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Wie der Klimawandel Österreich verändert 

Der ORF-Wettermann Marcus Wadsak ist einer der be­kann­tes­ten Klima­wan­del-Ex­per­ten im öster­rei­chi­schen Jour­na­lis­mus, nun legt er mit „Klima­wandel – Fakten gegen Fake & Fiction“ ein Er­klär­buch zum Thema vor. Er han­delt da­bei die wich­tigs­ten Fra­gen ab: Was ist der Kli­ma­wan­del, wie ent­steht er, wie be­trifft er uns und wie kön­nen wir ihn stop­pen?

Mit seinem Buch gelingt es dem Wetter­jour­na­lis­ten, die Fol­gen des Kli­ma­wan­dels in Öster­reich mit kon­kre­ten Bei­spie­len spür­bar zu ma­chen und sie bis auf die Mikro­ebe­ne herun­ter­zu­brechen. Da­rauf liegt der Fo­kus, da­rin liegt die Stär­ke die­ses Bu­ches. Der Blick über den rot-weiß-roten Tel­ler­rand er­folgt hin­ge­gen nur sel­ten, Mega­the­men wie Kriege um schwin­den­de Res­sour­cen, Flücht­lings­kri­sen, Hun­gers­nöte und Arten­sterben – die mit der Klima­krise eben­falls zu­sam­men­hän­gen – wer­den eher an­ge­tippt als ab­ge­han­delt.

Dieses Buch ist eine unschlagbar kom­pak­te Infor­mations­quelle auf dem ak­tu­ellsten Stand der Wis­sen­schaft mit Ant­wor­en auf die bren­nends­ten Fra­gen zum Thema Klima­wan­del. Denn wir sind die ers­te Gene­ra­tion, die die Fol­gen spürt, und die letz­te, die et­was da­ge­gen tun kann. Und wer denkt beim Stich­wort Klima­wan­del noch an ver­zwei­fel­te Eis­bären auf dahin­schmel­zen­den Eis­schol­len? Wir sind längst selbst da­von be­trof­fen. Hitze­sommer, Dür­ren und som­mer­liche Tage im Spät­herbst las­sen kei­nen Zwei­fel mehr zu: Es wird im­mer heißer. Niem­and hat die­se Ver­än­de­run­gen unse­rer Um­welt ge­nau­er im Blick als der Wet­ter­ex­per­te Marcus Wadsak. Was pas­siert ge­rade mit un­se­rem Pla­ne­ten? Und vor al­lem: Was kön­nen wir tun, da­mit auch unse­re Kin­der und Enkel noch hier le­ben kön­nen?

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Posted by Wilfried Allé Monday, August 8, 2022 8:12:00 PM
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Erster Wasserstoff Stadtbus in Österreich  

Der Wasserstoff-Elektro-Stadtbus “Hyundai Fuel Cell ELEC City” ist seit Anfang 2022 bei den Wiener Linien im Einsatz
Ersteller: M.Helmer
  Ersteller: M.Helmer

Bei der Umsetzung der Wasser­stoff­stra­te­gie setzt Hyun­dai in Öster­reich ein be­son­de­res High­light mit dem erst­ma­ligen In­ver­kehr­brin­gen ei­nes Was­ser­stoff-Elek­tro-Stadt­bus­ses im öf­fent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr. Seit An­fang 2022 ist der Hyun­dai Fuel Cell ELEC City bei den Wie­ner Li­ni­en als Eu­ro­pa- und Öster­reich­pre­mi­ere im Ein­satz. Wei­te­re Fahr­zeu­ge fol­gen im Rah­men des Hy­Bus-Im­ple­men­ta­tion-Pro­jekts, in des­sen Rah­men die Tech­no­lo­gie und de­ren struk­tu­rier­ter Ein­satz für die nächs­ten Jah­re er­probt und um­ge­setzt wer­den.

Als einer der welt­größten Misch­kon­zernen sieht Hyun­dai die An­wen­dung der Brenn­stoff­zel­len da­bei in sei­nen unter­schied­lich­sten Ge­schäfts­be­rei­chen: vom Pkw über leich­te Nutz­fahr­zeuge und Heavy-Duty-Appli­ka­tio­nen im Lkw- und Bus­be­reich bis hin zu Schif­fen, Zü­gen und zur Luft­fahrt.

Da man mit Wasserstoff Ener­gie spei­chern und trans­por­tie­ren kann, kommt ihm auf­grund der stei­gen­den vola­ti­len er­neu­er­ba­ren Strom­pro­duk­tion ei­ne be­deu­ten­de Rol­le bei der Ener­gie­spei­che­rung zu. Was­ser­stoff kann da­her auch als Treib­stoff im Ver­kehr oder in in­dus­triellen Ver­fah­ren ein­ge­setzt wer­den. mehr ->

Posted by Wilfried Allé Saturday, May 28, 2022 10:32:00 AM
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Stromsparen mit Bremsenergie bei Wiener U-Bahnen 

Durch Brake Energy gewinnen U-Bahnen beim Bremsen die Energie zurück
Wie die U-Bahnen als kleine Kraftwerke funktionieren

Immer, wenn eine U-Bahn in eine Station einfährt und bis zum Stillstand abbremst, wird Bremsenergie frei. Ein Großteil der gewonnenen Energie wird rückgespeist und treibt andere anfahrende Züge an. Ist dieser Energiefluss nicht möglich, kommt die Bremsenergie-Anlage zum Einsatz. Die überschüssige Bremsenergie wird in das 20kV-Wechselstromnetz der Wiener Linien eingespeist. So werden Rolltreppen, Aufzüge und Beleuchtung in Stationen mit recyceltem Strom versorgt.

Mit dieser Brake Energy gewinnen U-Bahnen beim Bremsen Energie zurück. Eingespart werden mit den bisherigen Anlagen bis zu 4 Gigawattstunden im Jahr. Das entspricht dem Stromverbrauch von durchschnittlich 800 Haushalten und spart rund 600 Tonnen CO2. Denn je mehr Energie recycelt werden kann, desto weniger Energie muss neu erzeugt werden.

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Posted by Wilfried Allé Monday, April 11, 2022 10:26:00 AM
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Kämpfen wir in Wien gemeinsam gegen die Klimakrise! 

Neues Pilotprojekt bindet Bürger*innen in die Politikgestaltung ein

Wenn Sie Ideen haben, wie man den Folgen des Klimawandels in Wien begegnen kann, werden Sie doch Teil des neuen Wiener Klimateams! Im Kampf gegen die Klimakrise brauch es Ideen - und diese können Sie ab April persönlich einbringen. „Die Wienerinnen und Wiener wissen selbst am besten, was es bei ihnen ums Eck braucht, um das Leben in der Stadt noch nachhaltiger und besser zu machen. Mit dem Wiener Klimateam setzen wir daher auf neue Wege in der Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern: Sie können nicht nur eine Idee einreichen, sondern sich aktiv bei der Weiterentwicklung der Idee zum Projekt beteiligen", sagt Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky. Für die Pilotphase stellt die Stadt 6,5 Mio. Euro pro Jahr bereit. Los geht's mit den Pionierbezirken Margareten, Simmering und Ottakring.
Lesen Sie mehr dazu in der Rathauskorrespondenz

Posted by Wilfried Allé Monday, January 17, 2022 11:09:00 AM
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University of Vienna Biology Building - ein klimafreundliches Universitätsgebäude 

Mit dem University of Vienna Biology Building ist in den vergangenen drei Jahren ein neues, klimafreundliches und ultramodernes Biologiezentrum im 3. Wiener Gemeindebezirk entstanden.

Erstes Laborgebäude in Wien mit Wärmerückgewinnung aus Laborluft

Bei der Planung des Biologiezentrums achtete man besonders darauf, ein klimafreundliches Universitäts- und Forschungsgebäude zu konzipieren. Das begann beim Grundriss, der so flexibel wie möglich geplant wurde. Die Größe der Räume kann angepasst werden, weil die Zwischenwände installationsfrei sind, Laborflächen können in Büros umfunktioniert werden und umgekehrt. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass das Gebäude möglichst lang genutzt werden kann, was ein wesentlicher Faktor für den Klimaschutz ist.

Die Konstruktion der Gebäudehülle ist besonders energieeffizient. Die Wände sind wärmegedämmt, die Fenster dreifach verglast und mit Sonnenschutzbeschichtung versehen, außenliegender Sonnenschutz mit intelligenter Steuerung kommt durchgehend zum Einsatz.

Auch bei der Wahl der Materialien achtete man auf Klimafreundlichkeit. Eine Klinkerfassade ist enorm widerstandsfähig und damit besonders nachhaltig, da sie über Generationen praktisch wartungsfrei ist. Es wurde zertifiziertes Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft verbaut und weitgehend auf PVC verzichtet.

Und erstmals wird in Wien bei einem Forschungsgebäude die Laborabluft zur Wärmerückgewinnung genutzt, sodass mindestens 30 Prozent der benötigten Wärme im Vergleich zu einem herkömmlichen Laborgebäude eingespart werden können.

"Wien wird einmal mehr seinem exzellenten Ruf als Forschungs- und Wissenschaftsstandort gerecht. Wir haben ideale Bedingungen für internationale Forschungsunternehmen im Bereich Pharmazie, Biotechnologie und Medizin. Als Life Science Hub hat Wien eine sehr hohe Forschungsquote von 3,5 Prozent, die über der EU-Vorgabe von 3 Prozent liegt. Das schafft Arbeitsplätze und kurbelt unsere Wirtschaft an. Mit dem Biology Building der Uni Wien wird unsere Universitäts- und Wissenshauptstadt nun um noch eine Facette reicher: In dem Gebäude in Neu Marx startet jetzt der Vollbetrieb für 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für 5.000 Studierende, die in dem innovativen Gebäude, das – wie man auf gut Wienerisch sagt – 'alle Stückln spielt', ein für Forschung, Lehre, Studium und Administration inspirierendes Umfeld vorfinden", Bürgermeister Michael Ludwig anlässlich der Eröffnung am 8. Oktober 2021.

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Posted by Wilfried Allé Thursday, October 14, 2021 12:10:00 AM
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Glyphosat-Verbot: Aussagen von Elisabeth Köstinger irreführend 

Böswillige Absicht oder einfach Stümperhaftigkeit - entscheide selbst was hier zutrifft

„Die aktuellen Aussagen aus dem von Elisabeth Köstinger (ÖVP) geführten Landwirtschaftsministerium, wonach die EU-Kommission dem österreichischen Glyphosat-Verbot eine klare Absage erteilt hätte, sind irreführend und falsch“, erklärt GLOBAL 2000 - Umweltchemiker Helmut Burtscher-Schaden: „Mit dieser Interpretation suggeriert das Ministerium, dass die EU-Kommission einen rechtlich bindende Einwand eingelegt hätte, während sie tatsächlich auf dieses Instrument verzichtet hat. “ GLOBAL 2000 möchte daher die zuständige Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger auf das vor zwei Jahren von Frankreich erfolgreich im Alleingang umgesetzte Verbot von Pestizidwirkstoffen aus der Gruppe der Neonikotinoide aufmerksam machen, welches in vieler Hinsicht mit dem österreichischen Glyphosat-Verbot vergleichbar ist.

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Mit scheinheiliger Ausrede wird Österreichweites Glyphosat-Verbot nicht umgesetzt ->

Posted by Wilfried Allé Wednesday, August 19, 2020 8:33:00 PM
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Förderungen e-Mobilität 

gilt für Privatpersonen und Betriebe, Vereine und Gebietskörperschaften des öffentlichen Rechts

Mit 1.7.2020 sind folgende Änderungen bei der Förderung für die e-Mobilität in Kraft getreten (gültig vorerst bis 31.12.2020):

  • Für PKW gibt es nunmehr EUR 5.000,-- statt EUR 3.000,--
  • Für Elektro-Motoräder EUR 1.200,-- statt EUR 1.000,--
  • Für Elektro-Mopeds EUR 800 statt EUR 700,--
  • Für Elektro-Transporträder EUR 850,-- statt EUR 400,--
  • Für Plug-in-Hybrid EUR 2.500,-- statt EUR 1.500,--

Der Listenpreis darf für die Inanspruchnahme der Förderung EUR 50.000,-- nicht übersteigen, die Antriebsart muss 100% Strom oder Wasserstoff (erneuerbare Energie) sein. Der Fördertopf beträgt EUR 63,5 Mio. und Anträge können bis 31.12.2020 gestellt werden oder bis der Fördertopf ausgeschöpft ist. Bei Plug-in-Hybrid darf der Listenpreis nicht höher als EUR 60.000,-- sein und die elektrische Reichweite muss mindestens 50 KM sein. Des Weiteren darf der Verbrennungsmotor kein Diesel sein.

Weiters werden auch die Förderungen für Ladestationen (Wallbox oder Heimladestation) angehoben:

  • Privater Haushalt EUR 600,-- statt EUR 200,--
  • >Mehrparteienhäuser EUR 1.800,--

Für die Genehmigung in Mehrparteienhäuser soll es im Herbst noch eine Änderung geben, bisher mussten alle Miteigentümer dem Einbau zustimmen, diese Bestimmung soll voraussichtlich fallen.

Posted by Wilfried Allé Wednesday, July 22, 2020 10:59:00 PM
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Sonnenstrom-Rekord für Wien 

Wien Energie hat von Jänner bis Ende Juni 2020 so viel Sonnenenergie erzeugt wie noch nie. Österreich größter Solarstromerzeuger steigerte seine Produktion im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 60 Prozent auf 13.800 Megawattstunden. Der Anstieg ist vor allem auf das engagierte Photovoltaik-Ausbauprogramm von Wien Energie zurückzuführen. 27 Anlagen mit rund 16 Megawatt wurden allein seit Jahresbeginn neu errichtet oder befinden sich aktuell in Umsetzung. Aber auch das Wetter spielte im heurigen Frühjahr mit: Insbesondere der Mai 2020 wurde seinem Namen als Sonnenmonat gerecht, fast täglich liefen die Anlagen hier auf Spitzenleistung.

Bis 2030 will Wien Energie Sonnenstrom mit einer Leistung von 600 Megawatt erzeugen. Damit können dann umgerechnet 250.000 Haushalte oder zwei Städte wie Graz und Linz zusammengenommen versorgt werden. Eine halbe Milliarde Euro nimmt das Unternehmen dafür in den nächsten zehn Jahren in die Hand.

Das Klimaschutz-Engagement von Wien Energie spiegelt sich auch in einem aktuellen Ranking des European Brand Institutes (EBI) wieder. Im Rahmen der Österreichischen Markenwert Studie 2020 holt Wien Energie den ersten Platz unter den Energieversorgern im „Sustainable Brand Rating“.

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Posted by Wilfried Allé Thursday, July 9, 2020 7:14:00 AM
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Unendliches Wachstum ist mit endlichen Ressourcen schwer zu verwirklichen 

Immer neuere Technologie und florierende Märkte erlauben uns Menschen einen Lebensstandard wie niemals zuvor. Gleichzeitig aber verursachen sie aber auch nie dagewesene Schäden und Zerstörungen. Das weitere Vordringen der Zivilisation, die verheerenden Rodungen, Monokulturen, Pestizide, Bodenversiegelungen und die Verschmutzung der Ozeane haben zur Folge, dass in Europa sechzig Prozent aller Wirbeltiere und Insekten verschwunden und Tausende von Arten vom Aussterben bedroht sind. Ein globaler Kollaps der Biodiversität droht, der Organismen und Netzwerke zerreißt oder beschädigt, die zum Teil noch gar nicht entdeckt worden sind.

Steigen die Meerestemperaturen weiter an, wird das auch zum Zusammenbruch der Planktonvorkommen führen, die bereits jetzt um vierzig Prozent reduziert sind. Durch die Photosynthese produziert Plankton einen wichtigen Anteil des Sauerstoffs in der Atmosphäre, bindet dabei CO2 und steht gleichzeitig am Anfang einer mächtigen Nahrungskette. Währenddessen vernichten illegale Brandrodungen pro Jahr eine Fläche Regenwald, die so groß ist wie Österreich und die Schweiz zusammengenommen, dreißig Fußballfelder pro Minute.

Das Problem ist nicht, dass all dies intellektuell schwer zu erfassen wäre. Unendliches Wachstum ist mit endlichen Ressourcen schwer zu verwirklichen. Es ist viel eher, dass es denen, die die Möglichkeit hätten, daran etwas zu ändern, es materiell so gut geht wie noch nie und so offensichtlich die Sicht und Einsicht verstellt ist. Und als Beruhigung wird die Pille "Hier und Heute" eingenommen um das " Unangenehme und Morgen" in eine scheinbar noch weite Zukunft hinauszuschieben.

Wir agieren vielmehr nach dem Motto: "Wer sich als erster bewegt, hat verloren". Doch die Realität und Zukunft funktioniert nicht nach diesen Spielregeln. Das gilt es zu erkennen.

Der Schriftsteller Philipp Bloms versucht mit seinem Buch „Das große Welttheater ist ein Ort, an dem die Welt sich neu erfinden kann“ in einer Analyse die gegenwärtigen Umbrüche darzustellen. Er meint und mahnt: "Wir leben in der besten aller Welten: Nie zuvor gab es so lange Frieden bei uns, nie waren wir so reich, so sicher. Diese Geschichten erzählen wir uns selbst. Was aber, wenn sie nicht der Wirklichkeit entsprechen? Wenn die Demokratien bröckeln, der Hass zwischen den sozialen Gruppen wächst, das Wirtschaftswachstum stagniert, die Gefahr einer Klimakatastrophe steigt?" In seinem großen Essay zeigt Philipp Blom, wie es möglich ist, dass der Westen nicht trotz, sondern wegen Frieden und Wohlstand in einer Krise steckt. Nichts in unserer Vergangenheit hat uns darauf vorbereitet. Die Zeichen stehen auf Sturm, und der Kampf um die Zukunft wird auch ein Kampf der Geschichten sein, vor aller Augen, auf der Bühne des Welttheaters.

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Posted by Wilfried Allé Saturday, May 30, 2020 9:20:00 AM
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Ein CO2-Preis für den Klimaschutz 

Eine eigene Steuer hätte mehr Vorteile als ein Handelssystem für Treibhausgasemissionen

von Franz Nauschnigg, 24.01.2020

Franz Nauschnigg war bis bis zu seiner Pensionierung im Mai 2019 Abteilungs­leiter für Inte­grations­angelegen­heiten und Inter­natio­nale Finanz­organi­sationen in der Oester­reichischen National­bank (OeNB). In den 1990er Jahren beriet er die Finanz­minister Andreas Stari­bacher, Viktor Klima und Rudolf Edlinger.

https://www.wienerzeitung.at/meinung/gastkommentare/2047237-Ein-COsub2-sub-Preis-fuer-den-Klimaschutz.html?em_no_split=1

Die Einführung eines CO2-Preises hätte gleich mehrere posi­tive Effekte: Er würde klima­schädliche Güter teurer machen und da­durch deren Konsum re­du­zieren. Außer­dem würden öko­lo­gischere Alter­na­tiven kon­kurrenz­fähiger werden. Ein­nahmen könnten direkt in öko­logische Maß­nahmen - wie den Aus­bau des öffent­lichen Ver­kehrs - in­ves­tiert wer­den. Eine Zu­satz­be­lastung ein­kommens­schwacher Haus­halte könnte durch einen Öko-Bonus und die För­derung der Be­nut­zung des öffent­lichen Ver­kehrs, durch niedri­gere Ab­gaben auf den Fak­tor Ar­beit oder durch Sen­kung re­gres­si­ver Ab­gaben wie der Öko­strom­ab­gabe ab­ge­fe­dert wer­den.

Ein CO2Preis könnte durch eine CO2-Steuer oder CO2-Handels­system erreicht werden. Ich habe mich schon in der Oester­reichischen National­bank mit dem Thema be­schäf­tigt, noch be­vor in den ver­gan­genen Jahren die Dis­kussion zu "Green Finance" - was der Finanz­sek­tor zur Klimarettung betragen kann - an Aktualität gewann. Bereits 2013 argumentierte ich in einem Beitrag zum Buch "Powerlines - Energiepolitische Entwicklungslinien Euro­pas" für eine CO2-Steuer statt eines CO2-Handels­systems, ver­bunden mit Grenz­aus­gleichen.

Eine EU-weite CO2-Steuer - aber keine un­differen­zierte

Jetzt arbeite ich in der "Task Force on Carbon Pricing in Europe", die sich unter der Lei­tung des ehe­maligen Französischen Finanz­minis­ters Edmond Alphandéry für einen CO2-Preis in Eu­ro­pa ein­setzt und auch mit anderen Gruppen etwa in China zu­sammen­ar­beitet, um dieses Ziel zu er­reichen. Nach Kon­ferenzen in Paris und Berlin wird die Task Force nun auch in Wien eine öffent­liche Panel­dis­kussion ab­halten, und zwar am 27. Jänner ab 17 Uhr im Haus der Eu­ro­päischen Union. Dabei wird es um einen CO2-Preis in Europa und Grenz­aus­gleiche gehen. Die Task Force strebt einen CO2-Preis an und ist neu­tral, ob dieser durch eine CO2-Steuer oder ein CO2-Handels­system erreicht wird.

Ich persönlich sehe mehr Vor­teile in einer CO2-Steuer als in einem CO2-Handels­sys­tem, weil sie fair, ein­fach, trans­pa­rent und sta­bil wäre. Durch eine CO2-Steuer würden die Preise für fos­sile Ener­gien er­höht und da­durch deren nega­tive Ex­ter­nali­täten be­kämpft. Sie würde den In­ves­toren in Energie­sys­teme eine lang­fris­tige Planung der Kosten er­lauben. Eine CO2-Steuer sollte idealer­weise EU-weit ein­ge­führt wer­den. Sollte dies nicht mög­lich sein, könnte Öster­reich, so wie bei der Finanz­trans­aktions­steuer, mit gleich­gesinnten EU-Län­dern voran­gehen oder sogar eine Vor­reiter­rolle ein­nehmen.

Eine undifferenzierte EU- oder öster­reichische CO2-Steuer würde aller­dings nur die euro­päischen beziehungs­weise öster­reichischen Ex­porte be­lasten, die Im­porte nicht belasten und im End­effekt, wie das CO2-Handels­system der EU, zur Ver­lagerung der Pro­duk­tion ins Aus­land führen. Die Ein­führung einer Steuer auf CO2-Emis­si­onen muss daher mit einem Er­stattungs- und Ab­schöpfungs­system an der EU-Außen­grenze kom­bi­niert werden. Die Steuer sollte in der Größen­ord­nung von 30 Euro je Tonne liegen, mit einer Steige­rung um zum Bei­spiel 4 bis 6 Euro jähr­lich, um lang­fris­tige Planungs­sicher­heit zu geben. Auch die anderen Treib­haus­gase sollten, wenn mög­lich, mit ihren CO2-Äqui­va­lenten be­steuert werden.

Ökostromabgabe und Lohnnebenkosten senken

Die CO2-Steuer muss durch ein Er­stattungs­sys­tem für Ex­porte und ein Ab­schöpfungs­sys­tem für Im­porte er­gänzt werden. Ein der­artiges Sys­tem hat vor dem öster­reichischen EU-Bei­tritt für Agrar­pro­dukte gut funk­tio­niert, auch bei der Mehr­wert­steuer existieren derartige Systeme, Einfuhrumsatzsteuer beziehungsweise Erstattung der bezahlten Umsatzsteuer beim Export. Dadurch würde die internationale Wett­be­werbs­neutra­li­tät einer CO2-Steuer her­ge­stellt und eine Ver­la­gerung der Pro­duk­tion ins Aus­land ver­hin­dert. Die Regeln der Welt­handels­or­gani­sation (WTO) er­lauben es, Kon­sum­steuern auch auf Im­porte, etwa in Form einer Ein­fuhr­um­satz­steuer, ein­zu­heben, um Wett­be­werbs­neu­tralität zwi­schen hei­mi­schen Pro­du­zen­ten und Im­porten her­zu­stellen. So konnte ich in den 1980er Jahren im Kabinett von Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Erich Schmidt meine GATT-Kennt­nisse nutzen, um die Rahmen­be­din­gungen für eine För­derung der Öl­saaten­pro­duk­tion in Öster­reich zu schaf­fen, was zu einer Ex­plo­sion der Öl­saaten­pro­duktion führte. Nach dem Muster des Finanz­sek­tors könnte die EU jenen Län­dern, die einen ver­gleich­baren CO2-Peis be­sitzen, Äqui­va­lenz ge­währen, wo­durch für Ex­porte aus diesen Län­dern keine Grenz­aus­gleiche an den EU-Außen­grenzen er­forder­lich wären.

Die Einnahmen könnten zur Senkung re­gres­siver Ab­gaben wie der Öko­strom­ab­gabe - der Zu­schlag zum Strom­preis be­las­tet vor allem ärmere Haus­halte, weil viele andere Be­reiche be­freit sind - oder der Lohn­neben­kos­ten ver­wendet werden. Letzteres durch Ab­schaffung des Wohn­bau­förderungs­bei­trages würde zu mehr Be­schäf­tigung und ge­ringerer Arbeits­losig­keit führen. Die OECD kommt zum Schluss, dass eine Sen­kung der Lohn­neben­kosten zu mehr Be­schäf­tigung ins­be­sondere bei ge­rin­ger quali­fi­zier­ten Arbeit­nehmern führt. Die Sen­kung der Lohn­neben­kosten um 10 Pro­zent könnte die Arbeits­losig­keit um 2,8 Pro­zent­punkte sen­ken. Auch der IWF plä­diert seit Jahren für Ener­gie­steuer­er­höhungen.

Klimaschutz darf nicht die Un­gleich­heit er­höhen

Der Anstieg der Energie­preise würde zu Sub­sti­tutions­effekten und einer Re­duktion der Energie­inten­sität führen, wie wir es schon nach den Öl­krisen der 1970er und 1980er Jahre er­lebten. Ein Bei­spiel dafür sind die Steuern auf Treib­stoffe, die in der EU wesent­lich höher sind als in den USA. Dies hat dazu ge­führt, dass der Fahr­zeug­bestand in der EU wesent­lich energie­effi­zien­ter ist als in den USA.

Der Klima­schutz ist so zu ge­stal­ten, dass er die Un­gleich­heit nicht er­höht, sonst droht ein Backlash wie in Frank­reich. Ein nega­tives Bei­spiel ist die Öko­strom­ab­gabe zur Fi­nan­zierung der Öko­strom­er­zeugung, die den Strom­preis, die Un­gleich­heit (ärmere Kon­su­menten werde be­lastet, Pro­du­zenten kas­sieren hohe Ren­diten) und den CO2-Aus­stoß (die Eisen­bahn büßt Wett­bewerbs­fähig­keit gegen­über dem Lkw ein) er­höht. Wir brauchen einen ge­rechten Über­gang, der die Kosten nicht wieder vor allem den ärmeren Kon­su­menten auf­bürdet.

 

 

Kommentare

saubertl 25.01.2020, 11:50 Uhr

Steuer heißt Steuern
Ich hoffe dieser Beitrag verdient das Attribut „Anregung”. - weil es mich so aufregt.
„Steuer” im Sinne von Gebühren die der Staat einhebt heißt Steuern Prof. Dr. Bruckmann* (Ehemals Prof an einigen Unis, "Wahl- Hochrechner im ORF" - Abgeordneter der ÖVP im Österreichischen Nationalrat und vieles mehr) (aus dem Buch die Mega-Trends, Überroiterverlag ISBN 3-8000-3303-8) hat vor Jahrzehnten (1988) ein Modell entworfen und niedergeschrieben) Ich versuche hier den Inhalt wiederzugeben. Steuern heißt steuern

Steuerung Tranche 1 Entnahme von Rohstoffen der Erde besteuern Je einzigartiger (unwiederbringlicher) desto höher Nicht- nachwachsende- oder sehr langsam nachwachsende Rohstoffe (im Zeitmaß von Menschenleben) (Metalle - Erdöle - Gase) am meisten. Steuern auf nachwachsende "Rohstoffe " z.B. Holz, 30 - 50 Jahre, mittel -Stroh, Gras, Gurken (ein bis zwei Mal im Jahr), wenig, die menschliche Arbeitskraft - gar nicht.

saubertl 25.01.2020, 11:49 Uhr

Steuerung Tranche 2 Die Wiederverwertung müsste belohnt werden. Nicht wiederverwertbare Waren müssten am meisten, - restlos wiederverwertbare Stoffe mit der zweiten Tranche gar nicht besteuert werden. Täglich nachwachsende (Arbeitskraft) also gar nicht. Aus dieser Logik wäre Salat ganz wenig besteuert (Gesäht - Gesetzt - Geerntet - Gegessen - Gekackt... - = Retoure innerhalb eines Jahres restlos wieder verwertet und wenn möglich nur wenige km transportiert. (Erde zu Erde - Staub zu Staub)

Steuerung Tranche 3 Entfernungen besteuern (Je weiter jemand - etwas fährt) desto teurer müsste das Werk - die Ware werden. Kartoffel aus Israel - Wein aus Kalifornien oder Platten (die so tun als wären sie Möbel) aus Schweden ... usw..

Steuerung Tranche 4 Der Handelszuschlag: Auch der Handel mit Geld und dessen Produkte müsste besteuert werden. Die Schlussfolgerungen aus diesem System kann sich jeder selbst ausmalen.

Grüße der Saubertl

Posted by Wilfried Allé Saturday, February 8, 2020 7:06:00 PM
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