vor­ge­bracht ha­ben, aber die KI sorgt da­für, dass die Men­schen das Den­ken ver­lernen. Ge­nauer ge­sagt wird es ih­nen, wie Kreye Sima­nows­kis an Mc­Luhan ge­schul­tes Ar­gu­ment wie­der­gibt, ab­ge­nom­men wie ein ampu­tier­tes Kör­per­teil - wo­bei die KI eben ge­rade noch nicht kör­per­lich agiert, son­dern auf dem Schlacht­feld der Spra­che. Sima­nowski legt laut Kreye wert auf die Fest­stel­lung, dass die KI die kör­per­lichen, sinn­li­chen As­pekte des Mensch­seins nicht be­grei­fen kann, dass sie aber gleich­zei­tig Dank de­rer, die sie pro­gram­mie­ren, Ideo­lo­gie - ob Mar­ke woke, Mar­ke Musk oder Mar­ke Putin - trans­por­tiert. Ge­rade die ver­meint­li­che Ein­fach­heit der Such­ma­schi­nen, die ver­birgt, dass hin­ter ihnen nur kal­te Mathe­ma­tik steckt, ist Kreye zu­folge dem Au­tor ver­däch­tig. Am Ende die­ses Buches, das Kreye sehr gerne ge­le­sen hat, ruft Sima­nowski gar zum pro­le­ta­ri­schen Wider­stand der Men­schen ge­gen ihre neuen Ma­schi­nen­herren auf.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2025

Rezensent Helmut Mayer emp­fiehlt den Kul­tur­wis­sen­schaft­ler Robert Sima­nowski als kom­pe­ten­ten Füh­rer durch die Welt der Sprach­ma­schi­nen. Ihm ge­fällt, dass sich Sima­nowski we­der auf die über­zo­ge­nen Er­war­tun­gen der Tech-Opti­mis­ten noch auf die be­müh­ten Angst­sze­na­rien ein­lässt, son­dern der mathe­ma­ti­schen Na­tur der Large Lan­guage Mo­dels auf den Grund geht und Fra­gen von Autor­schaft und Ent­mün­di­gung ver­han­delt. An­ge­sichts des be­vor­ste­hen­den Sou­ve­rä­ni­täts­trans­fers fin­det Mayer auch rich­tig, dass Sima­nowski die Sprach­ma­schi­nen vor al­lem als ei­nen "Um­schlag­platz von Wer­ten" be­han­delt. Die philo­so­phi­schen Ex­kurse zu Heideg­ger und Witt­gen­stein fin­det der Rezen­sent am Ende etwas un­er­giebig, aber den Hin­weis auf Hegels Herr-Knecht-Dia­lek­tik nimmt er gern mit.

Posted by Wilfried Allé Wednesday, February 4, 2026 9:26:00 AM Categories: Religion Sachbücher/Philosophie
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Politische "Klassiker" der Neuen Rechten 

Antidemokratische Denker aus der Weimarer Republik

von Armin Pfahl-Traughber

ISBN: 9783801206789
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Politik
Verlag: Verlag J.H.W. Dietz Nachf. GmbH
Erscheinungsdatum: 07.10.2025
Umfang: 208 Seiten
Format: Taschenbuch
Preis: € 20,60
Kurzbeschreibung des Verlags

Einflussreiche anti­demo­kra­ti­sche Den­ker gab es be­reits in der Wei­ma­rer Repu­blik. Da­zu ge­hör­ten Edgar Julius Jung und Ernst Jünger, Arthur Moel­ler van den Bruck und Ernst Nie­kisch, Carl Schmitt und Os­wald Speng­ler. Trotz man­cher ideo­lo­gi­scher Dif­fe­ren­zen – agi­tiert ge­gen die li­be­rale Demo­kra­tie ha­ben sie alle. Auf­klä­rung und Indi­vi­dua­li­tät, Men­schen­rechte und Plu­ra­lis­mus lehnte man mit großer Wort­gewalt ab. Auch heute noch gibt es An­hän­ger die­ser "Klas­siker", ins­be­son­dere bei den intel­lek­tuel­len Rechts­ex­tre­mis­ten der Neuen Rech­ten. Blickt man auf die Auto­ren, of­fen­ba­ren sich anti­demo­kra­ti­sche Ge­sin­nun­gen, frei nach dem Mot­to: "Sage mir, auf wen Du dich be­rufst und ich sage Dir, wo Du stehst."
Auch auf die AfD wir­ken die er­wähn­ten »Klas­siker« und fin­den dort ideo­lo­gi­sche und poli­ti­sche Zu­stim­mung. Ihr auto­ri­tä­res Ge­dan­ken­gut kann so auch hun­dert Jahre spä­ter noch seine anti­demo­kra­ti­sche Rele­vanz ent­fal­ten. Man sollte da­her diese ideo­lo­gi­schen Auf­fas­sun­gen ken­nen und sie einer kri­ti­schen Re­fle­xion unterziehen.

FALTER-Rezension

Das Denken der Rechten

Robert Misik in FALTER 5/2026 vom 28.01.2026 (S. 23)

Eine neue Generation von Neo­nazis ist ent­stan­den, zu­gleich hat sich ein Mi­lieu der radi­ka­len Neuen Rech­ten ver­här­tet, das im­mer stär­ker in die FPÖ hi­nein­wirkt - das hat ge­rade der ak­tuel­le "Rechts­ex­tre­mis­mus­be­richt" im Auf­trag von Innen-und Jus­tiz­minis­te­rium ver­deut­licht. Ins­be­son­dere die Netz­wer­ke der Neuen Rech­ten sind von Den­kern ge­prägt, die in den Zwan­zi­ger­jah­ren des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts und hier vor al­lem in der Wei­ma­rer Repu­blik schon große Num­mern wa­ren und spä­ter dann vor al­lem in oder im Umf­eld der NSDAP lan­de­ten. Armin Pfahl-Traugh­ber, seit Jahr­zehn­ten der Ex­perte für die ultra­rechte Szene schlecht­hin, hat nun in ei­nem lesens­wer­ten Band "Poli­ti­sche 'Klas­si­ker' der Neuen Rech­ten" por­trä­tiert. Wer ver­ste­hen will, auf wel­che "Den­ker" sich die neue Rech­te be­zieht, fin­det hier einen ex­zel­len­ten Über­blick.

Da geht es von Arthur Moeller van den Bruck, des­sen Diktum lau­tete, "an Libe­ra­lis­mus ge­hen die Völ­ker zu Grunde", über Os­wald Speng­ler ("Unter­gang des Abend­lan­des") und dem "Natio­nal­bol­sche­wiken" Ernst Nie­kisch bis zu den bei­den Säulen­hei­li­gen der Neuen Rech­ten, Carl Schmitt und Ernst Jün­ger. Schmitt, bril­lan­ter Ju­rist, war von Be­ginn an ein ord­nungs­fana­ti­scher An­häng­er auto­ri­tä­ren Re­gie­rens und wurde nach Hit­lers Macht­über­nahme "Kron­jurist" der Nazis ge­nannt. "Der Füh­rer schützt das Recht", legi­ti­mierte er noch schlimms­ten Macht­miss­brauch. Heute zählt Schmitt zur Stan­dard­lek­türe der US-Rech­ten, Peter Thiel nennt sich Schmit­tia­ner. Jün­ger wie­de­rum, spä­ter auch in der Bun­des­repu­blik ver­ehrt, star­te­te seine Kar­rie­re beim Völ­ki­schen Beo­bach­ter. Seine Ar­bei­ten fei­erten Sol­da­ten­tum, Krieg, das Ver­we­gene, prie­sen das Harte, ver­ach­te­ten die Ver­weich­li­chung. Hass auf "den Wes­ten", Liebe zur "Tiefe" der deut­schen Kul­tur, teil­weise "Russo­philie", Ver­ach­tung von Demo­kra­tie und Sehn­sucht nach Cäsa­ris­mus, Fas­zi­na­tion von Ge­walt - all das ver­bin­det die he­tero­genen Ge­währs­leute der Neuen Rechten.

Posted by Wilfried Allé Friday, January 30, 2026 1:20:00 PM Categories: Gesellschaft Sachbücher/Politik Wirtschaft/Politik
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Unverdiente Ungleichheit 

Wie der Weg aus der Erbengesellschaft gelingen kann

von Martyna Linartas

ISBN: 9783498007355
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
Verlag: Rowohlt
Erscheinungsdatum: 15.04.2025
Umfang: 320 Seiten
Format: Hardcover
Preis: € 24,70
Kurzbeschreibung des Verlags

In kaum einem anderen westlichen Land ist Ver­mö­gen so un­gleich ver­teilt wie in Deutsch­land. Die Schere geht im­mer wei­ter auf – auf­grund stei­gen­der Mie­ten und Le­bens­mit­tel­preise, weil heut­zu­tage je­der Paket­zu­stel­ler pro­zen­tual mehr von sei­nem Lohn ab­gibt als ein Mil­liar­där, aber auch, weil Steu­ern auf Ver­mö­gen run­ter­ge­schraubt wer­den und die Rei­chen un­auf­hörl­ich rei­cher wer­den. Die­se Un­ge­rech­tig­keit ist ge­sell­schaft­li­ches Dyna­mit. Reich­tum durch Ar­beit? Fast un­mög­lich. Je­der ist sei­nes Glückes Schmied? Nur im Mär­chen. Deutsch­land ist zu ei­ner Ge­sell­schaft ver­kom­men, in der Reich­tum in der Fa­mi­lie bleibt.

Martyna Linartas seziert in ihrer hell­sich­ti­gen und fun­dier­ten Ana­ly­se das po­li­ti­sche Tabu­thema un­se­rer Zeit: Dass wir die Rei­chen nicht be­steu­ern, ge­fähr­det un­se­ren Wohl­stand, un­se­re Um­welt und un­se­re Demo­kra­tie. Sie schöpft aus ex­klu­si­ven Inter­views mit der mäch­ti­gen Wirt­schafts­elite über Un­gleich­heit und das Zu­sam­men­spiel von Wirt­schaft und Poli­tik, zeigt im his­to­ri­schen Auf­riss, wie eine Be­steu­e­rung von Über­rei­chen funk­tio­nie­ren kann, und gibt uns al­le Ar­gu­men­te an die Hand, um jetzt zu handeln.

FALTER-Rezension

Georg Renöckl in FALTER 33/2025 vom 13.08.2025 (S. 28)

Lidl-Boss Dieter Schwarz besitzt über 40 Mil­li­ar­den Euro. Um das mit ei­nem Mo­nats­ge­halt von ei­ner Mil­lion zu ver­die­nen, bräuchte man 3400 Jahre.
Politikwissenschaftlerin Martyna Linartas spricht hier von "Über­reich­tum". Durch ih­ren poli­ti­schen Ein­fluss zah­len Über­rei­che viel weni­ger Steu­ern als Nor­mal­ver­die­ner, durch Ren­di­ten ver­dop­peln sie ihr Ver­mö­gen locker alle zehn Jah­re. Ver­mö­gen wird in Deutsch­land und wohl auch in Öster­reich nicht er­ar­bei­tet, son­dern ver­erbt. Bil­dung kann die un­gleich ver­teil­ten Chan­cen längst nicht mehr aus­glei­chen. Für die Auto­rin gibt es nur eine Lö­sung: Über­rei­che müs­sen an­ge­mes­sene Ver­mö­gens- und Erb­schafts­steu­ern be­zah­len. Die jüngs­ten glo­ba­len Ent­wick­lun­gen unter­stüt­zen ihre These, wo­nach un­sere Demo­kra­tien an­dern­falls zur Farce verkommen.

Posted by Wilfried Allé Thursday, January 22, 2026 10:15:00 AM
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Reichensteuer 

Aber richtig! | Warum Milliardäre zu wenig Steuern zahlen und wie wir das ändern

von Gabriel Zucman

ISBN: 9783518001387
Reihe: edition suhrkamp
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
Verlag: Suhrkamp
Übersetzung: Ulrike Bischoff
Umfang: 63 Seiten
Erscheinungsdatum: 13.01.2026
Format: Taschenbuch
Preis: € 12,40
Kurzbeschreibung des Verlags

Ende Gabriel Zucman gehört zu den be­kann­tes­ten und re­no­mmier­tes­ten Öko­no­men welt­weit. Seit Jah­ren forscht er zu Steuer­ge­rech­tig­keit und Steuer­ver­mei­dung. Ge­ra­de die­jeni­gen, so sein Be­fund, die ein im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes un­vor­stell­ba­res Ver­mögen an­ge­häuft ha­ben, leis­ten oft keinen an­ge­mes­se­nen Bei­trag zur Fi­nan­zie­rung öf­fent­li­cher Kas­sen. Das ist nicht nur ein Prob­lem für die Staats­fi­nan­zen, son­dern auch eine ekla­tante Ver­let­zung des Gleich­heits­grund­satzes.

Im Februar 2025 votierte die französische Natio­nal­ver­samm­lung für die »Taxe Zucman«: eine Steuer von zwei Pro­zent für Super­reiche. Seit­her steht Gabriel Zucman im Zent­rum einer hit­zi­gen De­batte. Wäh­rend ei­ner der reichs­ten Men­schen der Welt ihn per­sön­lich dif­fa­mier­te, wird er auf den Stra­ßen Frank­reichs gefeiert.
In seinem neuen Buch er­läu­tert er sei­nen Vor­schlag so kom­pakt wie ver­ständ­lich und er­klärt, wie seine Steuer auch in Deutsch­land funk­tio­nieren kann.

Posted by Wilfried Allé Monday, January 19, 2026 10:31:00 AM Categories: Gesellschaft Sachbücher/Politik Wirtschaft
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Das Ende der Demokratie 

Reportagen aus Deutschland 1931-1932

von Dorothy Thompson

ISBN: 9783903244467
Verlag: Das vergessene Buch
Genre: Sachbücher/Geschichte/20. Jahrhundert (bis 1945)
Übersetzung: Johanna von Koppenfels
Umfang: 432 Seiten
Format: Hardcover
Erscheinungsdatum: 20.01.2026
Preis: € 27,00
Kurzbeschreibung des Verlags

Ende 1931 traf die bekannte ameri­ka­ni­sche Jour­na­lis­tin Doro­thy Thomp­son (1893–1961) Adolf Hit­ler in Ber­lin zum Inter­­view. Ihr aus die­ser Be­geg­nung her­vor­ge­gan­ge­nes Buch "I Saw Hitler!" (1932), in dem sie den zu­künf­ti­gen Dik­ta­tor Deutsch­lands als eine Kari­ka­tur des 'Kleinen Man­nes' be­schreibt, führte nach der Macht­er­grei­fung dazu, dass die Auto­rin spek­ta­ku­lär aus Deutsch­land aus­ge­wie­sen wurde. Im An­schluss an die deut­sche Erst­aus­gabe "Ich traf Hit­ler!", die 2023 bei im Ver­lag Das ver­ges­sene Buch er­schien, ver­sam­melt der Band "Das Ende der Demo­kra­tie" die Re­por­ta­gen aus den Jah­ren 1931 und 1932, in de­nen Doro­thy Thomp­son hell­sicht­ig und ver­blüf­fend ak­tuell an­mu­tend zu­gleich den Unter­gang der Wei­ma­rer Re­pu­blik und die Durch­set­zung der NS-Dik­ta­tur be­schreibt. Ihre Texte er­schie­nen als il­lus­trierte Se­rie in der auf­la­gen­­star­ken ameri­ka­ni­schen Zeit­schrift "Satur­day Eve­ning Post" und wer­den hier erst­mals seit ihrem Er­schei­nen wie­der zu­gäng­lich gemacht.

„Erneut und in hohem Tempo aber voll­zieht sich die Demon­tage einer Demo­kra­tie, und wir er­le­ben sie mit, so wie Doro­thy Thomp­son den Unter­gang Weimars – live, in 3D und Farbe.“
– Christian Staas, DIE ZEIT

„Man kann in diesen Texten dem Unter­gang der Wei­ma­rer Repu­blik ge­wis­ser­ma­ßen live zu­schauen, kann die Dy­na­mik mit­ver­fol­gen, an de­ren Ende sich die Demo­kra­tie selbst abschafft.“
– Harald Staun, FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG

„Sie gehörte zu den einflussreichsten Frauen Amerikas, zählte Sig­mund Freud und Bertolt Brecht zu ihren Be­kannten: Die große Jour­na­lis­tin und Ex­zen­tri­ke­rin Dorothy Thomp­son wird wie­der­entdeckt.“
– Wolfgang Paterno, PROFIL

„Sie bietet einen Einblick in das, was Ernst Bloch das ‚Dunkel des gelebten Augen­blicks‘ nannte.“
– Felix Stephan, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

FALTER-Rezension

Zeitzeugnisse einer Journalistin

Juliane Fischer in FALTER 1-3/2026 vom 14.01.2026 (S. 22)

"Das ist alles schon ewig her, jeden­falls nach den Stan­dards unse­rer in fie­ber­haf­tem Wan­del be­grif­fe­nen Epo­che der Welt­ge­schichte", liest man in die­ser Neu­er­schei­nung. Da­bei stam­men die­se Worte aus dem Jahr 1932. Ge­schrie­ben hat sie Dorothy Thomp­son in der Satur­day Eve­ning Post, ei­ner Wochen­zei­tung aus Phila­del­phia. Jetzt wur­den elf Ar­ti­kel ins Deut­sche über­setzt und im Ver­lag Das ver­ges­sene Buch heraus­ge­geben. Ein zwei­ter Teil soll unter dem Titel "Der An­fang der Dik­ta­tur" folgen.

Europa sei in einem "Zustand völligen Durch­einan­ders und die Be­völ­ke­rung in eine Art Mas­sen­wahn ver­setzt", schreibt die Korres­pon­den­tin. Be­son­dere Auf­merk­sam­keit wid­met sie der Zwick­mühle "Ver­sail­ler Ver­trag" mit sei­nen zer­brö­sel­ten Illu­si­onen. An­fangs zer­legt sie Joseph Goeb­bels Sport­pa­last­rede, ver­gleicht Adolf Hit­lers Pro­gramm mit je­nem Benito Mus­so­li­nis und zeigt, wie Wahl­ver­spre­chen und Re­ali­tät aus­einan­der­klaffen.

Sie interviewt Deutschlands Kanzler Hein­rich Brüning, der den Anti­popu­lis­ten gibt: "Ich wei­gere mich, Ver­spre­chun­gen zu ma­chen, die ich nicht er­fül­len kann. Das Ziel von Poli­tik sollte es sein, Pläne nicht für den Augen­blick zu ma­chen, son­dern für ein Jahr­zehnt." Und sie schleust sich under­cover als Rot-Kreuz-Schwes­ter ein, um über den Putsch­ver­such von Kai­ser Karl in Un­garn zu be­rich­ten. Die Witwe Zita be­sucht Thomp­son im bel­gi­schen Exil, und sie zoomt nach Ost­preu­ßen, wo der Frie­den auf be­son­ders wacke­li­gen Bei­nen steht.

Die reportagigen Elemente, die zum Bei­spiel zei­gen, wie die Natio­nal­sozia­lis­ten sich ins­ze­nieren, lesen sich am span­nends­ten. Jour­na­listen, die auf­deckten, wel­che Schlupf­lö­cher man in Deutsch­land fand, um auf­zu­rüsten, wur­den mit dem Vor­wurf des Ehren­ver­rats ver­haf­tet. Dorothy Thomp­son selbst wurde als eine der Ers­ten 1934 aus­gewiesen.

Fünf Jahre später kürte sie das Time-Magazin zur einflussreichsten Frau in den USA.

Posted by Wilfried Allé Sunday, January 18, 2026 3:21:00 PM Categories: Sachbücher/Geschichte/20. Jahrhundert (bis 1945)
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Atlas der KI 

Die materielle Wahrheit hinter den neuen Datenimperien

von Kate Crawford

ISBN: 9783406837678
Reihe: Beck Paperback
Erscheinungsdatum: 01.12.2025
Verlag: C.H.Beck
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Gesellschaft
Übersetzung: Frank Lachmann
Sammlung: Neue Taschenbücher
Umfang: 336 Seiten
Format: Taschenbuch
Preis: € 18,50
Kurzbeschreibung des Verlags

Weder künstlich noch intelligent eine kritische Analyse der KI-Industrie

Wir tendieren dazu, künstliche Intelligenz als eine wunder­same und kör­per­lose Form der ma­schi­nel­len Klug­heit zu be­trach­ten. Von der preis­ge­krön­ten Wis­sen­schaft­lerin Kate Craw­ford ler­nen wir hin­ge­gen, dass KI in Wahr­heit we­der künst­lich noch in­tel­li­gent ist, son­dern in ihrer ma­te­riel­len Wirk­lich­keit auf Res­sour­cen­aus­beu­tung und Macht­kon­zen­tra­tion hinaus­läuft.

Crawford nimmt uns mit auf eine faszi­nie­ren­de Reise zu Li­thi­um­mi­nen und Klick­fa­bri­ken, zu auto­ma­ti­sier­ten Ar­beits­plät­zen und rie­si­gen Daten­ar­chiven, zu AI-Trai­nings­camps und zum algo­rith­mi­schen Kriegs­füh­rungs­team des Pen­ta­gon. Auf die­se Weise zeich­net sie ei­nen At­las der künst­li­chen Intel­li­genz, der die ver­schie­de­nen Be­rei­che ihrer kon­kre­ten Rea­li­tät kar­tiert, um unser kri­ti­sches Auge zu schu­len. Ge­stützt auf ein Jahr­zehnt ori­gi­nä­rer For­schung zeigt Craw­ford, dass KI in ers­ter Li­nie eine Techno­lo­gie der Ex­trak­tion ist der Ab­schöp­fung von Mi­ne­ra­lien, bil­li­ger Ar­beits­kraft und ei­ner un­er­mess­li­chen An­zahl von Da­ten. Das pla­ne­ta­re Netz­werk der KI schä­digt un­se­re Um­welt mas­siv, ver­tieft so­zi­ale Un­gleich­hei­ten und be­droht demo­kra­tische Prin­zi­pien. Craw­fords Buch lie­fert uns ei­nen dring­li­chen Be­richt, was auf dem Spiel steht, wenn große Unter­neh­men und staat­liche Ins­ti­tu­tio­nen KI nut­zen, um die Welt um­zu­ge­stalten.

"Kate Crawford zeigt auf, wo KI von Ausbeutung profi­tiert und da­bei Demo­kra­tien ge­fähr­det." Sach­buch-Bes­ten­liste von der lite­ra­ri­schen WELT, NZZ, RBB Kul­tur und Radio Österreich 1

Posted by Wilfried Allé Monday, January 12, 2026 11:21:00 AM Categories: Gesellschaft Sachbücher/Politik Wirtschaft/Gesellschaft
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Ökonomie der Angst 

Die Rückkehr des nervösen Zeitalters

von Oliver Rathkolb

ISBN: 9783222151538
Erscheinungsdatum: 30.10.2025
Verlag: Molden Verlag in Verlagsgruppe Styria GmbH & Co. KG
Genre: Sachbücher/Geschichte/Zeitgeschichte (1945 bis 1989)
Sammlung: Wissenschaftsbuch des Jahres
Umfang: 304 Seiten
Format: Hardcover
Preis: € 33,00
Kurzbeschreibung des Verlags

Radikalisierung, Autori­ta­ris­mus, Kriegs­trei­be­rei, Xeno­pho­bie und Kon­troll­ver­lust: Wir alle spü­ren das ner­vö­se Fie­ber und es er­in­nert uns an längst ver­gan­gen ge­glaubte Zeiten.

Oliver Rathkolb
macht die Ursache an der »ersten und zweiten Turbo­glo­ba­li­sie­rung« fest.
Politische Umwälzungen, öko­no­mi­sche Kri­sen und techno­lo­gi­sche Inno­va­tionen
überfordern im Vorfeld des Ersten Welt­kriegs wie auch heu­te die natio­na­len Ge­sell­schaf­ten und ihre poli­ti­schen Eli­ten – und ru­fen die Raub­rit­ter der Wirt­schaft auf den Plan. Irra­tio­nale Fehl­ent­schei­dungen in der Poli­tik, eine Pola­ri­sie­rung der Be­völ­ke­rung und das Ge­fühl der Mar­gi­na­li­sie­rung des Ein­zel­nen wecken eine
Sehnsucht nach dem »starken Mann«
und
einfachen, oft gewalt­vol­len Lö­sun­gen für kom­plexe Probleme
.

Steht uns ein neues autori­täres Zeit­alter bevor?

Posted by Wilfried Allé Thursday, January 8, 2026 8:16:00 PM Categories: Sachbücher/Geschichte/Zeitgeschichte (1945 bis 1989)
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Demokratie sucht Zukunft 

Wie Parteien neu gedacht werden müssen

 Mit Gastbeiträgen von Othmar Karas und Nikolaus Kowall

von Kurt Guwak, Judith Kohlenberger, Laurenz Ennser-Jedenastik

ISBN: 9783990605370
Erscheinungsdatum: 08.11.2025
Verlag: Goldegg Verlag GmbH
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Politik
Format: Hardcover
Umfang: 208 Seiten
Preis: € 27,00
Kurzbeschreibung des Verlags

Ein neuer Blick auf die gegenwärtige Krise der Parteien und ihre Auswirkung auf die Demokratie


Die Krise der westlichen Demokratien

Westliche Demokratien – von den USA über Deutsch­land bis nach Öster­reich – ste­hen an einem Scheide­weg. Trotz aller Unter­schiede sind sie alle mit ähn­li­chen Pro­ble­men kon­fron­tiert:
zunehmende Polarisierung,
abnehmende Kooperationsfähigkeit
und zunehmender Opportunismus. Das Resultat: Die Fähig­keit die gro­ßen, schwie­ri­gen Zu­kunfts­fra­gen kons­truk­tiv zu be­ar­bei­ten schwindet und
extreme politische Positionen werden gestärkt.

Die ehemals tragenden Säulen der modernen Demokratie, unsere Parteien, wirken heute wie gelähmt.
Stillstand, Vertrauensverlust und mangelnde Reformbereitschaft
lassen Bürgerinnen und Bürger an Parteien zweifeln. Und auch wenn in der medi­a­len Poli­tik-Dis­kus­sion im­mer wie­der ein­zel­nen Per­so­nen in den Vor­der­grund ge­stellt wer­den, so lie­gen die Ur­sa­chen die­ser katas­tro­pha­len Ent­wick­lungen doch meist tie­fer, in den inne­ren Dy­na­mi­ken von Parteien.
 

Neue Perspektiven für unsere politische Zukunft

Anstatt sich mit Pessimismus abzufinden, bieten Kurt Guwak, Judith Kohlen­ber­ger und Lau­renz Ennser-Jede­nas­tik einen
ganzheitlichen, interdisziplinären Ansatz, der Poli­tik­wis­sen­schaft, Or­gani­sa­tions-Sozio­lo­gie und der poli­ti­schen Praxis ver­bin­det. Par­teien wer­den als so­zia­le Sys­teme ver­stan­den. Da­raus er­geben sich
neue, fokussierte Einsichten und um­setz­ba­re Lö­sungs­ansätze.

In "Demokratie sucht Zukunft“ analy­sie­ren die Auto­ren die tief­grei­fen­den Ur­sa­chen der ak­tuel­len Par­teien­krise. Mit Gast­bei­trägen von 
Othmar Karas und Nikolaus Kowall
bietet das Buch eine fundierte und viel­schich­tige Per­spek­ti­ve auf den Zu­stand und die Zu­kunft der Par­teien­land­schaft. An­hand kon­kre­ter Bei­spiele und mit neuen Zu­gängen wer­den die in­nere Dy­na­mik in Par­teien offen­ge­legt und ge­zeigt, wie fest­ge­fah­rene Struk­tu­ren über­wun­den, Ver­trauen zu­rück­ge­wonnen und
politische Erneuerung aktiv gestaltet werden können.


Was erwartet Sie in dem Buch

·  Dem Problem in die Augen sehen
– Warum die Eigeninteressen von Parteien im­mer mehr Ge­wicht be­kom­men, es im­mer mehr „Innen­kar­rie­ren“ gibt und „gute Leute“ kaum mehr be­reit sind in die Poli­tik zu gehen

·  Parteien reformieren
– Warum das politische System wenig inno­va­tiv ist und wie sich Par­teien ent­wickeln müss­ten, um kons­truk­ti­ve Ak­teure in einer mo­der­nen Demo­kratie zu sein

·  Vertrauen zurückgewinnen
– Welche Rolle die Zivil­ge­sell­schaft spie­len kann, und wie wir unser poli­ti­sches Sys­tem wie­der in Ba­lance bringen


Für eine lebendige Demokratie mit Zukunft!

Dieses Buch ist ein Weckruf für poli­tisch Inter­es­sier­te, Ent­schei­dungs­trä­ger:innen und all jene, die an eine bes­sere Zu­kunft glau­ben. Wenn wir den Still­stand über­win­den wol­len, müs­sen wir uns in­for­mie­ren, ver­ste­hen und handeln.

·  Ideal für alle, die sich mit Poli­tik, Demo­kra­tie und Par­teien­wan­del be­schäf­tigen

·  Klare Analysen, ver­ständ­lich erklärt

·  Konkrete Lösungen für eine zu­kunfts­fähige Demo­kratie

Warum sich unsere Demokratie in einer Sack­gasse befindet und wie wir ge­mein­sam den Weg nach vorne finden.
 

FALTER-Rezension

Eine Therapiestunde für Parteien und Wähler

Jürgen Klatzer in FALTER 52/2025 vom 24.12.2025 (S. 28)

Anhand der USA kann man nahezu täg­lich mit­er­leben, wie eine Demo­kra­tie ihren Wert ver­liert. Nein, da­ran ist nicht allein Do­nald Trump schuld. Der amtie­ren­de Prä­si­dent ist ledig­lich ein Pro­dukt einer Ent­wick­lung, die er zu­sätz­lich ver­stärkt: Die US-Poli­tik ist zu ei­ner Show, der US-Kon­gress zu ei­ner Arena ver­kom­men, in der das Spek­ta­kel mehr zählt als Sach­lich­keit. Statt über die Zu­kunft des Lan­des zu dis­ku­tie­ren, wird ge­strit­ten und blockiert. Der Kon­flikt zwi­schen Repu­bli­ka­nern und Demo­kra­ten ist so ver­fah­ren, dass sich selbst mün­di­ge Wäh­ler zu höri­gen Fans re­du­zie­ren. Sie ver­göt­tern "ihre" Par­tei und ver­teu­feln die anderen.
Man könnte das als singu­läres Pro­blem an­sehen, das jen­seits des At­lan­tiks liegt. Weit ge­fehlt, wie Organi­sations­be­rater Kurt Guwak, Mi­gra­tions­for­sche­rin Judith Koh­len­ber­ger und Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Lau­renz Ennser-Jedenas­tik in ihrem neuen Buch dar­legen. "Demo­kra­tie sucht Zu­kunft" han­delt von Par­teien, die ei­gene Inter­es­sen über das Ge­mein­wohl stel­len, die über­grif­fi­ger wer­den, statt der poli­ti­schen De­bat­te Raum zu ge­ben, und die nicht so recht wis­sen, was sie tun sollen.

Das Buch beginnt mit einer Diagnose: Das poli­tische Sys­tem ge­rät in eine Schief­lage. Das liegt an den Par­teien. Sie seien, schrei­ben die Auto­ren, "zu wenig poli­tisch": Der Satz mutet skur­ril an. We­der kann man sich eine Poli­tik ohne Par­teien noch Par­teien ohne Poli­tik vor­stellen.

Aber Parteien sind halt auch soziale Sys­teme. Sie wol­len wach­sen und mäch­ti­ger wer­den. Nur wie wol­len sie das in Zei­ten tun, in denen sie in der Be­völ­ke­rung an Rele­vanz ver­lieren? Die Mit­glie­der­zah­len sin­ken und das Ver­trauen schwindet.

Die Parteien betreten die Showarena und stel­len sich einem pau­sen­lo­sen Wahl­kampf. Was für Wahl­kämpfe ty­pisch ist: Der Inh­alt rich­tet sich in die­ser Arena weni­ger nach der ei­ge­nen Pro­gram­ma­tik als viel­mehr nach dem, was die "Fans" hö­ren wol­len. Nie­mand will wis­sen, dass we­gen des knap­pen Bud­gets der Rot­stift an­ge­setzt werden muss.

Die Erkenntnis ist nicht neu. Parteien tun mittler­weile fast al­les, um zu über­leben. Sie wol­len mehr vom Ku­chen, was legi­tim ist. Sie müs­sen Mie­ten und Per­so­nal zah­len, haben ei­ge­ne Par­tei­aka­de­mien, die fi­nan­ziert wer­den müs­sen. In Öster­reich ist der Topf da­für be­kannt­lich be­son­ders groß: 2024 wurden auf Bundes-und Landes­ebene 270 Mil­lionen Euro an För­de­run­gen aus­ge­schüttet.

Die Autoren regen deshalb an, stärker über diesen Eigen­trieb von Par­teien nach­zu­den­ken. Was wol­len sie? Und was soll­ten sie tun? Müss­ten nicht längst alle ver­su­chen, Ant­wor­ten auf die gro­ßen Fra­gen zu lie­fern, von der öko­lo­gi­schen und digi­ta­len Trans­for­ma­tion über die Mi­gra­tion bis hin zur Bil­dungs­krise und der altern­den Ge­sell­schaft? Ver­mut­lich ja. Doch die Par­teien sind mit sich selbst be­schäf­tigt, mit in­ter­nen Gra­ben­kämp­fen, PR-Schlach­ten und mit der Su­che nach "Wun­der­wuzzis", die Wäh­ler zu Fans machen.

Es wäre sinnvoll, das System wieder auszu­balan­cie­ren. Ge­rade Wah­len bö­ten sich ja an, die Par­teien an das Poli­ti­sche zu er­in­nern. Auch Quali­täts­me­dien könn­ten sie regel­mäßi­ger da­von ab­halten, nur im ei­ge­nen Inter­esse zu han­deln. Die trau­ri­ge Bot­schaft des Bu­ches lau­tet: Wah­len sind als ulti­ma­ti­ve Kon­troll­ins­tanz zwar wich­tig, aber nur be­grenzt wir­ksam. Und Me­dien ha­dern selbst mit ihrem Macht­verlust.

Die Autoren liefern eine andere Lösung: Die Zivil­ge­sell­schaft müs­se sich stär­ker poli­ti­sie­ren, wie einst in der anti­ken Polis. Denn die Quali­tät des poli­ti­schen Sys­tems hänge maß­geb­lich da­von ab, wie poli­tisch kom­pe­tent die Zivil­ge­sell­schaft ist.

Die Stärken des Buches liegen bei der aus­führ­li­chen Zu­stands­be­schrei­bung der über­grif­fi­gen Par­teien. Die vor­ge­schla­ge­nen Lö­sun­gen, um das Gleich­ge­wicht wie­der her­zu­stel­len, klin­gen uto­pisch. Aber um eine Polit­show wie jene in den USA zu ver­mei­den, nimmt man den uto­pi­schen An­spruch gerne in Kauf.

Posted by Wilfried Allé Sunday, January 4, 2026 5:43:00 PM Categories: Gesellschaft Sachbücher/Politik Wirtschaft/Politik
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Kaffeehäuser in Wien 

Ein Führer durch eine Wiener Institution. Klassiker, moderne Cafés, Konditoreien, Coffeeshops

Christopher Wurmdobler

EAN: 9783991660323
Erscheinungsdatum: 07.11.2025
Verlag: Falter Verlag
Genre: Reiseführer: Essen und Trinken
Format: Gebundene Ausgabe
Umfang: 256 Seiten
Preis: € 29,90
Kurzbeschreibung des Verlags

In dieser komplett überarbeiteten Neu­auf­lage wid­met sich „Kaf­fee­häu­ser in Wien“ der ein­zig­arti­gen Viel­falt der Wie­ner Kaf­fee­haus­kul­tur. Vom ehr­wür­di­gen Tra­di­tions­haus mit Samt­bank und Melange über Coffee­shops für den besten Coffee to Go bis zum sty­lishen Hipster-Café mit Flat White und Lap­top-Publi­kum – über 100 Lo­kale wer­den detail­reich be­schrie­ben und atmos­phä­risch ein­gefangen.

Der Autor Christopher Wurmdobler porträtiert Ein­rich­tung, An­gebot und Publi­kum, no­tiert kuli­na­ri­sche De­tails samt al­lem, was man für ei­nen Kaf­fee­haus­be­such wis­sen muss – und trifft mit fei­nem Ge­spür den be­son­deren Ton je­des Hauses. Er­gänzt wird das Buch durch stim­mungs­volle Fotos, die die Kaf­fee­haus-Atmos­phäre fast greif­bar machen.

Ein charmantes Kaffeehaus-ABC, Tipps für feine Rös­te­reien, Coffee­shops und Kon­di­to­reien so­wie ein prak­ti­sches Re­gis­ter nach Namen und Be­zir­ken ge­ord­net run­den den Kaf­fee­haus­führer ab. Ein un­ver­zicht­barer Be­glei­ter für Wie­ner­:innen, Gäste und alle, die das Kaffeehaus lieben.

Denn der Mensch ist eben kein simp­les Daten­­kon­­strukt und seine Wür­de darf nie­­mals optio­nal sein.

Posted by Wilfried Allé Tuesday, December 30, 2025 10:38:00 AM Categories: Reiseführer: Essen und Trinken
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MORALgorithmus 

Warum der Mensch im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz unersetzbar bleibt

von Possard Marlon

ISBN: 9783200107298
Erscheinungsdatum: 09.10.2025
Verlag: Urban Forum
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Volkswirtschaft
Format: Taschenbuch
Umfang: 140 Seiten
Preis: € 20,00
Kurzbeschreibung des Verlags

Was passiert, wenn Algo­rith­men Ent­schei­dun­gen tref­fen – und nie­mand mehr fragt, ob sie rich­tig sind? Wir le­ben in ei­nem Zeit­al­ter, in dem Künst­li­che In­tel­li­genz (KI) unse­re Kom­mu­ni­ka­tion ver­än­dert, unse­re Ar­beit, unse­re Be­zie­hun­gen – ja, so­gar unser Ver­ständ­nis von Moral. In­mit­ten die­ser Trans­for­ma­tion stellt sich ei­ne ent­schei­den­de Fra­ge: Was bleibt vom Men­schen, wenn Ef­fi­zienz plötz­lich wich­ti­ger wird als Em­pathie?

In MORALgorithmus nimmt dich Marlon Possard auf eine sehr per­sön­li­che Rei­se durch die Welt der KI mit, die zu­gleich aber auch ge­sell­schaft­lich höchst bri­sant ist. Zwi­schen Be­geg­nun­gen mit Chat­bots, auto­no­men Sys­te­men und algo­rith­mi­schen Ur­tei­len er­zählt er von Mo­men­ten, in de­nen Tech­nik glänzt – und von je­nen, in denen sie ver­stummt, wenn das Mensch­li­che ge­fragt ist. Die­ses Buch ist ein lei­den­schaft­li­ches Plä­doy­er für ei­nen men­schen­zen­trier­ten Um­gang mit KI – fun­diert, emo­tio­nal, nach­denk­lich. Es zeigt, wa­rum Mensch­lich­keit kein Re­likt ist, son­dern der wich­tig­ste Maß­stab für eine Zu­kunft, die wir ge­stal­ten und eben nicht bloß be­rech­nen sollten.

Denn der Mensch ist eben kein simples Daten­kon­strukt und seine Wür­de darf nie­mals optio­nal sein.

Posted by Wilfried Allé Saturday, December 13, 2025 10:12:00 AM Categories: Gesellschaft Sachbücher/Politik Wirtschaft/Volkswirtschaft
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