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Lohnkosten müssen runter! - Eine Forderung der Wirtschaft in der Dauerschleife 

Lohnkosten und Lohnstückkosten

Die Lohnkosten setzen sich aus den Brutto­löh­nen und -gehäl­tern der Ar­beit­neh­mer so­wie den So­zial­bei­trägen der Ar­beit­ge­ber zu­sammen.
Zur Bestimmung der Lohnstück­kosten wer­den die Lohn­kos­ten je Ar­beit­neh­mer be­zie­hungs­weise je Ar­beit­neh­mer­stunde ins Ver­hält­nis zur Ar­beits­pro­duk­ti­vi­tät je Er­werbs­tä­ti­gen (Per­so­nen­kon­zept) be­zie­hungs­weise je Er­werbs­tä­ti­gen­stunde (Stun­den­kon­zept) gesetzt.

In der öffentlichen Dis­kus­sion wird häu­fig den Lohn­kos­ten eine große Be­deu­tung beim Stand­ort­wett­be­werb zu­ge­spro­chen. Bei ei­nem Ver­gleich der Lohn­kos­ten soll­ten al­ler­dings die Lohn­stück­kos­ten be­trach­tet wer­den, da bei die­sen die Lohn­kos­ten ins Ver­hält­nis zur Ar­beits­pro­duk­ti­vi­tät ge­setzt wer­den – hohe Lohn­kos­ten kön­nen da­bei durch ho­he Pro­duk­ti­vi­tät aus­ge­gli­chen werden.

Fakten

Ein zentrales Thema der Globalisierungsdebatte ist der Standortwettbewerb. Aber schon auf die Frage, wie die Wettbewerbsfähigkeit eines Standortes zu messen ist, können verschiedene Antworten gegeben werden. Fest steht lediglich, dass bei der Beurteilung der Wettbewerbsfähigkeit mehrere Faktoren berücksichtigt werden müssen. Über die Wettbewerbsfähigkeit eines Standortes bestimmen unter anderem die infrastrukturellen Voraussetzungen (Kommunikationsnetze, Verkehrswege, Umschlagplätze, Logistiknetzwerke, Transport- und Energiekosten etc.), die Forschungsbedingungen, das allgemeine Ausbildungsniveau, der Aufbau und die Flexibilität der staatlichen Bürokratie, staatliche Förderungen, gesetzliche Auflagen, die Steuer- und Abgabenbelastung sowie das Lohnniveau und andere Kostenfaktoren.

Ob und warum sich Unternehmen an einem Standort niederlassen, ist von großem Interesse für politische Entscheidungen, da die Standortwahl unmittelbare Auswirkungen auf Investitionen, Steuereinnahmen und Arbeitsplätze hat.

Traditionelle Unternehmens- und Marktverflechtungen, der Zugang und die Nähe zu großen oder neuen Märkten, natürliche Ressourcen bzw. die Verfügbarkeit von Rohstoffen, räumliche Voraussetzungen, die Einkommens- und Vermögensstruktur, politische und rechtsstaatliche Stabilität, das Image eines Standortes sowie das Vorhandensein von spezialisierten Unternehmen und Fachkräften beeinflussen ebenfalls die Investitionsentscheidungen. Und ob wiederum die Fachkräfte an einen Standort gebunden werden können, hängt neben den rein ökonomischen Voraussetzungen auch vom Wohnumfeld, der Umweltqualität, der medizinischen Versorgung, den Fürsorgeeinrichtungen sowie den Bildungs-, Erholungs-, Kultur- und Freizeitangeboten ab.

Bei einer Bewertung der Lohnkosten sollten allerdings nicht allein die Bruttolöhne der Arbeitnehmer sondern die Lohnstückkosten verglichen werden.

Zur Ermitt­lung der Lohn­stück­kos­ten wer­den die Lohn­kos­ten ins Ver­hält­nis zur Ar­beits­pro­duk­ti­vi­tät ge­setzt. Die Höhe der Lohn­stück­kos­ten ist da­mit so­wohl von der Pro­duk­ti­vi­tät als auch von der Höhe der ge­zahl­ten Löhne ab­hän­gig. Bei­spiels­weise kön­nen die Lohn­stück­kos­ten ei­nes Stand­or­tes mit nied­ri­gen Löh­nen und ei­ner ge­rin­gen Pro­duk­ti­vi­tät hö­her sein als die Lohn­stück­kos­ten ei­nes Stand­or­tes mit ho­hen Löh­nen und ei­ner ho­hen Pro­duk­ti­vi­tät. Durch den Ein­satz neuer Tech­no­lo­gien, die ef­fi­zi­ente Ar­beits­or­ga­ni­sa­tion, eine aus­ge­bau­te In­fra­struk­tur und ein ho­hes Quali­fi­ka­tions­ni­veau der Be­schäf­tig­ten wird die Ar­beits­pro­duk­ti­vi­tät ge­stei­gert und so­mit ein Teil der hö­he­ren Lohn­kos­ten aus­ge­glichen.

Die inter­na­tio­na­le Wett­be­werbs­fä­hig­keit hängt auch stark von Wech­sel­kurs­ände­run­gen ab. Um die Wech­sel­kur­se mit ein­zu­be­zie­hen, muss die Ent­wick­lung der Lohn­stück­kos­ten in ei­ner ein­heit­li­chen Wäh­rung ab­ge­bil­det wer­den (und nicht auf Ba­sis der je­wei­li­gen Wäh­rung). Al­ler­dings geht diese Dar­stel­lungs­form zu Las­ten der Fak­to­ren, die die Lohn­stück­kos­ten in den ein­zel­nen Staa­ten ab­seits der Wech­sel­kur­se be­ein­flus­sen (z.B. die Ent­wick­lung der Pro­duk­ti­vität).

Abseits der zahlreichen Faktoren, die die Kosten eines Produkts beeinflussen, ist zu bedenken, dass bei vielen Produkten die Löhne der Arbeitnehmer einen immer geringer werdenden Anteil haben und sich unternehmerischer Erfolg zunehmend auf Produktimage, Produktqualität, Kundenservice, Lieferpünktlichkeit und Innovationsfähigkeit gründet.

Dazu passen die Forschungsergebnisse, auf die das ISI (Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung) hinweist, nach denen "jede vierte Produktionsverlagerung innerhalb von drei bis fünf Jahren wieder rückgängig gemacht wurde." 2012 nannten die Unternehmen Flexibilitätseinbußen am häufigsten als Grund für die Rückverlagerung (59 Prozent). Darauf folgten Qualitätsprobleme 53 Prozent), Kapazitätsauslastung (28 Prozent), zu hohe Transportkosten (25 Prozent), Probleme bei der Koordination und mit der Infrastruktur (21 und 13 Prozent) sowie Fachkräftemangel und Know-how-Verluste (13 und 11 Prozent).

aus: https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/globalisierung/52647/lohnstueckkosten-im-verarbeitenden-gewerbe/

Posted by Wilfried Allé Wednesday, January 14, 2026 10:09:00 AM
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Notwendigkeit einer Neuausrichtung Europäischer Industriepolitik 

Wertschöpfungsketten auf Dimensionen des Binnenmarktes restrukturieren

Hochentwickelte, vernetzte Volkswirtschaften brauchen für ihre weitere Entwicklung eine zeitgemäße, strategische und missionsorientierte Industriepolitik. Ihre Ziele müssen fair verteilter materieller Wohlstand, gute Arbeit und hohe Beschäftigung, Lebensqualität, eine intakte Umwelt und ökonomische Stabilität sein. Außerdem muss sie ein ausgewogenes Zusammenspiel von quantitativen und qualitativen ökonomischen, ökologischen, sozialen, bildungspolitischen sowie Standort- und Wettbewerbsfaktoren verwirklichen.

Der industrielle Sektor ist für die gesamte österreichische und europäische Wirtschaft entscheidend: Die Wertschöpfung der Industrie ist zentral für die Volkswirtschaft und Gesellschaft. Deshalb muss sichergestellt werden, dass Beschäftigte in ihren individuellen Ausgangslagen bestmöglich beim Wandel von Betrieben und Branchen unterstützt werden. Der Übergang in eine digitale und klimaneutrale Wirtschaft kann nur dann gelingen, wenn die Menschen ins Zentrum der politischen Bemühungen gestellt werden. Von einer guten Fachausbildung, hochwertigen Arbeitsplätzen und einer innovativen, zukunftsfähig aufgestellten Wirtschaft und Industrie profitieren alle.

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Posted by Wilfried Allé Tuesday, September 7, 2021 9:09:00 AM
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Wenn Löhne und Gehälter hinter Produktivität und Inflation zurückbleiben 

kommt es vermehrt zu Leih- und Zeitarbeit und letzlich zu Arbeitslosigkeit

Wir brauchen ein neues Gesellschaftsmodell. Das Modell des Sparens führt zu Austerität. Austerität schadet den Menschen und der Realwirtschaft inklusive dem Staat mit seinen Kommunen. Wir brauchen ein Modell, in dem die Lohnsteigerungen wieder direkt an Produktivität und Inflation gekoppelt sind.
Es bringt uns kein Stück weiter, wenn die Produktivität und die Gewinne gesteigert werden, aber der Staat und die Menschen mehr und mehr in die Austerität versinken und damit einhergehend die Nachfrage sinkt, bis sie womöglich ganz und gar zum Stillstand kommt. Dann sind Wirtschaft und Markt kollabiert. Das Chaos ist perfekt.

Prof. Dr. Heiner Flassbeck gibt dazu mit seinem ¾ stündigen Vortrag die notwendige Hintergrundinformation: "Wann startet Europa einen Neuanfang !?" ->

Posted by Wilfried Allé Monday, December 10, 2018 12:31:00 AM
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Europa braucht höhere Löhne und gute Jobs 

Wachstum für alle?

Heute verblasst die Erinnerung an die Finanz- und Eurozonenkrise bereits. In Europa gibt es wieder solides Wachstum, Arbeitsplätze werden geschaffen und neue Unternehmen gegründet. Dies sollte euphorisch stimmen. Aber warum ist das nicht der Fall?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens wachsen einige Wirtschaften, während andere weiterhin stagnieren oder schrumpfen. Zweitens findet die Erholung des Arbeitsmarktes hauptsächlich in Form von Teilzeitstellen und prekären Arbeitsverhältnissen statt. Drittens werden die ArbeitnehmerInnen nicht mit Gehaltserhöhungen an der wirtschaftlichen Erholung beteiligt. Und viertens muss sehr viel mehr getan werden, um sicherzustellen, dass die nächste Rezession nicht ebenso schwer wird wie die letzte. Benchmarking Working Europe 2018, die jährliche Bestandsaufnahme der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in Europa, die das ETUI  herausgibt, fand trotz der Euphorie, die sich unter EntscheidungsträgerInnen breitmacht, viele Gründe zur Beunruhigung.
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Posted by Wilfried Allé Tuesday, April 24, 2018 11:32:00 PM
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Ein paar grundsätzliche Anmerkungen zum - österreichischen - Sozialsystem 

Unser österreichisches Sozialsystem beruht auf dem System der Selbstverwaltung. D.h. es verwaltet sich selbst, also nicht der Staat mit seinen gerade am Regieren befindlichen Parteien verwaltet es, und es ist auch für die Gebahrung verantwortlich. Aber handeln kann es nur im Rahmen der vom Gesetzgeber vorgegeben Richtlinien, Verordnungen und Gesetzen.
Das System der Sozialen Sicherheit umfasst folgende Bereiche: Vorsorge, Krankheit, Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit/Invalidität, Mutterschaft, Arbeitslosigkeit, Alter, Tod der unterhaltspflichtigen Person, Hinterbliebenenpensionen, Pflege und soziale Bedürftigkeit.

Typische Merkmale der österreichischen Sozialversicherung sind:

  • Verpflichtende Versicherung für selbständig und unselbständig Erwerbstätige und Angehörige. Einige Gruppen, z.B. geringfügig Beschäftigte, sind nur in Teilbereichen pflichtversichert, siehe Beschäftigungsformen
  • Rechtsanspruch auf bestimmte – aber nicht alle – Leistungen (bestimmte Anspruchsvoraussetzungen müssen erfüllt werden)
  • Finanzierung durch einkommensabhängige Versicherungsbeiträge und staatliche Stützung
  • Solidaritätsprinzip: Personen mit höherem Einkommen (höheren Sozialversicherungsbeiträgen) finanzieren Leistungen für Personen mit niedrigeren Einkommen mit
  • Versicherungsprinzip: Versicherung als Voraussetzung für viele Sozialleistungen sowie Beziehung zwischen Einkommen und Leistungshöhe

Die Versicherungsträger

Die Krankenversicherung (Vorsorge, Krankheit, Mutterschaft, Pflege) wird durch die Krankenkassen verwaltet, die Unfallversicherung durch die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt, die Arbeitslosenversicherung durch das Arbeitsmarktservice, die Pensionsversicherung durch die Pensionsversicherungsanstalt.

Die Zuständigkeit der Krankenkassen ergibt sich durch den Arbeitsort (Gebietskrankenkassen der Bundesländer). Selbständige, BäuerInnen, EisenbahnerInnen und Bergleute sowie BeamtInnen haben unabhängig vom Arbeitsort ihre eigene Sozialversicherungsanstalt.

Alle Versicherungsträger sind in Landesstellen und zum Teil in Bezirksstellen unterteilt und im Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger organisiert.

Posted by Wilfried Allé Tuesday, December 5, 2017 4:01:00 PM
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Die direkten Abhängigkeiten dieser 4 Begriffe zueinander 

Wertschöpfung - Wirtschaftsaufschwung - Bruttolohnsumme - Sozialsystem

Die generelle Zielsetzung einer Unternehmung, vom EPU (=Ein-Personen-Unternehmen) über die KMUs (=Klein- und Mittel-Unternehmen) bis zu Konzernen, ist durch Einsatz von Ressourcen Werte zu schaffen.

Posted by Wilfried Allé Tuesday, December 5, 2017 3:21:00 PM
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Erste Shopping-Plattform für Wiener Handel 

startet Anfang 2018

Die erste eigene Shopping Plattform "wien.shöpping.at"  wurde geschaffen, damit der Wiener Handel das Potenzial von „Mobiler Internetnutzung und Online-Shopping" nutzen kann. Ziel ist,  vor allem die kleineren Unternehmen zu motivieren, sich dieser Wiener Shopping Plattform zu bedienen. Große Unternehmen können sich bekanntlich um teures Geld eine eigene Online-Plattformen aufbauen. Weil es sich um eine reine österreichische Online-Shopping-Plattform handelt, auf der (anfänglich) Wiener Firmen, und in der Folge Firmen österreichweit ihre Produkte zum Verkauf anbieten, ist von vornherein sichergestellt, dass die Wertschöpfung in Österreich bleibt. mehr ->

Posted by Wilfried Allé Monday, October 2, 2017 7:52:00 PM
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