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Lieber Herr Karl! 

Es vergeht keine Woche, in der es Nichts zum Staunen gibt.

25. November 2022

SZ Österreich

https://nl-link.sueddeutsche.de/custloads/783191557/md_1693807.png Alexandra Föderl-Schmid, Stellvertretende Chefredakteurin

 

Lieber Herr Karl!

Eines muss man den politischen Entscheidungs­trägern in Öster­reich las­sen: Es ver­geht keine Woche, in der sie nicht zum Stau­nen An­lass geben. Wer ge­glaubt hat, dass sich in die­sem Land nach all den be­kannt ge­wor­denen Miss­stän­den tat­säch­lich etwas än­dert und gar Kon­se­quen­zen ge­zogen werden, der wurde in den ver­gan­genen Tagen eines Bes­seren be­lehrt.

Auf die Idee muss man erst einmal kommen: Aus­ge­rech­net Gerald Fleisch­mann, den Ver­trau­ten von Sebas­tian Kurz und Mit­be­schul­dig­ten in der Inse­raten­af­färe, machte Kanz­ler Karl Ne­ham­mer zum neuen Kom­mu­ni­kations­chef der ÖVP. Fleisch­mann ist jener Mann, der in Re­dak­tionen an­rief, wenn sich Kurz un­ge­recht be­han­delt oder nicht po­si­tiv genug dar­ge­stellt fühlte. Der Er­fin­der des Mes­sage Con­trol, wo­run­ter der Ver­such der to­ta­len Kon­trol­le der Me­dien zu ver­ste­hen ist, soll nun die Kom­mu­ni­kations­ar­beit für jene Par­tei ver­ant­wor­ten, die gerade durch diese Machen­schaf­ten ins Zwie­licht ge­ra­ten ist. Hier wird der Bock zum Gärt­ner ge­macht. Und man fragt sich mit Blick auf die ÖVP: Sind die so?

Dabei hat Nehammer Anfang November so etwas wie eine Dis­tan­zie­rung er­ken­nen las­sen; wenn auch mit einer Ein­schrän­kung ver­sehen: „Wenn es diese Vor­gän­ge ge­ge­ben hat, dann ver­ur­tei­le ich sie aufs Schärfste. Kor­rup­tion hat in Öster­reich defi­ni­tiv keinen Platz“, ver­si­cherte er im Parla­ment und be­teu­erte: „So bin ich nicht, und so sind wir nicht.“ Er be­haup­te­te auch noch: „Die, die ge­fehlt ha­ben, müs­sen Kon­se­quen­zen tragen.“

Offenbar nicht – oder nicht alle. Denn für Fleisch­mann gilt, das wird nun über­all be­tont, selbst­ver­ständ­lich die Un­schulds­ver­mu­tung. Die gilt aber wie­de­rum zu­min­dest in der Par­tei nicht für Thomas Schmid, mit dem Kurz, Fleisch­mann und all die an­de­ren so gern ge­chattet ha­ben. Und der mit­hilfe fri­sier­ter Um­fra­gen des­sen Auf­stieg an die Spitze der ÖVP und schließ­lich ins Kanzler­amt be­för­dert hat.

Der ÖVP-Ethikrat hat mit der erstaunlichen Be­grün­dung, Schmid habe schwere Straf­ta­ten ge­stan­den, den Partei­aus­schluss empfoh­len. Nun könnte man auf den Ge­dan­ken kom­men, dass wo­mög­lich der Haupt­profi­teur der „Wer zahlt-schafft-an“-Aktio­nen der Volks­par­tei min­des­tens ge­nau­so ge­scha­det hat. Denn schließ­lich ist seit Be­kannt­wer­den der Af­fären die Par­tei in den Um­fra­gen so weit ab­ge­stürzt, dass sie längst nicht mehr an der Spitze liegt.

Aber weit gefehlt! Für Sebastian Kurz gilt selbst­ver­ständ­lich in der ÖVP wei­ter­hin die Un­schulds­ver­mu­tung, und die Par­tei über­nimmt so­gar noch die Rech­nung für den An­walt. Die Kos­ten für die mani­pu­lier­ten Um­fragen hat im Übri­gen der Steuer­zahler ge­tra­gen. Kurz hat erst jüngst als Reak­tion auf Schmid mit Blick auf das Bud­get des Außen­minis­teri­ums den be­mer­kens­wer­ten Satz for­mu­liert, er hat­te diese Mittel „zur Ver­fügung“ – Geld der Steuer­zahler als per­sön­li­che Ver­fü­gungs­masse.

Angesichts der jüngsten Ent­wick­lungen würde es auch nicht über­raschen, dass Sebas­tian Kurz das ge­lingt, was Fleisch­mann ge­schafft hat: ein Come­back an der Spitze der ÖVP. Alles scheint mög­lich zu sein in die­sem Land, des­sen Poli­tik so viel zum Stau­nen und Wun­dern bietet.

Schönes Wochenende!

Alexandra Föderl-Schmid

Posted by Wilfried Allé Saturday, November 26, 2022 8:41:00 PM
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Ohne Medien gäbe es die Demokratie nicht 

Wie sind wir denn? von Michael Lohmeyer, A&W Blog

Was ist uns Pressefreiheit wert? Wie ernst nehmen wir die gesellschafts- und demokratiepolitische Leistung von Journalist*innen? Wie ist sie zu honorieren – und von wem?

“So sind wir nicht!” Diese Aussage von Bundespräsident Alexander van der Bellen nach Bekanntwerden der Ibiza-Affäre hat international Schlagzeilen gemacht – und vielen Österreicher*innen und allen, die in diesem Land leben, Mut zugesprochen. Nein, eine Politik dieser Art wollen wir nicht.

Mehr als zwei Jahre später, als das Bekanntwerden von Chat-Verläufen, in denen es auch um die Vergabe von Inseraten der Bundesregierung ging, zu einer Regierungskrise führen sollte, da kam dieser Satz Van der Bellen nicht mehr über die Lippen. Es sah ganz danach aus, als seien einige doch so (es gilt die Unschuldsvermutung; möglicherweise wären diese einigen dann eh nicht so).

Wie auch immer, eine grundsätzliche Frage ist zu stellen: „Wie sind wir denn?“ Die Antwort muss eine Klarstellung sein – darüber, welche Rolle unabhängiger Journalismus in einer demokratischen Gesellschaft hat. Was also ist uns die gesellschafts- und demokratiepolitische Leistung von Journalist*innen wert? Wie ist diese Leistung messbar? Warum ist es irreführend, wenn wir von einer Medienförderung sprechen, auch wenn das ein gängiger Begriff ist, der auch in den meisten anderen Ländern üblich ist?

Ein irreführender Begriff

Beginnen wir mit letzterem. Medienförderung. Wenn wir den seit dem 16. Jahrhundert gebräuchlich gewordenen bergmännischen Wortsinn („Rohstoff fördern“) ausklammern, dann bietet uns das Etymologische Wörterbuch unter anderem „voranbringen, vorwärtsbringen, beschleunigen“ an.

Da sind wir schon nah dran, was wir heute gemeinhin unter „Förderung“ verstehen – eine Unterstützung nämlich für etwas, dessen Zeit noch nicht gekommen ist, aber – aus welchen Gründen auch immer – kommen soll. Das gilt etwa sehr oft für Technologie-Förderung, als Starthilfe gewissermaßen. Oder für die Natur und deren Unversehrtheit. Und insgesamt wohl dann, wenn die wirtschaftlichen Vernetzungen, die gemeinhin als „Markt“ bezeichnet und als unabänderlich hingestellt werden, wenn also dieser Markt die Leistung nicht in ausreichendem Ausmaß bewertet und bepreist.

Es bieten sich zwei Auswege an. Entweder wir stellen die Bewertung des Markts in Frage. Oder wir schließen das Defizit mit Förderungen. Die haben jedoch einen großen Nachteil:  Sie müssen erst von jemandem freigegeben werden und sind außerdem den wogenden Wellen des Zeitgeists ausgeliefert.

Wenn die Assoziationen um Förderungen kreisen, dann kommt vieles in den Sinn. Belassen wir‘s bei drei Beispielen: Denkmalschutz oder Kultur, oder eben auch Journalismus. Über jeden dieser Bereiche ließen sich ausführlichere Erörterungen anstellen, doch konzentrieren wir uns hier auf den Journalismus.

Warum ist Förderung der falsche Begriff? Wenn Förderung als Starthilfe verstanden wird, dann kann das auf den Journalismus nicht zutreffen – dem Stadium der ersten Schritte ist diese Profession längst entwachsen, die liegen Hunderte von Jahren zurück. Also doch Ausgleich eines Marktversagens? Auch nicht: Denn den Kern der Leistungen des Journalismus bildet der Markt nicht ab.

Mehr als nur Marktteilnehmer

Die jüngste Entwicklungen haben das vorgeführt: Das Abwandern vieler Inserate ins Internet und in soziale Medien sei nur als Stichwort gegeben. Wer damit gleich das gesamte „Geschäftsmodell“ von Medien in Frage stellt, reduziert allerdings die redaktionelle Arbeit auf einen Lückenfüller zwischen bezahlten Werbe- und P.R.-Einschaltungen. Der Verweis auf den Markt greift zu kurz. Medien sind mehr als Marktteilnehmer.

Warum? Spielen wir gedanklich einmal eine Welt durch, in der es keine Medien gäbe. Wie sähe die aus?

  • Es gäbe keinen Platz, an dem sich die Teilnehmer*innen am Markt austauschen könnten, an dem grundsätzlich der Streit der Meinungen im besten Sinne des Wortes aufeinander trifft.
  • Es gäbe keine Plattform, auf der die Ergebnisse von Recherchen präsentiert werden können, die den Unterschied von Behauptung und Tatsachen darstellen. Wir wären Fake News hiflos ausgeliefert.
  • Es gäbe keinen Kanal zu einer breiten Öffentlichkeit, über den der Missbrauch von Macht aufgezeigt werden kann.
  • Es gäbe keine Möglichkeit, dass sich einzelne und kleine Gruppen Gehör verschaffen könnten, um einen Diskurs zu starten oder zu erweitern.
  • Die Vielfalt der Medien ist ein Wert an sich (für die Demokratie, nicht zwingend für den Markt), gewährleistet sie doch eine möglichst hohe Pluralität an Meinungen.

Ohne Medien gäbe es die Demokratie nicht.

Ein Modewort unserer Zeit ist „Standortqualität“. Mit dem Vokabel wird viel Schindluder getrieben, und meistens wird die Bedeutung reduziert darauf, dass Ideen und Vorhaben der Wirtschaft wie geschmiert umgesetzt werden, ohne Brösel, Rumpeln und Festfahren. Standortqualität ist freilich mehr, eine intakte Demokratie die Grundvoraussetzung.Wenn die Demokratie Basis für die Standortqualität ist, dann sind funktionierende, freie Medien  der Blutkreislauf der Demokratie.

Wer fördert, fordert

Herumzudoktern ist gefährlich, auch wenn es für eine Politik, die es mit der Standortqualität nicht so genau nimmt, verführerisch sein mag, Medien am Gängelband zu halten und den Fluss des Geldes nicht selbstverständlich und nach transparenten Regeln fließen zu lassen. Wer am Hahn drehen kann, hat Macht und kann mit Gegenleistungen kokettieren. Anders ausgedrückt: Wer fördert, fordert.

Wenden wir uns der nächsten Frage zu: Wie ist diese Leistung des Journalismus messbar? An Kriterien. Sie müssen Mindestanforderung sein, inhaltliche und wirtschaftliche Komponenten enthalten und zum Ziel haben, dass dem qualitätsvollen Zugang Bahn gebrochen und möglichst hohe Vielfalt gewährleistet wird.

Journalist*innen müssen Möglichkeit zu einer profunden Ausbildung und zu einer profunden Recherche haben. Zeit ist eine wichtige Zutat und sie bedeutet im redaktionellen Alltag, dass es ausreichend Personal gibt. Also: keine Ausdünnung der Redaktionen, sondern mehr Kolleg*innen in die Redaktionen, sodass sich mehr Spezialisierung entwickeln kann. Mehr Spezialisierung mündet in höherer Qualität. Die inhaltliche Unabhängigkeit ist durch Redaktionsstatute verbindlich zu machen, zu schärfen und abzusichern.

Zeit, Zahl, Spezialisierung, Statute, Compliance. Fehlt noch was? Natürlich: Bezahlung. Im Journalismus darf es keine Prekariate geben, Kollektivverträge müssen Mindeststandards sein. In Verlagen, die nicht Mitglied eines Herausgeber-Verbandes sind, muss es jedenfalls vergleichbare, verbindliche Vereinbarungen geben. Was für Angestellte gilt, muss in gleichem Maẞe für freie Journalist*innen gelten, die einen wichtigen Bereich im Journalismus abdecken. Keine Prekariate, kein Augenzwinkern bei vereinbarten Regelungen. Fulltime-Journalist*innen müssen mit dem Entgelt dafür einen Fulltime-Lebensunterhalt bestreiten können.

Transparenz und Kriterien

Anhand dieser Bedingungen wird berechnet und ausbezahlt – eben keine „Förderung“, sondern eine „Abgeltung der gesellschafts- und demokratiepolitischen Aufgaben“ (AgdA). Damit klar ist, worum es geht. Wie viel? Es kann sicher keine Anlehnung an bisherige Summen und Konzepte sein. Presseförderung wurde zuletzt in einstelliger Millionen-Höhe verteilt – an Medien, die sich an allgemeines Publikum richten, ebenso wie an Medien von Volksgruppen, auch an Einrichtungen für Aus- und Weiterbildung.

Zur Absicherung der Demokratie muss es mehr als ein Gießkannenprinzip geben. 150 Millionen Euro, wertgesichert, sind ein Mehrwert für die Gesellschaft. Ausbezahlt werden sie nach einem transparenten Schlüssel und nur an jene, die die Kriterien erfüllen. Verstöße gegen journalistische Compliance, gegen ethische Grundsätze und gegen Gesetze müssen Folgen für die Höhe der AgdA haben, bis zu deren kompletter Streichung. All das Signale, dass uns Demokratie etwas wert ist.

Haben wir etwas vergessen? Natürlich. Da gibt’s ja noch ein paar 100 Millionen, die an Inseratenvolumina vergeben worden, und die in Chats eine Rolle gespielt haben sollen (wenn sie nicht aus dem Zusammenhang gerissen worden sind, es gilt auch hier die Unschuldsvermutung). Die notwendigen dieser Inserate soll es natürlich weiter geben. Die Vergabe hat in voller Transparenz zu erfolgen (insbesondere in Krisen wie dieser Pandemie oder bei nötigen Erläuterungen der staatlichen Verwaltung) , die diesbezüglichen gesetzlichen Regelungen sind detaillierter zu gestalten. Nachvollziehbar muss sein, warum Inserate geschaltet werden, welches Zielpublikum erreicht werden will. Inserate dürfen nur in Verlagen geschaltet werden, die  den AgdA-Kriterien gerecht werden. 

Den ersten Anstoß zur Umsetzung all dessen liefert die Journalistengewerkschaft in der GPA, die am Mittwoch zu einem „runden Tisch“ einlädt. Es startet also die Detail-Diskussion für eine zeitgemäße und zukunftsorientierte Regelung.

„Wie sind wir denn?“ Diese Eingangsfrage ist zu präzisieren: Was wollen wir für die Sicherung der Grundlagen unserer demokratischen Gesellschaft tun, was ist sie uns wert? Darum geht’s, um nicht mehr und nicht weniger. Die Abgeltung der demokratiepolitischen Leistungen ist eine Antwort, aber nicht die einzige. Eine andere ist, wie wir sicherstellen, dass qualitätsvoller Journalismus möglich bleibt: Das beginnt mit einem echten Informationsfreiheitsgesetz und mündet auch darin, dass es unmöglich sein muss, Journalist*innen zu belangen, wenn sie dem demokratiepolitischen Auftrag gerecht werden – und Akten zitieren, um Missstände aufzuzeigen.

Wenn all das zufriedenstellend gelöst ist, dann hat diese eine Feststellung wieder eine fundierte Basis: „So sind wir nicht.“

https://awblog.at/wie-sind-wir-denn/?jetztlesen

Posted by Wilfried Allé Thursday, November 18, 2021 12:23:00 AM
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Österreich braucht einen Neuanfang. In der Politik und bei den Medien. 

So sind wir...

...und sollten daran dringend etwas ändern. Bevor wir uns in einer illiberalen Demokratie wiederfinden.


 

"Wir sind nicht so", hat Bundespräsident Alexander Van der Bellen gesagt, als die "Affäre Ibiza" vor gut zwei Jahren öffentlich geworden ist. Er wusste natürlich damals schon, dass das nicht stimmt. Wir sind so. Österreichs politisches Spitzenpersonal ist in erheblichen Teilen verkommen. Österreichs mediales Spitzenpersonal leider auch. Das dürfte einander bedingen.

Und ich fürchte, das geht so weiter. Auch unter einem neuen Bundeskanzler, der sich selbst als "Überzeugungstäter" der Türkisen, des "Systems Kurz" bezeichnet. Bis zu den Neuwahlen, die sich letztlich als unvermeidlich erweisen werden. Vielleicht heißt dann - trotz allem - die nächste Regierung schlicht Kurz III. Wo ein wegen Vergewaltigung beschuldigter und inzwischen erstinstanzlich verurteilter Bürgermeister mit absoluter Wählermehrheit bestätigt werden kann, da kann auch ein "zur Seite getretener", vielfach beschuldigter Bundeskanzler, eine kommunikative Ausnahmebegabung der Täter-Opfer-Umkehr, wiedergewählt werden. In Österreich. Weil wir so sind.

In jüngster Zeit haben sich Verhaltensmuster herausgebildet, die einer entwickelten Demokratie und einer entwickelten Medienwirtschaft unwürdig sind: Politik, die fordert, die anschafft, die droht, die belohnt und bestraft, vor allem mit dem Geld des Steuerzahlers. Medien, die anbieten, die fordern, drohen, belohnen und bestrafen, notfalls auch betteln um das Geld des Steuerzahlers, das die Politik verwaltet.

Vollständigen Artikel hier lesen.

Posted by Wilfried Allé Sunday, October 17, 2021 10:34:00 AM
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Inkompetent durch die Krise 

Die Liste der Fehler, Lügen und leere Versprechen der Regierung

Die ÖVP-geführte Bundesregierung verwendet viel Energie und Geld darauf, sich als Krisenmanager zu verkaufen.
Große Versprechen landen – am liebsten verkündet vom Kanzler persönlich – auf den Titelseiten der Tageszeitungen. Wenn diese jedoch im Nichts versickern, lesen wir nichts mehr darüber. Hinzu kommen teure Pandemie-Projekte ohne Wirkung, verschleppte Entscheidungen und Gesetze – und schlicht peinliche Fehler bei deren Umsetzung.
Kontrast.at hat all das zusammengefasst. Es ist eine lange Liste an Kardinalfehlern, die die Regierung am liebsten unter den Tisch kehren würde.

Posted by Wilfried Allé Saturday, September 18, 2021 5:20:00 PM
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Des Kanzlers Prognosen 

Höflich zuhören, nicht unterbrechen und tunlichst 1:1 weiterverbreiten

Sebastian Kurz bleibt seinem Stil treu, das Positive zu sehen und zu erzählen. Nur einmal musste er durchschnaufen, als er gefragt wurde, ob hohe Inzidenzzahlen eine gute Werbung für den Tourismus seien. Unerschütterlich rechnete er jedoch mit einer soliden Sommersaison und ist übrigens auch zufrieden mit der Entwicklung in Vorarlberg (Anm.: Vorarlberg - die Modellregion - hat Ende April von allen 9 Bundesländern die höchste 7-Tagesinzidenz). Er hätte erwartet, dass die Zahlen dort sogar noch schneller steigen (Anm. hier geht es um Menschen, nicht um zählbare Sandsäcke!). mehr ->

Zur Durchimpfung der österreichischen Bevölkerung meint Kanzler Kurz: Innerhalb von 100 Tagen würden alle geimpft sein, die sich impfen lassen wollen. Wie die Buindesländer die Impfungen planen und durchorganisieren scheint den Kanzler herzlich wenig zu interessieren.

Hauptsache die ‚gute‘ Botschaft kommt an. Hinterfragen und prüfen war anscheinend gestern!

Es wird mal wieder Zeit, dass der Star in der ZiB 2 bei Armin Wolf vorbeischaut.

Es muss ja nicht gleich eine Verschwörungstheorie sein. Aber eine kritische Herangehensweise wäre schon mal nicht so schlecht.

Posted by Wilfried Allé Thursday, April 29, 2021 6:56:00 PM
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Wir, und unsere Medien 

Wie und warum die 4. Säule jämmerlich versagt

Nachfolgende Blogeinträge (entnommen aus einem Artikel von derstandard.at) sollen die wahren Gründe über ermöglichte politische Höhenflüge einerseits und andererseits von weggeblendeten Vermittlungen  gesellschaftspolitischer Inhalte besser erkennbar machen.
 

weitereise55

Die tatsache das kurz kanzler wurde, ja das er überhaupt irgendetwas wurde, ist eh schon panne genug.
...und ich beziehe mich da nicht auf corona.
immer noch ein rätsel wie dieser mensch zumindest kanzlerdarsteller werden konnte.

 

Erdstall 1

Bei der "Konkurrenz" ist das nicht verwunderlich.
Warum die SPÖ, mit einer Medizinerin an der Spitze, diese Situation nicht im geringen nutzen kann, zeigt die unfassbare Unfähigkeit der Sozialisten.
Sogar Strache wird wieder gewählt werden.

 

MemoryDragon 6

Es ist eine Frage wie man die Message durchbekommt. Kurz hat schon einen sehr starken Knebel auf die Medien. Strache hatte halt die Kronen Zeitung, die ihn jahrzehntelang nach Haider hofierte.
Die SPÖ hat derzeit genau was? Ich halte Wagner wenn auch ein bischen sperrig für sehr gut, aber die steht auf verlorenem Posten derzeit. Sie hat ja soweit ich weiss immer wieder Vorschläge abgegeben was zu tun wäre, die 1-2 Wochen später über den Expertenstab sowieso von der Regierung umgesetzt wurden. Vorne standen aber Anschober und Kurz! Solange es keine wirkliche Pressefreiheit bei uns gibt bzw, die Massenpresse durch und durch korrupt ist werden Windeier mit viel Geld im Hintergrund immer die Oberhand haben!

Christine P. 3

Das trifft das Problem auf den Punkt

Selbst Anschober hat mitgespielt. Erst prangerte er PRWs Forderung nach flächendeckenden Corona Tests öffentlich als Sinnlosigkeit an, eine Woche später verkaufte er sie medial aufgemotzt als seinen großartigen Beitrag zum Schutz der Bevölkerung. Wieviele Ideen aus Christian Kerns Plan A jetzt gefragt wären, wird nirgendwo erwähnt. Ich sage nur Tablets für alle SchülerInnen, überbetriebliche Lehrwerkstätten und Ausbildungsgarantie oder die Förderung älterer Arbeitsloser usw. .Aber in den Medien scheint der Name dieses von Kurz und einigen SPÖ-lern zu Fall gebrachten Kanzlers völlig tabu zu sein.

Wilfried

Ja, richtig erkannt! Das wahre Problem ist wohl, dass Österreich nicht einmal eine halbwegs ausgewogene Berichterstattung hat.
Wer kann so etwas behaupten und wie will man das auch noch belegen? Die Antwort darauf ist einfach und erklärt sich nahezu von selbst, wenn man sich die Besitzverhältnisse der Medien etwas genauer anschaut und die damit einhergehenden Interessen versucht zu verstehen. Wer kennt es nicht, das uralte Sprichwort: „
Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“.
Zwei Grafiken klären unmissverständlich auf, warum unsere Medienwelt einerseits so einseitig positiv in Richtung Besitzstandswahrung berichtet und andererseits so wenig für solidarisch, demokratische Arbeiterinteressen eintritt.
1. Die Besitzverhältnisse der österreichischen Print-Medien
2. Die Besitzverhältnisse der österreichischen TV-Landschaft

Posted by Wilfried Allé Sunday, June 7, 2020 11:34:00 PM
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Wahlkampfkosten – Überschreitungen 

mehr als bloß eine Momentaufnahme

Seit 2012 gilt für alle Wahlen auf Bundesebene eine Wahlkampfkostenobergrenze von sieben Millionen Euro pro Partei. Gleich vorweg: Kurz und Strache hielten sich nicht daran.

Die ÖVP gab mit 13 Millionen für ihren Wahlkampf 2017 fast doppelt so viel aus wie erlaubt. Die FPÖ zwar weniger, aber immerhin noch 10,7 Millionen.

Bei Überschreitungen werden – zieht man den dadurch erzielten Effekt an zusätzlich erheischten Wählerstimmen hinzu, sind das lächerliche - Strafzahlungen von 10 bis 20 Prozent des Überschreitungsbetrages fällig.

In medialer Abschwächung der Tatsache, man habe ohnehin nur rund 1,8 Millionen Euro mehr als bei der Nationalratswahl 2013 ausgegeben, wird abwiegelnd aus der türkisen Parteizentrale argumentiert. "Der Wahlkampf 2017 war für die neue Volkspartei ein außergewöhnlicher Wahlkampf. Leider haben wir deutlich mehr ausgegeben, als die vorgesehene Obergrenze dafür ist. Wir werden selbstverständlich die volle Strafe begleichen", sagte ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer.
Zur Wiederholung: Obwohl die Wahlkampfobergrenze 2012 mit 7 Millionen festgelegt wurde, hatte die ÖVP 2013 diese Obergrenze deutlich überschritten. Nach ihrer Diktion zwar mur um 1,8 Mio weniger als 2017.
Wir rechnen: 13 Mio (im Jahr 2017) weniger 1,8 Mio (im Jahr 2013) macht nach Adam Riese 11,2 Mio. (im Jahr 2013). Damit gesteht – zwar verschwurbelt – die ÖVP selbst ein, die Obergrenze bereits 2013 um 4,2 Mio überschritten zu haben.
All diese Zahlen weist auch der Rechnungshof aus.

Weil aber der Rechnungshof bei der SPÖ keine derartig exorbitanten Wahlkampfkostenüberschreitungen 2017 (7,4 Mio anstatt 7,0 Mio [Größenordnung beachten!]) ausweist, versuchte es der damalige ÖVP-Generalsekretär und heutige Innenminister Karl Nehammer auf eigene Faust: "Unabhängige Analysen zeigen, dass die SPÖ weit über 7,4 Millionen für den Wahlkampf ausgegeben haben muss. Laut Mediaanalysen habe die SPÖ allein für Werbung in Print, TV, Radio, Online, auf Plakaten sowie per Direktmailing mehr als 6,5 Millionen Euro ausgegeben.“ Er bezieht sich also auf eine Medienanalyse und schiebt im Konjunktiv nach, dass die SPÖ „ausgegeben haben muss“ – also eine Behauptung [im Konjunktiv!], weit weg von einer Tatsache. Übrigens gehört Nehammer zu jener so leidenden Truppe, die in einer Endlosschleife von sich behauptet, immer von den Anderen angepatzt zu werden. Frage: Was hat er da gerade behauptet? Nix behauptet, eh im Konjunktiv. Nicht auszudenken, dass in schwarz-türkis affine Medien es ‚in der Hektik‘ womöglich passieren könnte, dass dieser Konjunktiv abhandenkäme.

Unbeeindruckt von diesen Tatsachen und von einer arroganten Siegesstrategie angetrieben wurde das Wochenmagazin „Der Falter“ gerichtlich ‚eingeladen‘, seine Behauptung zurückzunehmen, dass die ÖVP ein Wiederholungstäter sei und  die Wahlkampfkosten-Obergrenze gezielt überschritten habe.

Die Strategie der ÖVP lag wohl ursprünglich darin, dass sie annahm, „Der Falter“ könne nicht stichhaltig belegen, dass die ihm zur Verfügung stehenden Dokumente echt seien, oder diese gar gefälscht wurden. Doch der Schachzug „Angriff ist die beste Verteidigung“ war mit Verlaub gesagt, ein Schuss in den Ofen.

Ab 14. Mai 2020 konnte die Kanzlerpartei nach außen hin die Authentizität dieser publizierten Unterlagen zur Wahlkampfkostenüberschreitung nicht mehr länger anzweifeln. Im Gegenteil, die ÖVP hat mehr oder wenig kleinlaut, „den Ball möglichst flach haltend“ in bester boulevardesker Manier in einem Schreiben bestätigt, "dass die vom „Falter“ verwendeten Dokumente echt sind – und nicht wie ursprünglich behauptet 'gefälscht' oder 'manipuliert' sind".


Zur Causa „Wahlkampfkostenüberschreitung“ gibt es viele Kommentare. Einer davon lautet:

Die VP will also, dass man ihr abkauft, sie habe die Wahlkampfkostenüberschreitung nicht geplant, sondern das ist ihr - regelmäßig in dem Ausmaß - "passiert".
Gleichzeitig will sie als wirtschaftskompetente Partei wahrgenommen werden, die auch dauernd den Finanzminister stellt.
D.h. die VP gibt zu, dass sie die Leute generell für völlig verblödet hält.

Das führt zwangsläufig zur Gretchenfrage: „Bist etwa du so ein Verblödeter?

Posted by Wilfried Allé Saturday, May 16, 2020 9:23:00 AM
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Falschmeldung, Fake-News, HOAX – was ist das? 

Das Thema Fake News, also verfälschte Information, ist aktuell und brisant.

Fake News gab es schon immer, ABER heute können Fake News mithilfe des Internets und der sozialen Netzwerke leichter und rasend schnell verbreitet werden und somit viel mehr Menschen erreichen. Falschmeldungen werden auch Hoax (engl. to hoax someone = jemandem einen Bären aufbinden) genannt.

https://www.saferinternet.at/faq/informationskompetenz/falschmeldung-fake-news-hoax-was-ist-das/

Also immer:

Zuerst denken - dann klicken

Und da wäre dann noch:

Glaube an deine eigene Urteilsfähigkeit und nicht an die Leichtgläubigkeit der Vielen,
die nur allzu oft ihren Verstand - wenn auch nur aus Bequemlichkeit - in der Garderobe oder sonst wo vergessen haben.
Posted by Wilfried Allé Saturday, October 26, 2019 7:03:00 PM
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Der rechte Krieg gegen die "linken" Medien 

KOLUMNE HANS RAUSCHER 2. Jänner 2019, 08:00

zum Original ->

Die Frage ist nicht, ob Journalisten "links" sind, sondern ob sie ihre Aufgabe der demokratischen Kontrolle erfüllen.

In Österreich herrscht die ziemlich weitverbreitete Meinung, dass die meisten Journalisten irgendwie "links" seien. Das kann man in tausenden Postings lesen und in vielen Diskussionen hören. Das beruht teils auf einem ehrlichen Irrtum vieler eher konservativer Bürger, teils auf einer bewussten, unaufhörlich betriebenen Stimmungsmache extrem rechter Medien und Interessen, vor allem der FPÖ.

Doch für eine liberale (nicht eine autoritäre) Demokratie zu sein ist nicht "links"; für Menschenrechte und gegen Straflager für "auffällige" Flüchtlinge zu sein ist nicht "links". Gegen NS-Gerede etwa des FPÖ-Landesrats Waldhäusl ("Sonderbehandlung", "Volksschädling") zu sein ist nicht "links". Dem Polizeiminister Kickl und seinem extrem rechten Umfeld auf die Finger zu schauen ist nicht "links".

All das ist bestenfalls liberal, auf jeden Fall aber im Sinne einer demokratischen Kontrolle. Allerdings muss man den aktuellen Hintergrund sehen: Der türkise Kanzler arbeitet mit "message control": Es wird gezielt und dosiert Information gegeben oder verweigert. Kurz will subtile Kontrolle. Für die FPÖ jedoch sind kritisch-liberale Journalisten und Medien ein Hassobjekt, gegen das ein existenzieller Krieg geführt wird.

Linke Dominanz ist Fantasie

Allerdings ist die bei weitem größte Zeitung, die Krone, rechts außen und unterstützt voll die Regierung. Allein deswegen ist es lächerlich, von "linker Dominanz" in den Medien zu reden (obwohl die Krone inzwischen von einer Rekordreichweite von über 40 Prozent auf immer noch knapp 30 Prozent gesunken ist). Wolfgang Fellners Krawallblatt Österreich dreht sich nach dem Wind. Die Gratiszeitung Heute ist differenzierter, auch weil sie begriffen hat, dass man in einer Großstadt mit 40 Prozent Migrationshintergrund nicht so rabiat ausländerfeindlich sein kann.

Der große Rest ist konservativ bis liberal-konservativ, aber jedenfalls nicht "links". Die Bundesländerzeitungen wie Kleine Zeitung (zweitgrößte Zeitung!) oder die Salzburger Nachrichten sind alle demokratisch-liberal-konservativ. Die Presse ist betont konservativ, DER STANDARD betont liberal. Das Profil ist eher liberal, der Falter eher linksliberal. Der Kurier ist nach dem Chefredakteurswechsel konservativer und weniger regierungskritisch geworden, im Kern aber (noch) in seiner liberalen Tradition. Fazit: Die "linke Dominanz" in Österreichs Medien ist eine Fantasie.

Aber der "linke" ORF! Auch hier gilt: Die große Mehrheit der Journalisten ist liberal eingestellt. Das ändert die Regierung derzeit gerade. Mit neuen Personalbesetzungen – und mit einer geplanten Gesetzesänderung, die die Gebühren abschaffen soll. Letzteres bedeutet entweder Unterbrecherwerbung wie bei den Privaten – oder, wahrscheinlicher, Finanzierung aus dem Budget. Dann ist der ORF zum Bittsteller und Staatsfunk verkommen. In der Schweiz hat das Volk übrigens für eine Beibehaltung der Gebühren abgestimmt.

Schwere Fehler wie die gefälschten Reportagen im Spiegel unterstützen dieses rechte "Framing" der kritischen Medien als "Lügen-" oder "Systempresse" (übrigens NS-Begriffe). Aber wir in Österreich sind für uns verantwortlich, nicht für den Spiegel. Das Thema lautet nicht, ob wir "links" sind, sondern ob wir die Aufgabe der demokratischen Kontrolle erfüllen. (Hans Rauscher, 2.1.2019)

Posted by Wilfried Allé Wednesday, January 2, 2019 11:53:00 PM
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ORF 

und die Meinung der Anderen

Wie einfach es doch scheint, dem ORF seine Berechtigung abzuerkennen oder ihn zu bejahen.
Nachfolgend zwei Standpunkte (aus dem Standard-Blog "ORF: Wofür es uns gibt"):

mape230132
vor einer Stunde

Der ORF beweist schon jetzt unverzichtbar zu sein.
Bei Guten Morgen Österreich erfahre ich dass Sepp Berger, ehemaliges Mitglied der "Obertaler Buam" ein Soloprojekt plant.
Mittags bei der Übertragung eines F1 Trainings wird mir über Reifenprobleme eines indischen Teams berichtet.
Danach bei "Sturm der Liebe" bin ich aber verwirrt. Peter Möller ist nicht der Vater von Svenjas Baby?!
Aufbauend ist jedoch die Erkenntnis der anschliessenden Talk Show. Viele Männer stören ein paar Kilo zuviel bei der Partnerin nicht.
Und der Tag klingt noch recht gut aus. Überraschungsgast bei der Schlagernacht am Achensee ist Semino Rossi

Enduring1
vor 10 Minuten

ja das gibt es auch im ORF
Warum probieren sie nicht einmal,
-in der Früh das Morgenjournal Ö1
-zu Mittag das Mittagsjournal Ö1
-Zib 1
-Zib 2
-Wilkommen Österreich
-Kultur am Montag
-Erlesen
-Macht und Leute
-Universum
......
Die ORF Welt ist so bunt, dass ich ihrer negativen Argumentationslinie nicht folgen kann. Ungeachtet seiner Herkunft, seines Standes, seiner Möglichkeiten, ob man das Leben und seine Umstände gut findet oder nicht, liegt zu mindestens zu 80% in Eigenverantwortung. Wenn ich nur den Schmutz sehen will, ist selbst eine der schönsten und lebenswertesten Städte der Welt, WIEN, ein Dreckloch.

Mehr Nachdenkarbeit wäre hier generell angebracht, ja durchaus erforderlich, meint Wilfried.

Der Original-Standard-Artikel ->

Posted by Wilfried Allé Sunday, March 18, 2018 11:34:00 AM
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Wahl in Österreich: Prinz und Prinzessin 

Hat schlechte Presse Kanzler Christian Kern den Wahlsieg gekostet? Zehn Thesen

Von Fritz Hausjell
Der Autor lehrt am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien

26. Oktober 2017, 7:05 Uhr

Aus der ZEIT Nr. 44/2017

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) steht im Rahmen der Nationalratswahl am 15.10.2017 im Pressezentrum in der Nationalbibliothek in Wien              © Helmut Fohringer/APA

Sind die Medien schuld am Wahlergebnis, wie etwa Bundeskanzler Christian Kern behauptete? Tragen sie die Verantwortung für den Sieg der ÖVP von Sebastian Kurz und für den weiteren Aufstieg der Freiheitlichen? Diese Fragen müssen sich Teile des österreichischen Journalismus gefallen lassen. Am besten wäre es, die Medien stellten sich diese Fragen selbst, um nach der nächsten Wahl nicht neuerlich als Verlierer dazustehen. Als Anregung dazu formuliere ich hier zehn Thesen.

These 1: Entgegen dem äußeren Anschein war der Journalismus in diesem Wahlkampf aufdeckungsschwach. Denn die Enthüllung der Aktivitäten von Kern-Berater Tal Silberstein und seiner Söldnertruppe, welche die letzten Wahlkampfwochen dominierte, erfolgte nicht durch journalistische Methoden, also durch Recherche. Das belastende Material war vielmehr von politischen Akteuren organisiert und dann ausgewählten Medien auf dem Tablett serviert worden. Ein ähnlicher Mechanismus sorgte auch dafür, dass den Medien andere Dokumente zugespielt wurden. Investigativer Journalismus hätte den Umstand, dass hier die jeweils politisch gegnerische Seite massiv ihre Finger im Spiel hatte, thematisieren müssen. Das ist nicht erfolgt. Daher müssen sich die betreffenden Medien den Vorwurf der Instrumentalisierung gefallen lassen.

These 2: Journalismus ist mitunter sträflich ahistorisch. Etliche Medien, selbst solche, die meinen, den Investigativjournalismus gepachtet zu haben, erklärten diesen Wahlkampf nach der politisch angeschobenen Aufdeckung der Silberstein-Aktivitäten zum "schmutzigsten Wahlkampf aller Zeiten". Das veranlasste ÖVP und FPÖ, sich selbst als die "sauberen" Wahlkämpfer zu inszenieren. Erst spät und zaghaft begannen dann einzelne Medien an Experten die Fragen zu stellen, ob nicht schon in früheren Wahlkämpfen hinterhältig gearbeitet worden war.

These 3:Sebastian Kurz bekam seit seiner Machtübernahme in der ÖVP eine sehr große mediale Bühne, die journalistisch fast nie infrage gestellt wurde. Die von APA-Defacto ermittelten Daten zeigen Woche für Woche, welche Politiker die Medien dominieren. Vor dem Rücktritt Reinhold Mitterlehners als Vizekanzler und ÖVP-Parteichef lag Kanzler Christian Kern in den Wochenrankings zumeist auf dem ersten Platz. Ab der zweiten Maiwoche führte dann aber mit zwei Ausnahmen immer Sebastian Kurz die Hitliste der Politikernennungen an. Sind also viele Journalisten einer PR-Strategie der "neuen ÖVP" auf den Leim gegangen, oder waren das politische Marketing der anderen Parteien einfach so viel schlechter?

These 4: Der Wahlerfolg von Sebastian Kurz fußt auch auf einem Siegeszug im Bereich der optischen Inszenierung. Dass die Selbstdarstellung auf Social-Media-Kanälen und Wahlveranstaltungen für alle Parteien leicht ist, versteht sich. Dass aber bei der Verwendung von Fotos in Print- und Onlinemedien sich vor allem die "neue ÖVP" so stark durchsetzte, wirft ein schlechtes Licht auf zahlreiche Medien. Pressefotografen wurden nun auch etwa beim Sondierungsgespräch von Kern und Kurz ausgesperrt, den Medien anschließend handverlesene Bilder zur Verfügung gestellt.

These 5: Politiker, die sich mit dem Boulevard ins Bett legen, werden von selbsterklärten Qualitätsmedien offenbar nur dann abgestraft, wenn sie rot sind. Bei früheren Wahlen ließ sich folgendes Phänomen beobachten: Wenn die SPÖ von Boulevardmedien freundlich in Wahlkämpfen publizistisch unterstützt wurde, hat ein Teil der sich Qualitätsmedien titulierenden Blätter die SPÖ nahezu reflexartig besonders kritisch begleitet, um das publizistische Boulevard-Übergewicht auszugleichen. In diesem Wahlkampf wurde die SPÖ von zwei Boulevardblättern geradezu durch die Öffentlichkeit geprügelt. Aber die anderen Medien versuchten nun nichts mehr auszutarieren.

These 6: Ein Teil des Boulevardjournalismus berichtete ungeniert offen parteiisch. Österreich zeichnete einerseits das Bild der mimosenhaften "Prinzessin" Kern. Eine Woche vor der Wahl krönte das Krawallblatt auf der Titelseite Sebastian Kurz zu seinem Prinzregenten. Das waren nur die gröbsten Auswüchse dieser Kampagne.

These 7: Der journalistische Fakten-Check zeigte Wirkung. Die Überprüfung von Tatsachenbehauptungen nach den Wahlkonfrontationen im ORF führte dazu, dass Politiker weniger flunkerten als in früheren Duellen. Nicht gelungen ist indes in fast allen Medien das beharrliche Nachfragen. Das wurde besonders deutlich durch die nie befriedigend beantwortete Frage, wie die extrem hohen Einsparungen, die einige Parteien vorschlugen, konkret gegenfinanziert werden sollen.

Die Berichterstattung wurde zum "Horse Race Journalism" reduziert

These 8: Dieser Wahlkampf sei inhaltsarm gewesen, wurde bemängelt. Aber das lag schon auch an den Medien, die sich häufig daran ergötzten, täglich eine neue Umfrage zu präsentieren, und so Wahlkampfberichterstattung zum horse race journalism reduzierten. Und die es nicht schafften, die ÖVP-Strategie zu durchbrechen, möglichst wenige Inhalte und die nur häppchenweise zu kommunizieren.

These 9: Den Medien gelang es nicht, die von der ÖVP zu Beginn des Wahlkampfes stolz als Erneuerung präsentieren Quereinsteiger inhaltlich auszuleuchten. Die Partei schirmte diese Neuzugänge nach ihrer Präsentation erfolgreich ab und vermarktete sie genau dosiert. Medien, die möglicherweise kritische Fragen gestellt hätten, wurden zudem Interviews mehrfach verweigert. Leider haben Medien dieses einer Demokratie unwürdige Machtspiel nur selten transparent gemacht. Der Erfolg der ÖVP bei der Verfolgung ihrer PR-Strategien ist zugleich der Misserfolg des Journalismus. Es gelang nur fragmentarisch, hinreichend Einblicke in die Denkwelten der neuen ÖVP zu liefern.

These 10: Schließlich war die Inszenierung einer sanften FPÖ medial weitgehend erfolgreich. Nur in Ansätzen thematisierten Medien die Frage, ob hinter der sich seit einiger Zeit moderat gebenden Partei der Radikalismus gerade nur auf Schlummermodus gestellt worden war, um potenzielle Wähler nicht zu verschrecken. Bekam ein Teil der sonst so FPÖ-kritischen Berichterstattung hier eine Beißhemmung, weil die ÖVP und teils auch die SPÖ beim Thema Asyl selbst nach rechts gerückt waren?

Keine These, sondern bittere Erkenntnis: Der Fellner-Sender oe24TV hat sich bei dieser Wahl als Realsatirenprogramm etabliert.

Posted by Wilfried Allé Thursday, October 26, 2017 5:50:00 PM
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Outing 

Journalisten unserer sogenannten Qualitätsmedien in Österreich haben sich wohl eher unbewusst als bewusst geoutet. Die Zeitschrift News hat ihr jährliches Ranking der Regierungsmitglieder und ihrer Leistungen veröffentlicht. Dazu wurden Journalisten befragt und sie gaben ihre Einschätzungen ab, die einer Benotung gleichzusetzen ist. mehr ->
Wie 'Politik-Experten' die Regierung bewerten. zum News-Artikel ->

Posted by Wilfried Allé Wednesday, July 19, 2017 11:27:00 AM
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ÖVP zieht "Fake-News"-Vorwurf gegen "Falter" zurück 

Die niederösterreichische ÖVP und ihr Geschäftsführer Bernhard Ebner ziehen im Zusammenhang mit der Erwin-Pröll-Privatstiftung ihre "Fake-News"-Vorwürfe gegen "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk zurück. Ebner hatte die Wiener Stadtzeitung beschuldigt, in der Berichterstattung über die umstrittene Stiftung "gelogen" zu haben. Die ÖVP hat dies via OTS widerrufen. mehr ->

Und dann wäre da noch: die ÖVP wirft einen der besten Journalisten des Landes fälschlich Fake News vor, aber kaum ein anderer Redakteur im Land findet es wert das zu kommentieren.

Posted by Wilfried Allé Wednesday, July 19, 2017 12:23:00 PM
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"Falter"-Chefredakteur Florian Klenk klagt die ÖVP Niederösterreich 

"Die Niederösterreichische Volkspartei wirft dem Falter und mir vor, in Sachen Pröll Privat-Stiftung gefälschte Nachrichten ('Fake News') zu verbreiten. Ich verklage die ÖVP jetzt dafür. Mein Anwalt Alfred Noll fordert die ÖVP und ÖVP-Geschäftsführer Bernhard Ebner dazu auf, den Beweis dafür zu erbringen, dass ich Fakten fälsche.
Ich halte den Vorwurf, ein Nachrichtenfälscher zu sein, für ehrenrührig. Würde ich einem Juwelier vorwerfen, er verkaufe gefälschte Diamanten, würde er mich wohl auch zu Recht verklagen. mehr ->

Gerade erst hat der scheidende Landeshauptmann mit folgender Aussage im Wolf-Interview seine geistige Haltung dazu bewiesen: "Ja wissen Sie, mittlerweile sind wir ja Gott sei Dank ja ohnehin in der Republik so weit, dass man nicht mehr alles und jedes glaubt, was in den Schreibstuben und Redaktionsstuben in Wien alles ausgekocht wird."
Manche Herren Politiker und andere Zeitgenossen versuchen mittlerweile ja mit geradezu inflationärem Einsatz des "Fake News"-Vorwurfs die Arbeit von Journalisten gezielt zu diskreditieren und als unglaubwürdig hinzustellen und hoffen damit sich der unangenehmen, aber für die Demokratie umso wichtigeren Kontrolle durch freie, unabhängige Medien entziehen zu können.
mehr ->

Posted by Wilfried Allé Thursday, March 30, 2017 8:14:00 PM
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Der 23-jährige Salzburger Stefan Kraft hat am Samstag,18.3.2017 auf der Skiflug-Schanze in Vikersund mit 253,5 Meter einen neuen Weltrekord aufgestellt.
Hier der sensationelle Flug ->

Eine Superanalyse des Spannungsfeldes Populismus vs. Elite. mehr ->

Created 2/24/2017 by Wilfried Allé
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Der kreative Umgang mit Fakten hat mittlerweile einen skurrilen Höhepunkt erreicht. Das offensichtliche Zurechtbiegen von Fakten führt nicht nur zu massiver Kritik in den sozialen Medien, sondern auch zu jeder Menge Häme. Und das ist gut so! Man könnte auch sagen, dass der Ausdruck "Alternative Fakten" nur ein anderes Wort für Lüge ist. mehr ->

Den Emotionen nur Fakten gegenüberzustellen, wird den Rechtspopulismus nicht aufhalten.
Die "Wiener Zeitung" hat den britischen "Guardian"-Kolumnisten und Autor Owen Jones getroffen und mit ihm über neue Strategien gegen den Rechtspopulismus, soziale Verdrängungskämpfe und linken Populismus gesprochen. mehr ->

Wehling: Wenn man über Jahre oder zum Teil sogar Jahrzehnte das eigene ideologische Gedankengut sprachlich vernachlässigt, darf man sich nicht wundern, wenn es in den Köpfen und Taten der MitbürgerInnen abgebaut wird. Das Problem ist, dass heutzutage Wahlkämpfe zum großen Teil von Werbeagenturen gemacht werden. Werbeagenturen sind aber nicht spezialisiert auf Ideologie oder auf die Natur oder die Seele einer politischen Gruppe, sondern auf Produktverkauf. Politische Visionen in die Hände von Werbeagenturen zu geben, die auf dem Markt Produkte verkaufen, ist schlichtweg falsch.
Sprechen wir wieder deutlichere Sprache. Sprechen wir mehr über moralische Visionen, über unsere Werte und über ideale Vorstellungen eines Miteinanders. Sprechen wir in einer Art und Weise, die für MitbürgerInnen nachvollziehbar ist – egal ob es sich um einen Stahlarbeiter, Schuster oder Universitätsprofessor handelt.
Dazu bedarf es auch eines Mediums, das diese Inhalte 1 : 1 transportiert!
mehr ->

Bundeskanzler Christian Kern am 8.9.2016 in Simmering 

Auf Einladung von Nationalrat Harald Troch stattet Bundeskanzler Christian Kern Simmering einen Besuch ab. Hier geht es zu einer Fotostrecke im Einkaufszentum Simmering.
Dabei besucht er auch das Siemens-Werk in Simmering. mehr ->
Es gibt auch einen ORF-Beitrag dazu (allerdings nur befristet zu sehen). mehr ->

Auffallend ist, dass die ansonsten jeden Furz berichtenden Medien darüber keinen Beitrag zustandebringen (wollen). Überzeuge dich selbst, indem du in dieser Aufstellung die nachfolgenden Links anklickst. mehr ->

Posted by Wilfried Allé Friday, September 9, 2016 11:07:00 AM
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3 Videos, die man einfach gesehen haben muss! 

Drei entlarvende Videos, die klar erkennen lassen, worin die wirklichen Stärken der Rechten liegen. Die Stärken liegen nicht im Konstruktiven sondern im Zerstörerischen. Sachpolitik ist für die Freiheitlichen völlig nebensächlich - was zählt sind Stimmungen und Gefühle, und Menschen die sich davon leiten lassen!

http://derstandard.at/2000046574870/Walter-Oetsch-ueberKampfrhetorik-undRechtspopulismus-und

Die 3 Videos nochmals im Detail:

Posted by Wilfried Allé Saturday, November 5, 2016 6:01:00 PM
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