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Eine Philosophie der künstlichen Intelligenz

von Roberto Simanowski

Reihe: Beck Paperback
ISBN: 9783406837531
Genre: Sachbücher/Philosophie, Religion
Verlag: C.H.Beck
Erscheinungsdatum: 07.10.2025
Sammlung: KI und ihre Auswirkungen
Umfang: 288 Seiten
Format: Taschenbuch
Preis: € 23,70
Kurzbeschreibung des Verlags

Wenn Rechner denken - Eine Philosophie der Künstlichen Intelligenz

Für die Philosophie gehört die Sprache zu den vor­nehms­ten und wich­tigs­ten Ei­gen­schaf­ten des Men­schen: Sie er­mögl­icht es, eine ganze Welt zu er­schlie­ßen, auch die in­tims­ten Ge­dan­ken zu ar­ti­ku­lie­ren, sich über Wert­vor­stel­lun­gen zu ver­stän­di­gen und ist ent­schei­dend für die be­son­dere Frei­heit und Sou­ve­rä­ni­tät, mit de­nen Men­schen ihr Leben füh­ren. Was aber ge­schieht, wenn wir uns von ei­ner Sprach­ma­schine die Welt er­klä­ren, Werte ver­mit­teln und das Den­ken ab­neh­men las­sen? Der Me­dien­philo­soph und Inter­net­ex­perte Ro­ber­to Sima­nowski will es ge­nau­er wis­sen und be­gibt sich auf die Suche nach den atem­be­rau­ben­den Kon­se­quen­zen des gro­ßen Sou­ve­rä­ni­täts­trans­fers, der ge­rade im Gange ist.

Jede Technik hat die Macht, ihren ahnungs­losen Nut­zern die ei­gene Lo­gik auf­zu­drän­gen. Ge­wöh­nen uns ChatGPT, Gemini und an­dere Chat­bots das Le­sen, Schrei­ben und Den­ken ab? Über­re­den sie uns zu An­sich­ten, die wir gar nicht ha­ben? Ent­mün­di­gen sie uns ge­rade da­durch, dass sie uns so eif­rig zu Diens­ten sind? Und wer hat ei­gent­lich in wes­sen Auf­trag die Sprach­ma­schi­nen er­zo­gen? Sima­nows­ki geht die­sen und wei­te­ren Fra­gen nach mit dem philo­so­phi­schen Ge­spür da­für, wie die neue Tech­nik die Si­tua­tion des Men­schen sub­til, aber enorm fol­gen­reich ve­rän­dern wird.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.10.2025

Die bislang schlüssigste philo­so­phi­sche Stu­die über KI legt laut Re­zen­sent Andrian Kreye Roberto Sima­nowski hier vor. Der Me­dien­phi­lo­soph lässt die ge­samte philo­so­phi­sche Tra­di­tion auf die neue Tech­no­lo­gie los und zwar ge­nau zur rich­ti­gen Zeit, meint Kreye, sind ChatGPT und Co doch gerade dabei, die Grenzen zwischen Menschlichem und Technischem zu verunklaren. Das Fazit, auf das Simanowskis Buch hinaus läuft ist bitter: Com­pu­ter mö­gen zwar die erste Uni­ver­sal­spra­che der Mensch­heits­ge­schichte her­vor­ge­bracht ha­ben, aber die KI sorgt da­für, dass die Men­schen das Den­ken ver­lernen. Ge­nauer ge­sagt wird es ih­nen, wie Kreye Sima­nows­kis an Mc­Luhan ge­schul­tes Ar­gu­ment wie­der­gibt, ab­ge­nom­men wie ein ampu­tier­tes Kör­per­teil - wo­bei die KI eben ge­rade noch nicht kör­per­lich agiert, son­dern auf dem Schlacht­feld der Spra­che. Sima­nowski legt laut Kreye wert auf die Fest­stel­lung, dass die KI die kör­per­lichen, sinn­li­chen As­pekte des Mensch­seins nicht be­grei­fen kann, dass sie aber gleich­zei­tig Dank de­rer, die sie pro­gram­mie­ren, Ideo­lo­gie - ob Mar­ke woke, Mar­ke Musk oder Mar­ke Putin - trans­por­tiert. Ge­rade die ver­meint­li­che Ein­fach­heit der Such­ma­schi­nen, die ver­birgt, dass hin­ter ihnen nur kal­te Mathe­ma­tik steckt, ist Kreye zu­folge dem Au­tor ver­däch­tig. Am Ende die­ses Buches, das Kreye sehr gerne ge­le­sen hat, ruft Sima­nowski gar zum pro­le­ta­ri­schen Wider­stand der Men­schen ge­gen ihre neuen Ma­schi­nen­herren auf.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2025

Rezensent Helmut Mayer emp­fiehlt den Kul­tur­wis­sen­schaft­ler Robert Sima­nowski als kom­pe­ten­ten Füh­rer durch die Welt der Sprach­ma­schi­nen. Ihm ge­fällt, dass sich Sima­nowski we­der auf die über­zo­ge­nen Er­war­tun­gen der Tech-Opti­mis­ten noch auf die be­müh­ten Angst­sze­na­rien ein­lässt, son­dern der mathe­ma­ti­schen Na­tur der Large Lan­guage Mo­dels auf den Grund geht und Fra­gen von Autor­schaft und Ent­mün­di­gung ver­han­delt. An­ge­sichts des be­vor­ste­hen­den Sou­ve­rä­ni­täts­trans­fers fin­det Mayer auch rich­tig, dass Sima­nowski die Sprach­ma­schi­nen vor al­lem als ei­nen "Um­schlag­platz von Wer­ten" be­han­delt. Die philo­so­phi­schen Ex­kurse zu Heideg­ger und Witt­gen­stein fin­det der Rezen­sent am Ende etwas un­er­giebig, aber den Hin­weis auf Hegels Herr-Knecht-Dia­lek­tik nimmt er gern mit.

Posted by Wilfried Allé Wednesday, February 4, 2026 9:26:00 AM Categories: Religion Sachbücher/Philosophie
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