von Roberto Simanowski

Kurzbeschreibung des Verlags
Wenn Rechner denken - Eine Philosophie der Künstlichen Intelligenz
Für die Philosophie gehört die Sprache zu den vornehmsten und wichtigsten Eigenschaften des Menschen: Sie ermöglicht es, eine ganze Welt zu erschließen, auch die intimsten Gedanken zu artikulieren, sich über Wertvorstellungen zu verständigen und ist entscheidend für die besondere Freiheit und Souveränität, mit denen Menschen ihr Leben führen. Was aber geschieht, wenn wir uns von einer Sprachmaschine die Welt erklären, Werte vermitteln und das Denken abnehmen lassen? Der Medienphilosoph und Internetexperte Roberto Simanowski will es genauer wissen und begibt sich auf die Suche nach den atemberaubenden Konsequenzen des großen Souveränitätstransfers, der gerade im Gange ist.
Jede Technik hat die Macht, ihren ahnungslosen Nutzern die eigene Logik aufzudrängen. Gewöhnen uns ChatGPT, Gemini und andere Chatbots das Lesen, Schreiben und Denken ab? Überreden sie uns zu Ansichten, die wir gar nicht haben? Entmündigen sie uns gerade dadurch, dass sie uns so eifrig zu Diensten sind? Und wer hat eigentlich in wessen Auftrag die Sprachmaschinen erzogen? Simanowski geht diesen und weiteren Fragen nach mit dem philosophischen Gespür dafür, wie die neue Technik die Situation des Menschen subtil, aber enorm folgenreich verändern wird.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.10.2025
Die bislang schlüssigste philosophische Studie über KI legt laut Rezensent Andrian Kreye Roberto Simanowski hier vor. Der Medienphilosoph lässt die gesamte philosophische Tradition auf die neue Technologie los und zwar genau zur richtigen Zeit, meint Kreye, sind ChatGPT und Co doch gerade dabei, die Grenzen zwischen Menschlichem und Technischem zu verunklaren. Das Fazit, auf das Simanowskis Buch hinaus läuft ist bitter: Computer mögen zwar die erste Universalsprache der Menschheitsgeschichte hervorgebracht haben, aber die KI sorgt dafür, dass die Menschen das Denken verlernen. Genauer gesagt wird es ihnen, wie Kreye Simanowskis an McLuhan geschultes Argument wiedergibt, abgenommen wie ein amputiertes Körperteil - wobei die KI eben gerade noch nicht körperlich agiert, sondern auf dem Schlachtfeld der Sprache. Simanowski legt laut Kreye wert auf die Feststellung, dass die KI die körperlichen, sinnlichen Aspekte des Menschseins nicht begreifen kann, dass sie aber gleichzeitig Dank derer, die sie programmieren, Ideologie - ob Marke woke, Marke Musk oder Marke Putin - transportiert. Gerade die vermeintliche Einfachheit der Suchmaschinen, die verbirgt, dass hinter ihnen nur kalte Mathematik steckt, ist Kreye zufolge dem Autor verdächtig. Am Ende dieses Buches, das Kreye sehr gerne gelesen hat, ruft Simanowski gar zum proletarischen Widerstand der Menschen gegen ihre neuen Maschinenherren auf.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2025
Rezensent Helmut Mayer empfiehlt den Kulturwissenschaftler Robert Simanowski als kompetenten Führer durch die Welt der Sprachmaschinen. Ihm gefällt, dass sich Simanowski weder auf die überzogenen Erwartungen der Tech-Optimisten noch auf die bemühten Angstszenarien einlässt, sondern der mathematischen Natur der Large Language Models auf den Grund geht und Fragen von Autorschaft und Entmündigung verhandelt. Angesichts des bevorstehenden Souveränitätstransfers findet Mayer auch richtig, dass Simanowski die Sprachmaschinen vor allem als einen "Umschlagplatz von Werten" behandelt. Die philosophischen Exkurse zu Heidegger und Wittgenstein findet der Rezensent am Ende etwas unergiebig, aber den Hinweis auf Hegels Herr-Knecht-Dialektik nimmt er gern mit.