AZ-Neu

Die Informationsplattform für ArbeiterInnen, Angestellte, KMUs, EPUs und PensionistInnen

Wie Parteien neu gedacht werden müssen

 Mit Gastbeiträgen von Othmar Karas und Nikolaus Kowall

von Kurt Guwak, Judith Kohlenberger, Laurenz Ennser-Jedenastik

ISBN: 9783990605370
Erscheinungsdatum: 08.11.2025
Verlag: Goldegg Verlag GmbH
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Politik
Format: Hardcover
Umfang: 208 Seiten
Preis: € 27,00
Kurzbeschreibung des Verlags

Ein neuer Blick auf die gegenwärtige Krise der Parteien und ihre Auswirkung auf die Demokratie


Die Krise der westlichen Demokratien

Westliche Demokratien – von den USA über Deutsch­land bis nach Öster­reich – ste­hen an einem Scheide­weg. Trotz aller Unter­schiede sind sie alle mit ähn­li­chen Pro­ble­men kon­fron­tiert:
zunehmende Polarisierung,
abnehmende Kooperationsfähigkeit
und zunehmender Opportunismus. Das Resultat: Die Fähig­keit die gro­ßen, schwie­ri­gen Zu­kunfts­fra­gen kons­truk­tiv zu be­ar­bei­ten schwindet und
extreme politische Positionen werden gestärkt.

Die ehemals tragenden Säulen der modernen Demokratie, unsere Parteien, wirken heute wie gelähmt.
Stillstand, Vertrauensverlust und mangelnde Reformbereitschaft
lassen Bürgerinnen und Bürger an Parteien zweifeln. Und auch wenn in der medi­a­len Poli­tik-Dis­kus­sion im­mer wie­der ein­zel­nen Per­so­nen in den Vor­der­grund ge­stellt wer­den, so lie­gen die Ur­sa­chen die­ser katas­tro­pha­len Ent­wick­lungen doch meist tie­fer, in den inne­ren Dy­na­mi­ken von Parteien.
 

Neue Perspektiven für unsere politische Zukunft

Anstatt sich mit Pessimismus abzufinden, bieten Kurt Guwak, Judith Kohlen­ber­ger und Lau­renz Ennser-Jede­nas­tik einen
ganzheitlichen, interdisziplinären Ansatz, der Poli­tik­wis­sen­schaft, Or­gani­sa­tions-Sozio­lo­gie und der poli­ti­schen Praxis ver­bin­det. Par­teien wer­den als so­zia­le Sys­teme ver­stan­den. Da­raus er­geben sich
neue, fokussierte Einsichten und um­setz­ba­re Lö­sungs­ansätze.

In "Demokratie sucht Zukunft“ analy­sie­ren die Auto­ren die tief­grei­fen­den Ur­sa­chen der ak­tuel­len Par­teien­krise. Mit Gast­bei­trägen von 
Othmar Karas und Nikolaus Kowall
bietet das Buch eine fundierte und viel­schich­tige Per­spek­ti­ve auf den Zu­stand und die Zu­kunft der Par­teien­land­schaft. An­hand kon­kre­ter Bei­spiele und mit neuen Zu­gängen wer­den die in­nere Dy­na­mik in Par­teien offen­ge­legt und ge­zeigt, wie fest­ge­fah­rene Struk­tu­ren über­wun­den, Ver­trauen zu­rück­ge­wonnen und
politische Erneuerung aktiv gestaltet werden können.


Was erwartet Sie in dem Buch

·  Dem Problem in die Augen sehen
– Warum die Eigeninteressen von Parteien im­mer mehr Ge­wicht be­kom­men, es im­mer mehr „Innen­kar­rie­ren“ gibt und „gute Leute“ kaum mehr be­reit sind in die Poli­tik zu gehen

·  Parteien reformieren
– Warum das politische System wenig inno­va­tiv ist und wie sich Par­teien ent­wickeln müss­ten, um kons­truk­ti­ve Ak­teure in einer mo­der­nen Demo­kratie zu sein

·  Vertrauen zurückgewinnen
– Welche Rolle die Zivil­ge­sell­schaft spie­len kann, und wie wir unser poli­ti­sches Sys­tem wie­der in Ba­lance bringen


Für eine lebendige Demokratie mit Zukunft!

Dieses Buch ist ein Weckruf für poli­tisch Inter­es­sier­te, Ent­schei­dungs­trä­ger:innen und all jene, die an eine bes­sere Zu­kunft glau­ben. Wenn wir den Still­stand über­win­den wol­len, müs­sen wir uns in­for­mie­ren, ver­ste­hen und handeln.

·  Ideal für alle, die sich mit Poli­tik, Demo­kra­tie und Par­teien­wan­del be­schäf­tigen

·  Klare Analysen, ver­ständ­lich erklärt

·  Konkrete Lösungen für eine zu­kunfts­fähige Demo­kratie

Warum sich unsere Demokratie in einer Sack­gasse befindet und wie wir ge­mein­sam den Weg nach vorne finden.
 

FALTER-Rezension

Eine Therapiestunde für Parteien und Wähler

Jürgen Klatzer in FALTER 52/2025 vom 24.12.2025 (S. 28)

Anhand der USA kann man nahezu täg­lich mit­er­leben, wie eine Demo­kra­tie ihren Wert ver­liert. Nein, da­ran ist nicht allein Do­nald Trump schuld. Der amtie­ren­de Prä­si­dent ist ledig­lich ein Pro­dukt einer Ent­wick­lung, die er zu­sätz­lich ver­stärkt: Die US-Poli­tik ist zu ei­ner Show, der US-Kon­gress zu ei­ner Arena ver­kom­men, in der das Spek­ta­kel mehr zählt als Sach­lich­keit. Statt über die Zu­kunft des Lan­des zu dis­ku­tie­ren, wird ge­strit­ten und blockiert. Der Kon­flikt zwi­schen Repu­bli­ka­nern und Demo­kra­ten ist so ver­fah­ren, dass sich selbst mün­di­ge Wäh­ler zu höri­gen Fans re­du­zie­ren. Sie ver­göt­tern "ihre" Par­tei und ver­teu­feln die anderen.
Man könnte das als singu­läres Pro­blem an­sehen, das jen­seits des At­lan­tiks liegt. Weit ge­fehlt, wie Organi­sations­be­rater Kurt Guwak, Mi­gra­tions­for­sche­rin Judith Koh­len­ber­ger und Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Lau­renz Ennser-Jedenas­tik in ihrem neuen Buch dar­legen. "Demo­kra­tie sucht Zu­kunft" han­delt von Par­teien, die ei­gene Inter­es­sen über das Ge­mein­wohl stel­len, die über­grif­fi­ger wer­den, statt der poli­ti­schen De­bat­te Raum zu ge­ben, und die nicht so recht wis­sen, was sie tun sollen.

Das Buch beginnt mit einer Diagnose: Das poli­tische Sys­tem ge­rät in eine Schief­lage. Das liegt an den Par­teien. Sie seien, schrei­ben die Auto­ren, "zu wenig poli­tisch": Der Satz mutet skur­ril an. We­der kann man sich eine Poli­tik ohne Par­teien noch Par­teien ohne Poli­tik vor­stellen.

Aber Parteien sind halt auch soziale Sys­teme. Sie wol­len wach­sen und mäch­ti­ger wer­den. Nur wie wol­len sie das in Zei­ten tun, in denen sie in der Be­völ­ke­rung an Rele­vanz ver­lieren? Die Mit­glie­der­zah­len sin­ken und das Ver­trauen schwindet.

Die Parteien betreten die Showarena und stel­len sich einem pau­sen­lo­sen Wahl­kampf. Was für Wahl­kämpfe ty­pisch ist: Der Inh­alt rich­tet sich in die­ser Arena weni­ger nach der ei­ge­nen Pro­gram­ma­tik als viel­mehr nach dem, was die "Fans" hö­ren wol­len. Nie­mand will wis­sen, dass we­gen des knap­pen Bud­gets der Rot­stift an­ge­setzt werden muss.

Die Erkenntnis ist nicht neu. Parteien tun mittler­weile fast al­les, um zu über­leben. Sie wol­len mehr vom Ku­chen, was legi­tim ist. Sie müs­sen Mie­ten und Per­so­nal zah­len, haben ei­ge­ne Par­tei­aka­de­mien, die fi­nan­ziert wer­den müs­sen. In Öster­reich ist der Topf da­für be­kannt­lich be­son­ders groß: 2024 wurden auf Bundes-und Landes­ebene 270 Mil­lionen Euro an För­de­run­gen aus­ge­schüttet.

Die Autoren regen deshalb an, stärker über diesen Eigen­trieb von Par­teien nach­zu­den­ken. Was wol­len sie? Und was soll­ten sie tun? Müss­ten nicht längst alle ver­su­chen, Ant­wor­ten auf die gro­ßen Fra­gen zu lie­fern, von der öko­lo­gi­schen und digi­ta­len Trans­for­ma­tion über die Mi­gra­tion bis hin zur Bil­dungs­krise und der altern­den Ge­sell­schaft? Ver­mut­lich ja. Doch die Par­teien sind mit sich selbst be­schäf­tigt, mit in­ter­nen Gra­ben­kämp­fen, PR-Schlach­ten und mit der Su­che nach "Wun­der­wuzzis", die Wäh­ler zu Fans machen.

Es wäre sinnvoll, das System wieder auszu­balan­cie­ren. Ge­rade Wah­len bö­ten sich ja an, die Par­teien an das Poli­ti­sche zu er­in­nern. Auch Quali­täts­me­dien könn­ten sie regel­mäßi­ger da­von ab­halten, nur im ei­ge­nen Inter­esse zu han­deln. Die trau­ri­ge Bot­schaft des Bu­ches lau­tet: Wah­len sind als ulti­ma­ti­ve Kon­troll­ins­tanz zwar wich­tig, aber nur be­grenzt wir­ksam. Und Me­dien ha­dern selbst mit ihrem Macht­verlust.

Die Autoren liefern eine andere Lösung: Die Zivil­ge­sell­schaft müs­se sich stär­ker poli­ti­sie­ren, wie einst in der anti­ken Polis. Denn die Quali­tät des poli­ti­schen Sys­tems hänge maß­geb­lich da­von ab, wie poli­tisch kom­pe­tent die Zivil­ge­sell­schaft ist.

Die Stärken des Buches liegen bei der aus­führ­li­chen Zu­stands­be­schrei­bung der über­grif­fi­gen Par­teien. Die vor­ge­schla­ge­nen Lö­sun­gen, um das Gleich­ge­wicht wie­der her­zu­stel­len, klin­gen uto­pisch. Aber um eine Polit­show wie jene in den USA zu ver­mei­den, nimmt man den uto­pi­schen An­spruch gerne in Kauf.

Posted by Wilfried Allé Sunday, January 4, 2026 5:43:00 PM Categories: Gesellschaft Sachbücher/Politik Wirtschaft/Politik
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