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Warum sich der Kampf gegen Wirtschaftskriminalität lohnt - SPIEGEL-Bestseller - Nr. 1-Wirtschaftsbestseller, Sachbuch-Bestenliste ZDF, Deutschlandfunk Kultur, DIE ZEIT

von Anne Brorhilker, Traudl Bünger

ISBN: 9783453219113
Themen: Gesellschaft und Sozialwissenschaften
Politik und Staat
Politischer Aktivismus / Politisches Engagement
Erscheinungsdatum: 12.11.2025
Verlag: Heyne
Umfang: 272 Seiten
Format: Hardcover
Preis: € 24,70

Kurzbeschreibung des Verlags

Leben wir in einem Land, in dem, wer reich ist, das Ge­setz nicht fürch­ten muss? Anne Bror­hil­ker, die als Ober­staats­an­wäl­tin der Staats­an­walt­schaft Köln jahre­lang und un­er­schrocken die Cum/Ex-Er­mitt­lun­gen ge­lei­tet hat, kennt das kom­ple­xe Ver­hält­nis zwi­schen Wirt­schafts­kri­mi­na­li­tät und Jus­tiz wie keine an­dere. Hier schil­dert sie erst­mals ihre er­staun­li­chen Er­fah­run­gen mit der Fi­nanz­eli­te, blickt hin­ter die Ku­lis­sen der Groß­ban­ken und ent­larvt die Selbst­ge­fällig­keit vie­ler Steuer­hinter­zie­her: Wes­halb war die Auf­klä­rung trotz jahre­lan­ger Er­mitt­lung und auch zahl­rei­cher Ur­teile so müh­sam? Warum tut sich der Staat so schwer, die Mil­liar­den zu­rück­zu­for­dern? Geld, das den ehr­li­chen Steuer­zah­lern zu­steht? Mit ihrem Ent&­shy;schluss, den Staats­dienst zu quit­tie­ren und als Teil der Zi­vil­ge­sell­schaft für Auf­klä­rung zu sor­gen, hat Anne Brorhil­ker ein Zei­chen ge­setzt: Der Kampf für Ge­mein­wohl und Ge­rech­tig­keit geht uns alle an - und mit Mut kön­nen wir etwas be­we­gen! Ein Euro des Ver­kaufs­prei­ses die­ses Buches geht an die Bür­ger­be­we­gung "Finanzwende e.V.".

Rezension, Sarah Tischer

Anne Brorhilker ist eine der prominenten Stimmen im Kampf gegen Wirt­schafts­krimi­nali­tät in Deutsch­land. Ihr Ge­sicht ist einem viel­leicht schon in den Me­dien be­geg­net – sie war als Ober­staats­an­wäl­tin jahre­lang maß­geb­lich an den Cum/Ex-Er­mitt­lun­gen be­tei­ligt und hat zen­tra­le Ur­teile im größ­ten Steuer­skan­dal der Bun­des­repu­blik er­wirkt. Nun hat sie ein Buch ge­schrie­ben: »Cum/Ex, Mil­liar­den und Moral«. Die Volks­wir­tin hat es ge­lesen.

Auf Anne Brorhilkers Buch wurde ich durch ein Inter­view bei SWR1 Leute auf­merk­sam. Zu­nächst war ich skep­tisch, ob ich es le­sen möch­te. Zu ver­traut klang der In­halt: die Macht der Fi­nanz­bran­che, eine gut ver­netz­te Lobby, struk­tu­rel­le Defi­zi­te in Be­hör­den – und ein Staat, der Wirt­schafts­krimi­na­li­tät nur un­zu­rei­chend ver­folgt. Mir war klar, dass mich die in der Lek­türe an­ge­spro­che­nen Miss­stände und Skan­dale auf­regen würden.

Jetzt hab ich »Cum/Ex, Milliarden und Moral« (2025 er­schie­nen bei Heyne) in kür­zes­ter Zeit durch­ge­le­sen. Und ich kann sa­gen: Ja, ich hab mich ein biss­chen auf­ge­regt, das liegt in der Na­tur der Sa­che, aber es hat sich ge­lohnt, das Buch zu le­sen. Bror­hil­ker er­schöpft sich nicht im Be­nen­nen der Miss­stän­de. Sie er­klärt, gibt Ein­blicke und macht Sach­ver­halte ver­ständ­lich. Die Lek­türe ist flüs­sig und bis­wei­len habe ich mich so­gar trotz der The­ma­tik amü­siert – auf­grund der »Ab­sur­di­tä­ten« im System.

Auch die psychologische Ebene kommt nicht zu kurz, wenn die Auto­rin bei­spiels­weise be­schreibt, wie sie sich in Zeu­gen­ver­neh­mun­gen mit Män­nern gibt, denen es nicht an Ego und Selbst­über­zeu­gung fehlt und die dies auch durch ihr Auf­tre­ten und ihre Klei­dung zur Schau stel­len. Die ge­schil­der­ten Er­eig­nis­se zei­gen die mensch­li­che Natur, die hin­ter Gier, Macht und Fehl­ent­schei­dun­gen zu Tage tritt.

Eine kurze Erklärung, worum es bei Cum/Ex ging: Kurz gesagt ist Com/Ex ein Trick mit Ak­tien, um Steuern mehr­fach zu­rück­zu­be­kom­men, die nur ein­mal oder gar nicht ge­zahlt wur­den. Und etwas ge­nauer: Ban­ken und In­ves­toren or­ga­ni­sier­ten den mehr­fachen Rück­er­stat­tungs­be­trug von Kapi­tal­er­trag­steu­ern und ver­ur­sa­chten so ei­nen Mil­li­arden­scha­den für den Staat. Die Händ­ler scho­ben sich um den Divi­den­den-Stich­tag Ak­tien blitz­schnell hin- und her. Durch die­ses Hin und Her sah es für das Fi­nanz­amt so aus, als hät­ten meh­re­re Per­so­nen dies­elbe Steuer ge­zahlt – ob­wohl sie nur ein­mal oder gar nicht ge­zahlt wurde. Der Staat er­stat­te­te die Steuer mehr­fach zu­rück, die ihm gar nicht zustand.

Brorhilker betont wiederholt: Das war kein »steuer­li­ches Schlupf­loch«, son­dern ein Ver­bre­hen. Der Be­griff der »Ge­set­zes­lücke« sei ein von der Fi­nanz­bran­che ge­streu­ter Euphe­mis­mus – der lei­der oft von vie­len Me­dien über­nom­men wurde. Die da­durch hin­ter­zo­ge­nen Steuern be­lau­fen sich nach Schät­zun­gen auf 40 Mil­liar­den Euro – »der größte Steuer­raub in der Ge­schichte der Bun­des­republik«.

Die ehemalige Staats­an­wäl­tin nimmt die Leser­innen mit in ihren da­ma­li­gen Ar­beits­all­tag und wie sie den Mil­liar­den­schwe­ren Be­trug in sei­ner Trag­weite auf­deckte. Von der stra­te­gi­schen Pla­nung ihrer Er­mitt­lun­gen über Raz­zien und Zeugen­be­fra­gun­gen bis zu Rück­schlä­gen und Er­fol­gen schil­dert sie al­les pack­end und de­tail­liert. Da­bei zeigt sie sys­te­ma­tisch Miss­stän­de und macht deut­lich, wie schwer es ist, ge­gen die mäch­ti­ge Fi­nanz­bran­che vor­zu­gehen.

Sie rechnet sowohl mit der Finanz­branche als auch mit den Be­hör­den ab. Über die Fi­nanz­bran­che schreibt sie: »Diese arro­gan­te und ab­ge­ho­be­ne Hal­tung ei­ner Bran­che dem Rest der Welt ge­gen­über ha­ben wir Er­mittler auch oft zu spü­ren be­kommen.«

Die Autorin macht deut­lich, dass die Finanz­lobby die mäch­tig­ste Lob­by in Deutsch­land ist. Sie zeigt, dass Uni­ver­si­tä­ten nicht im­mer neu­tral agie­ren, wenn sie von der Finanz­lobby finan­ziert und be­auf­tragt wer­den, Stu­dien zu ver­fas­sen, die Cum/Ex-Ge­schäf­te in ei­nem posi­ti­veren Licht dar­stellen.

Auf der anderen Seite schildert Anne Brorhilker ihre Prob­leme im Beam­ten­appa­rat: Hie­rar­chien, feste Ab­läufe, man­geln­de Unter­stüt­zung und Kri­tik aus den ei­ge­nen Rei­hen. So wur­den ihre Bit­te um per­so­nel­le Unter­stüt­zung trotz der großer Trag­weite des Fal­les nicht ge­hört – an­geb­lich hat­ten Vor­ge­setz­te Angst, ihr eine Sonder­be­hand­lung zu ge­ben. Weil Staats­beamte re­gel­mäßig die Fälle und Pos­ten wech­seln, wur­de Bror­hil­ker di­rekt vor ei­ner zen­tra­len Ver­hand­lung bei­nahe ver­setzt. Weil das der üb­li­che Ab­lauf sei. Doch dann wäre mo­na­te­lan­ge Ar­beit um­sonst ge­we­sen. Genau­so be­män­gelt sie, dass sie nur schwer Kol­le­gen ge­fun­den habe, die sie unter­stüt­zen konn­ten, da der Fall kom­plex ist und ei­ner gründ­li­chen Ein­ar­bei­tung bedarf.

In »Cum/Ex, Milliarden und Moral« zeigt Anne Brorhilker das rich­ti­ge Maß an per­sön­li­chen Ein­blicken, so­dass die Lek­türe span­nend und flüs­sig zu le­sen ist. Man spürt den Sinn für Ge­rech­tig­keit der Auto­rin, ihre Ent­schlos­sen­heit und die Här­ten, die sie durch­ste­hen musste. Sie er­zählt nicht nur von Ver­bre­chen, son­dern auch da­von, wie sie selbst über sich hinaus­wuchs, Tak­ti­ken ent­wickel­te und ein dickes Fell be­kam – im­mer an­ge­trie­ben von ihrem Wunsch, dass der Steuer­skan­dal nicht un­ge­sühnt bleibt.

Auch oder gerade Leser ohne Fach­kennt­nis­se kön­nen dem Buch pro­blem­los fol­gen, da es ver­ständ­lich und gut nach­voll­zieh­bar ge­schrie­ben ist.

Anne Brorhilker hat sich durch den Wider­saktuellestand nicht ein­schüch­tern las­sen. Sie kämpft nun als Ge­schäfts­füh­re­rin bei der Bür­ger­be­we­gung Fi­nanz­wende wei­ter. Ihr Ziel: Die Struk­tu­ren zu ver­än­dern, die sie einst zum Rück­zug aus dem Staats­dienst zwan­gen. Das Buch konnte sie nur schrei­ben, weil sie ihren Beamten­sta­tus auf­ge­ge­ben hat und nicht mehr für den Staat tä­tig ist. Die ge­schwärz­ten Stel­len (»dienst­liche An­ge­le­gen­hei­ten, die der Öf­fent­lich­keit nicht be­reits be­kannt sind«) hinter­las­sen ein ko­mi­sches Ge­fühl, wie so vie­le nicht-ge­schwärzte Stellen auch

Posted by Wilfried Allé Wednesday, May 27, 2026 8:01:00 PM Categories: Gesellschaft und Sozialwissenschaften Politischer Aktivismus / Politisches Engagement
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