Vor einigen Wochen veröffentlichte Reporter ohne Grenzen den jährlich erscheinenden renommierten Jahresbericht zur Lage der Medien, in dem die Rangliste der Pressefreiheit zu finden ist. Laut diesem ist die Pressefreiheit weltweit so dramatisch unter Druck, wie seit einer Generation nicht mehr – ein Zeichen für den zunehmenden Einfluss autoritärer Kräfte. Die Einengung dessen, was öffentlich gesagt werden darf, findet nicht in fremden Schurkenstaaten statt, sondern bei nahen Freunden. In den USA legt Trump einen Bauplan vor, wie die öffentliche Meinung frisiert und kritische Berichterstattung systematisch eingeschränkt wird. Reporter ohne Grenzen bestätigt, dass Angriffe auf Journalisten mittlerweile System haben. Das „Land of the Free“ fällt um sieben Plätze auf den schlechten Rang 64. .
Soziale Medien haben dem Journalismus längst den Rang abgelaufen. Instagram & Co. zeigen jedoch nicht mehr, was die Freunde posten. Die Plattformen sind zu TV-Sendern geworden, billigst produzierter Ramsch in Dauerberieselung. Die Algorithmen sind gesteuert von Trump-Freunden. „Hey Grok, is this true“, schreiben die User unter Posts auf Elon Musks Netzwerk X. Die KI urteilt: wahr oder falsch. Ein globales Wahrheitsministerium, bei X längst Realität. Soziale Medien distanzieren sich weiterhin unschuldigst von ihren Inhalten. Im Gegensatz zu journalistischen Medien übernehmen sie keine Verantwortung. Das lohnt sich finanziell: der Großteil der österreichischen Werbeausgaben wird aus Kalifornien und China abgesaugt. Die Politik schaut zu, macht mit.
Dies zerstört die wirtschaftliche Basis der österreichischen Medienlandschaft, wie auch die Pressefreiheitswächter konstatieren: „Der überfälligen Stabilisierung der ökonomischen Grundlagen von Medien und Journalismus wurde bislang nicht ausreichend Rechnung getragen.“ Medienminister und Bundeskanzler sind klar angesprochen. Denn bisher sind Reformen und Medienförderungen nur geplant und zum Spielball in der Koalition geworden.
Erfreulicherweise verbessert sich die Pressefreiheit in Österreich etwas, nicht zuletzt aufgrund des Informationsfreiheitsgesetzes. Auf Platz 19 könnte man sich zwischen Großbritannien und Kanada wohlfühlen. Doch die Möglichkeit für Redaktionen, nachzufragen, wird stark vom brüchigen wirtschaftlichen Fundament definiert.
Juristische Auseinandersetzungen, vorwiegend mit FPÖ-Mandataren, haben stark zugenommen, auch mächtige Geschäftsleute schicken bei unliebsamen Recherchen vorschnell Anwaltspost in Redaktionsstuben. Journalisten werden an den digitalen Pranger gestellt, hier sind die sozialen Medien ebenfalls willige Handlanger.
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Gerold Riedmann
Chefredakteur
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