AZ-Neu

Die Informationsplattform für ArbeiterInnen, Angestellte, KMUs, EPUs und PensionistInnen

Wandern in Ostösterreich, Band 1 

35 der schönsten Touren vom Weinviertel bis zur Enns, von der Thaya bis zum Neusiedlersee

von Bernd Orfer

Verlag: Falter Verlag
EAN: 9783854394433
Reihe: Kultur für Genießer
Umfang: 200 Seiten mit ganz neuen Wanderungen
Erscheinungsdatum: 01.09.2010
Preis: € 19,90


Kenntnisreich, detailliert und mit hilfreichen Karten versehen gehört der neue Wanderführer von Wanderprofi Bernd Orfer in jeden Rucksack – und passt dort dank seines schlanken Formats, des geringen Gewichts und des mitnahmefreundlichen Softcovers auch bestens hinein.

Die höheren Gipfel gibt es zwar im Westen Österreichs, der Osten allerdings hat das abwechslungsreichere Wanderterrain und mit Bernd Orfer jenen Autor, der dieses auf das schönste und kompetenteste zu beschreiben weiß. In seinem Band „Wandern in Ostösterreich” finden sich 35 ganz neue Routen im Wienerwald und im Donautal, in den Vor- und Hochalpen, im Wein- und Waldviertel und im Burgenland.

Posted by Wilfried Allé Sunday, June 28, 2020 10:37:00 AM Categories: Kultur für Genießer
Rate this Content 0 Votes

Wandern in Ostösterreich, Band 2 

72 der schönsten Touren vom Neusiedlersee bis zum Kamp, vom Weinviertel bis zur Traun

von Bernd Orfer

Verlag: Falter Verlag
EAN: 9783854393832
Reihe: Kultur für Genießer
Umfang: 328 Seiten
Erscheinungsdatum: 05.04.2007
Preis: € 25,50


Seit mehr als 15 Jahren gibt Bernd Orfer jede Woche einen Wandertipp in der Tageszeitung Der Standard, vorher publizierte er über 700 Wandervorschläge in der AZ. Im Falter Verlag erschien 2004 der erste Band von „Wandern in Ostösterreich” mit 75 der schönsten Touren zwischen Enns und March, zwischen Thaya und Mürz.

Im 2. Band geht es durch das Tannenmoor im Waldviertel und zu den Reibsandlöchern in den Wienerwald, durch das Höllental der Rax und zu den Mammutbäumen des Dunkelsteinerwaldes, über Plateaus, entlang von Flussschlingen und zu grandiosen Steigen. Sie wandern zur „schlafenden Griechin”, entlang des „Mohnstrudelwegs”, zu Murmeltieren und Sternguckern und durchs „Paradies”, entlang von Hügelketten ebenso wie beiderseits des großen Stroms, entdecken romantische Wasserfälle oder erklimmen schroffe Gipfel.

Neben stimmigen Routenbeschreibungen, Besonderheiten, Kuriositäten und Geschichten gibt der Autor hilfreiche Tipps: genaue Angaben der Wegroute, der Gehzeit, der Höhendifferenz und des notwendigen Kartenmaterials sowie Informationen über Schutzhütten und Einkehrmöglichkeiten und anderes Empfehlenswertes am Wegesrand. Jeder Tour ist eine Karte mit eingezeichneter Route vorangestellt.

Posted by Wilfried Allé Sunday, June 28, 2020 10:30:00 AM Categories: Kultur für Genießer
Rate this Content 0 Votes

Wandern in Ostösterreich, Band 3 

35 Wanderungen von der March bis zur Mürz, vom Waldviertel bis ins Burgenland

von Bernd Orfer

Verlag: Falter Verlag
EAN: 9783854394686
Reihe: Kultur für Genießer
Umfang: 200 Seiten mit ganz neuen Wanderungen
Erscheinungsdatum: 02.04.2012
Preis: € 19,90

 

Der Wanderprofi Bernd Orfer beschreibt 35 Touren, vom wald­rei­chen Maria­zel­ler Land bis zu den sanf­ten Hü­geln des Wein­vier­tels, von den fel­si­gen Wän­den des Hoch­kars und der Rax bis in die Donau­auen öst­lich von Wien und in das Bur­gen­land. Für Leser, die mit Muße die Ge­gend er­kun­den und sich an der Land­schaft er­freuen wollen.

Das Buch „Wandern in Ost­öster­reich 3” glie­dert sich in die vier Kapi­tel „Wie­ner­wald und Donau­tal”, „Vor- und Hoch­alpen”, „Wald- und Wein­vier­tel” und „Öst­lich der Leitha”. Ne­ben der Be­schrei­bung der ein­zel­nen Rou­ten weist der Autor auch auf die Be­son­der­hei­ten der ver­schie­de­nen Ge­bie­te hin, er­zählt Ge­schich­ten und gibt hilf­rei­che Tipps.

Angaben zu Wegroute, Geh­zeit, Höhen­dif­fe­renz und des not­wend­i­gen Kar­ten­mate­rials so­wie In­for­ma­tionen über Schutz­hüt­ten und Ein­kehr­mög­lich­kei­ten er­gän­zen den Band. Zu­dem ist jeder Tour eine über­sicht­liche Kar­te mit der ein­ge­zeich­ne­ten Route voran­ge­stellt.

Rezension aus FALTER 31/2014

Wo der Gipfel ein Gupf ist

Landpartien (1): Die Rax ist Wiens Haus­berg. Sie ist wild wie die Dolo­mi­ten und be­lohnt den Gedul­di­gen durch roman­tische Auf­stiege

Es kann schon vor­kommen, dass man es nicht bis nach oben schafft. Etwa wenn die Son­ne be­reits in den Mor­gen­stun­den un­er­träg­lich heiß ist und der Steig sich in un­zäh­li­gen Ser­pen­tinen in die Höhe schlän­gelt, so­dass die Stim­me der Ver­nunft laut wird. Warum tust du dir das an? Zu­rück also hi­nun­ter ins Tal, wo das kal­te Bach­was­ser Ab­küh­lung ver­spricht. Dieses alpi­ne Mikro­drama spielte sich nicht auf ei­nem Tiro­ler 3000er ab, son­dern auf der Rax, 80 Auto­mi­nu­ten von Wien ent­fernt, am Sonn­tag vor­letz­ter Woche.
Als ich aus Süd­tirol zum Stu­dium in die Bun­des­haupt­stadt kam, mach­te ich mich über das lus­tig, was hier Berg heißt: Spit­tel­berg oder Künigl­berg. Als ich dann zum ers­ten Mal vom Höl­len­tal aus auf die Rax wan­derte, wurde ich eines Bes­se­ren be­lehrt. Die Kalk­fel­sen er­inner­ten an die Dolo­mi­ten, Eisen­lei­tern sorg­ten für geh­tech­ni­sche Ab­wechs­lung. Eine Grup­pe von Gäm­sen kraxel­te einen von blü­hen­den Alpen­ro­sen ge­säum­ten Schutt­kegel hinauf – die per­fekte Gebirgs­idylle.

Die Rax ist ein Berg­massiv an der Gren­ze zwi­schen Nieder­öster­reich und der Steier­mark. Man er­reicht sie auch recht gut mit öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln. Der Zug hält in der Sta­tion Payer­bach-Rei­chen­au, dann geht es mit dem Bus wei­ter. Am ein­fachs­ten kommt man von Hirsch­wang mit der Seil­bahn hi­nauf. Acht Minu­ten dauert die Seil­bahn­fahrt, von der Berg­sta­tion füh­ren zahl­reiche Wege durch die weit­läu­fige, von Latschen­kie­fern be­wach­sene Alm­land­schaft. In regel­mäßi­gen Ab­stän­den gibt es Berg­hüt­ten, wo der Wan­de­rer es­sen und auch über­nachten kann.
Die Rax ist kein Berg wie aus dem Bilder­buch. Der Gipfel ist keine Spitze, son­dern ein Gupf, die auf 2007 Me­tern ge­le­gene Heu­kuppe am süd­west­li­chen Rand des Mas­sivs. Oben war­tet auch kein Kreuz wie auf dem Öl­berg in Jeru­sa­lem, dieser Ur­szene al­ler leid­vol­len Auf­stiege, son­dern ein stei­ner­nes Häuschen.
Gipfelstürmer, die ein mecha­ni­sches Rauf-Run­ter ge­wohnt sind, sind hier fehl am Platz. Das wahre Ge­heim­nis der Rax bleibt auch jenen ver­bor­gen, die die Diret­tis­sima mit der Seil­bahn wäh­len. Die­ser Berg braucht Ge­duld, er­schließt sich nur je­nen, die ei­nen der viel­en Wege aus dem Tal in die Höhe wäh­len. Nicht der Gip­fel ist das Ziel, son­dern die un­zäh­li­gen Vari­anten des Auf­stiegs – und die land­schaft­lich reiz­vol­len Querun­gen auf dem Hoch­plateau.
Ein wichtiger Ausgangs­punkt ist das Prei­ner Gscheid (1070 m), eine Bus­halte­stel­le am süd­li­chen Rand des Berg­massivs. Von hier bre­chen jene auf, die schnur­stracks auf die Heu­kuppe wol­len. Zur Aus­wahl ste­hen ein­fache Wege wie der Reiß­taler­steig oder Klet­ter­steige, die auch für An­fän­ger mit ent­spre­chen­der Aus­rüs­tung kein Prob­lem sind.
Der bekannteste Klet­ter­steig, den man vom Prei­ner Gscheid aus er­reicht, ist der Haid­steig. Er führt nicht zur Heu­kup­pe hinauf, son­dern bis zum Gip­fel der ein­drucks­voll in die Höhe ragen­den Prei­ner Wand (1783 m). Er hat eini­ge schöne Pas­sagen, in denen die Berg­stei­gerin ein Ge­fühl für die Ei­gen­hei­ten eines Klet­ter­steigs bekommt.
Klettersteiggehen ist wie Leiter­stei­gen mit Reiß­leine. Man zieht einen Gurt an, an dem ein kur­zes Siche­rungs­seil hängt. An den ex­po­nier­ten Stel­len gibt es Lei­tern oder Stahl­klam­mern, über die der Wan­de­rer hinauf­steigt. Parallel da­zu sind Stahl­seile be­fes­tigt, in die die Ge­herin die bei­den am Siche­rungs­seil be­fes­tig­ten Kara­biner ein­hakt. Wenn sie aus­rutscht, fällt sie nicht tief; der Sitz­gurt stoppt den Sturz. Für Nicht­klet­te­rer ist das die ein­zige Mög­lich­keit, sich in hun­derte Me­ter tiefe Fels­ab­stürze wie die Prei­ner Wand hinein­zuwagen.
Der Haid-Steig ver­eint auf 400 Höhen­me­tern alles, was den Reiz des Klet­ter­stei­gens aus­macht: Wand­que­rungen, lange Lei­tern und so­gar einen Ka­min, bei dem man Trit­te und Grif­fe im Fel­sen su­chen muss. Beim Blick in die Tiefe kann einem schon schwind­lig werden, aber man weiß ja, der Gurt hält.
Meine Lieblings­tour auf die Rax ist der Törl­weg, der in Ed­lach, eini­ge Bus­sta­tio­nen vor dem Prei­ner Gscheid, an­fängt und zum Erz­her­zog-Otto-Schutz­haus, kurz: "Otto-Haus", führt. Man hat hier einen schö­nen Aus­blick auf den ge­gen­über­lie­gen­den Schnee­berg und hinun­ter in das Tal von Prein. Die Wan­dern­den queren blü­hende Wie­sen, fin­den Him­beer­stau­den; die Lärchen spen­den Schat­ten bis fast ganz hi­nauf. Und im spä­ten Au­gust blü­hen ganz oben auch noch die Edelweiß.
Den Törlweg gab es be­reits, be­vor 1925 die Rax-Seil­bahn ge­baut wurde. Es war der di­rekte Weg hi­nauf zu dem 1893 er­öffne­ten Otto-Haus (1644 m). Wer mit dem Auto unter­wegs ist, kann sich den ers­ten Ab­schnitt spa­ren und bei der Pen­sion Knap­pen­hof (769 m) par­ken, die vor kur­zem vom Indus­triel­len Hans Peter Hasel­steiner her­ge­rich­tet wurde. Gäste mit An­zei­chen von Burn­out fin­den hier einen Rück­zugs­ort.

Der Name Törlweg geht auf ein natür­li­ches Fels­tor am Ende des Auf­stiegs zu­rück. Hier be­gin­nen die Alm­wie­sen, zum Otto-Haus ist es dann nicht mehr weit. Auf dem Schutz­haus ist eine Ta­fel be­fes­tigt, die an den Psycho­analy­tiker Sig­mund Freud er­innert. Freud ging den Törl­weg von seinem Som­mer­frische­haus in Reichen­au drei­mal die Wo­che herauf. Es hat sich gelohnt.
Denn im Sommer 1893 wandte sich die Schwes­ter des Wirts und Rax-Pio­niers Camil­lo Kro­nich, Aure­lia Kro­nich, an den Gast. "Ist der Herr ein Dok­tor?", fragte sie und er­zählte ihm von ihren Ängs­ten. Wie passte die "ver­grämte Miene" zu die­sem "großen und kräf­tigen Mäd­chen", fragte sich der Wie­ner Arzt. So be­gann im Otto-Haus eine der ers­ten Psycho­analy­sen über­haupt.
"Es interessierte mich, dass Neurosen in der Höhe von über 2000 Metern so wohl gedeihen sollten", sollte Sigmund Freud später notieren. Er publizierte die Analyse von Aurelia unter dem Titel "Der Fall Katha­rina" in sei­nen frü­hen, ge­mein­sam mit Josef Breuer heraus­ge­geben "Stu­dien über Hys­terie" (1895).
Das Wandern war neben der Zi­gar­re und dem Schwam­merl­su­chen eine Leiden­schaft des Psychia­ters. Hängt das damit zu­sam­men, dass die Psycho­analy­se der Ethik des Rax-Wan­derns ver­wandt ist? Hier wie dort war­tet am Ende des Lei­dens­wegs kein helden­haf­ter Gipfel, son­dern eine un­schein­bare Kup­pe – Sinn­bild einer wohl­dosier­ten Aus­schüt­tung des Hor­mons Sero­tonin.
Pubertierende Men­schen has­sen es, auf den Berg zu ge­hen, weil sie sich ge­gen den von den El­tern aus­ge­ge­benen Be­fehl "weiter" sträu­ben. Die augen­blick­liche Ein­heit zwi­schen Ich und Welt, wie sie in den Bei­pack­zet­teln der roman­ti­schen Liebe und der chemi­schen Dro­ge be­schrie­ben wird, er­scheint ihnen er­strebens­wer­ter als eine Selbst­er­fah­rung mit wun­den Füßen. Dreimal die Woche durch das Törl, und man weiß, dass das Stre­ben nach Glück vom rich­ti­gen Schuh­werk abhängt.
Wer die Rax von der süd­li­chen Seite aus be­sucht, stößt über­all auf Spu­ren der Zeit um 1900. Ein Groß­teil der Klet­ter­steige und Schutz­hüt­ten geht auf diese Pio­nier­tage des Alpi­nis­mus zu­rück, und eine Berg­tour kann dann im eben­falls shabby chicen Strand­bad Ed­lach en­den, das nur im Juli und Au­gust ge­öffnet ist und von fri­schem Quell­was­ser ge­speist wird. Die für ein Frei­bad obli­ga­to­ri­schen Pom­mes wer­den in einem klas­si­zis­ti­schen Pavil­lon gereicht.

Der letzte Ausflug führt den Raxisten auf die Rück­seite des Mas­sivs. An be­son­ders heißen Som­mer­tagen be­steht hier die Chance, der Sonne und den Men­schen­mas­sen zu ent­kom­men, die auf den Haupt­we­gen unter­wegs sind. Seil­bahn­fah­ren heißt an sol­chen Ta­gen vor al­lem war­ten. Zei­tig am Mor­gen fährt ein ein­zi­ger Bus von Payer­bach-Reichen­au nach Hinter­nass­wald. Wer es gemüt­lich an­geht, kann in dem aus­ge­zeich­ne­ten Wirts­haus Rax­könig über­nach­ten, wo sich alles, was dann auf dem Tel­ler lan­det, in Sicht­weite des Gast­gartens grast.
Die Besiedelung der Gegend geht auf den Holz­händ­ler Georg Hubmer (1755-1833) zu­rück, der Tun­nels und Kanäle baute, um die Baum­stämme durch das un­weg­same Ge­lände in die Ebene hi­naus zu trif­ten. Hubmer war Pro­tes­tant und er­rich­tete 1826 in Nass­wald ein evan­ge­li­sches Schul- und Bet­haus, das man noch heute be­sich­ti­gen kann.
Hinternasswald (712 m) ist etwa drei Kilo­meter von Nass­wald ent­fernt. Zu­erst geht man ziem­lich lang den Reiß­bach ent­lang. Am Ende des Reiß­tals zwei­gen gleich mehrere Steige hi­nauf auf das Rax-Plateau ab. Wir wäh­len den leich­ten Klet­ter­steig der Wild­fährte, weil er bis Mit­tag im Schat­ten liegt. Durch ein Geröll­feld, Rin­nen und Wandln geht es hi­nauf, die ge­gen­über­lie­gende Schnee­alpe ist stets im Blick.
Ist das noch Wandern oder bereits Berg­stei­gen? Eine brauch­bare Defi­ni­tion be­sagt, dass das Berg­stei­gen da be­ginnt, wo die ma­schi­nel­le Mobi­li­tät auf­hört. Der Berg­stei­ger fährt so weit hi­nauf wie mög­lich, wäh­rend der Wan­derer sich mit den mitt­le­ren We­gen zu­frie­den­gibt.
Eine andere Er­klä­rung lau­tet: Die Berg­stei­gerin schweigt, der Wan­derer redet. "Hast du die Flie­gen­rag­wurz ge­sehen?", heißt es etwa beim Gang durch das Reiß­tal. Und: "Schau mal, der Bussard!" Wan­dernd er­zählt man sich vom Bau der Wie­ner Hoch­quellen­lei­tung, die die Groß­stadt mit Was­ser aus die­ser Ge­gend ver­sorgt. Man bleibt ste­hen, um Erd­beeren und Schwarz­beeren zu pflücken, lauter un­nötige Ab­len­kungen für die ziel­stre­bige Berg­steigerin.
Der Wanderer freut sich schon, wenn er beim Auf­stieg durch die Wild­fährte ge­las­sen bleibt. Der Blick kon­zen­triert sich auf das Nahe­lie­gende, die glit­schige Wur­zel, die lo­sen Steine. Wo setze ich meinen Schuh hin, wie kann ich mein Ge­wicht aus­balan­cieren? So wird je­der Schritt zu einer Übung, die irgend­wann mit einem war­men Ge­fühl von Souveräni­tät be­lohnt wird. Geschafft!
Oben auf der Raxalpe geht dann ein ein­facher Weg durch – jetzt noch! – blü­hende Wie­sen, an der Heu­kup­pe vor­bei, hinüber zum Karl-Ludwig-Haus (1804 m) und hinun­ter zum Prei­ner Gscheid, wo mehr­mals am Tag ein Bus hält.
Da hat der Ausflügler eine wunder­bare Ver­wand­lung er­lebt. Es kommt ihm vor, als habe er die Groß­stadt vor lan­ger, lan­ger Zeit ver­lassen.

Matthias Dusini in FALTER 31/2014 vom 01.08.2014 (S. 33)

Posted by Wilfried Allé Sunday, June 28, 2020 10:11:00 AM Categories: Kultur für Genießer
Rate this Content 0 Votes

Volksaufstand und Katzenjammer 

Zur Geschichte des Populismus

von Kolja Möller

Verlag: Wagenbach, K
Format: Taschenbuch
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
Umfang: 160 Seiten
Erscheinungsdatum: 12.03.2020
Preis: € 18,50

 

Kurzbeschreibung des Verlags:

Schon Niccolò Machiavelli, Friedrich Schiller, Richard Wagner, Friedrich Engels und Karl Marx haben die Probleme von populistischen Bewegungen nachgezeichnet. Kolja Möller nutzt die historischen Erkenntnisse für eine Gegenwartsanalyse, die zeigt, wie der Populismus als Politikform funktioniert: Was ist unter »Populismus« zu verstehen? Wie schwankt der Appell ans Volk zwischen demokratischer und autoritärer Politik? In welchem Verhältnis steht der Populismus zur Verfassungsordnung, und welche Kommunikationstechniken wenden rechtspopulistische Bewegungen heute an? Das Buch skizziert die Hoffnung, dass ein guter Aufstand, der sich an den Widersprüchen unserer Zeit – wie Klimawandel und Globalisierung – orientiert, die autoritäre Welle noch einholen könnte. Kolja Möller forscht am Zentrum für europäische Rechtspolitik der Universität Bremen zur Verfassungs- und Staatslehre sowie zur politischen Theorie und Soziologie. Zuvor arbeitete er unter anderem am Exzellenzcluster ››Normative Ordnungen‹‹ der Universität Frankfurt, war Research Fellow an der Universität Brasilia und der University of New South Wales in Sydney. Bei Wagenbach außerdem lieferbar: »Globale soziale Rechte«, gemeinsam mit Andreas Fischer-Lescano.

Posted by Wilfried Allé Wednesday, June 17, 2020 8:03:00 AM Categories: Gesellschaft Sachbücher/Politik Wirtschaft
Rate this Content 0 Votes

Die Verteilungsfrage 

Von Reichtum, Krisen und Ablenkungsmanövern

ISBN: 978-3-99046-209-6
Verlag: ÖGB-Verlag
Format: Buch + E-Book
Genre: Gesellschaft, Sachbücher, Wirtschaft/Gesellschaft, Verteilungsfrage
Umfang: 136 Seiten
Erscheinungsdatum: 10.05.2016
Preis: € 14,90

 

Produktbeschreibung

Kopfschüttelnd werden wir Zeugen, wie das reichste Promille den Rest der Menschheit immer weiter abhängt. Der Abstand zwischen dem reichsten Promille der Menschen und der Mitte der Bevölkerung erinnert an die Gesellschaft zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Auch in Österreich, wie neue Daten zeigen. Wie kommt es zu dieser dramatischen Entwicklung? Was heißt das für die Mittelschicht und was für jene am unteren Ende der Armutsskala? Wer sind eigentlich die „Reichen“ und wie kommen sie zu ihrem Vermögen? Und vor allem: Wie werden diese Ungerechtigkeiten im täglichen Diskurs so gerechtfertigt, dass sie uns allen recht normal erscheinen? Die Autorinnen und Autoren dieses Buches liefern brandaktuelle Antworten auf die Mutter aller gesellschaftspolitischen Fragen: die Verteilungsfrage.

Das Besondere daran: Das vorliegende Werk setzt sich aus Blog-Artikeln zusammen. Alle Beiträge sind ursprünglich auf blog.arbeit-wirtschaft.at erschienen. Dort ergänzen Expertinnen und Experten das politische Tagesgeschehen täglich mit Hintergründen und empirisch belegten Kommentaren, die einen erweiterten Blick auf aktuelle Debatten erlauben.

Das Buch steht hier gratis zum Download zur Verfügung:
www.blog.arbeit-wirtschaft.at/ebook

Posted by Wilfried Allé Tuesday, June 9, 2020 10:27:00 PM Categories: Gesellschaft Sachbücher Verteilungsfrage Wirtschaft/Gesellschaft
Rate this Content 3 Votes

Kind in Wien 

Ein Stadtführer für alle, die in Wien mit Kindern zu tun haben

Das Servicehandbuch informiert unter anderem über das Angebot an Kultur-, Freizeit- und Sportaktivitäten für Kinder in Wien – von Puppenbühnen über Museen und Sportstätten bis hin zu Sprachkursen für Kinder – sowie über Ausflugsziele in Niederösterreich und im Burgenland. 

Unentbehrlich für alle Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel, Pädagoginnen und Pädagogen: Der Klassiker „Kind in Wien” liefert über 1000 Adressen, Tipps und konkrete Informationen, die das Leben von und mit Kindern in Wien schöner, abwechslungsreicher und einfacher machen.

EAN: 9783854396680
Verlag: Falter Verlag
Format: Taschenbuch
Genre: Ratgeber/Lebenshilfe, Alltag/Adressbücher, Telefonbücher, Kursbücher, Einkaufsführer
Umfang: 592 Seiten, 35. Auflage
Erscheinungsdatum: 30.05.2020
Preis: € 16,50
Reihe: Kleine Schlaue

 

Ein Stadtführer für alle, die in Wien mit Kindern zu tun haben

Das Servicehandbuch liefert über 1000 Adressen und Tipps:

  • Ferienaufenthalte: mit und ohne elterliche Begleitung
  • Kinderfeste: Locations, Angebote
  • Kinderbetreuung und Spielgruppen: Kindergruppen, -krippen und -gärten, Babysitter etc.
  • Schulen: Privatschulen, Alternativschulen, Schulprojekte, Lernhilfen
  • In Krisenfällen: Unterstützung und Beratung für Kinder und Eltern
  • Krankes Kind: Notfalladressen, Diagnostik, Therapie
  • Essen mit Kindern: eine Auswahl an kinderfreundlichen Lokalen in der Stadt
  • Einkaufen mit Kindern und für Kinder: Kleidung, Secondhandshops, Spielzeug, Bücher u.v.m.

 

Pressetext

Der unentbehrlich Klassiker für Eltern, Großeltern, Tanten, Onkeln, Pädagoginnen und Pädagogen. „Kind in Wien“ liefert über 1000 Adressen, Tipps und konkrete Informationen, die das Leben von und mit Kindern in Wien abwechslungsreicher und einfacher machen.

Das Servicehandbuch informiert unter anderem über das umfangreiche Angebot an Kultur-, Freizeit- und Sportaktivitäten für Kinder in Wien – vom Kindertheater in der Stadt bis zum Ausflugsziel im Grünen, vom Wildbadeplatz bis zum passenden Ort für die Kindergeburtstagsparty.

Weiters finden sich in „Kind in Wien“ Anregungen, Adressen, Telefonnummern und Öffnungszeiten zu den Themen:
▪ Kinderbetreuung: Babysitter, Tagesmütter, Kindergruppen, -krippen und -gärten
▪ Schulen: Privatschulen, Alternativschulen, Schulprojekte, Lernhilfe
▪ In Krisenfällen: Unterstützung und Beratung für Kinder und Eltern
▪ Krankes Kind: Notfalladressen, Diagnostik, Therapie
▪ Einkaufen für Kinder: Spielzeug, Kleidung, Kinderwägen, Secondhandshops
▪ Essen mit Kindern: Kinderfreundliche Restaurants und Lokale

Pressekontakt:
Susanne Schwameis
T: 01/536 60-938
E: schwameis@falter.at

Posted by Wilfried Allé Saturday, June 6, 2020 8:44:00 PM Categories: Alltag/Adressbücher Einkaufsführer Kursbücher Ratgeber/Lebenshilfe Telefonbücher
Rate this Content 0 Votes

Inside Fridays for Future 

Die faszinierende Geschichte der Klimabewegung in Österreich

von Benedikt Narodoslawsky

EAN: 9783854396666
Verlag: Falter Verlag
Format: Taschenbuch
Genre: Fachbücher
Umfang: 240 Seiten
Erscheinungsdatum: 09.03.2020
Preis: € 24,90

 

Kurzbeschreibung des Verlags:

„Die Klimakrise zählt zu den größten Herausforderungen der Menschheit, dieser Konsens erstreckt sich vom UN-Generalsekretär über den Papst bis hin zum Weltwirtschaftsforum. Jede Woche gehen Tausende von Schüler*innen auf die Straße. Ihr Leitspruch lautet: „Fridays for Future“.

Die Fridays-for-Future-Bewegung hat global wie auch hierzulande binnen eines Jahres eine historische Dimension bekommen und das Klima-Thema zu einer politischen Top-Priorität gemacht. Das Buch ist gleichzeitig „Erklärstück“ und Standardwerk über die Bewegung in Österreich. Es bringt den Leser*innen die Thematik näher und gibt Hilfestellung, die politische Dynamik der Bewegung und die Klimakrise im Allgemeinen besser zu verstehen.

 

Rezension aus FALTER 11/2020

Die Revolution

Vor einem Jahr wurden Fridays for Future zum politischen Faktor in Österreich. Die unglaubliche Geschichte einer Jugendbewegung

Dezember 2018. Österreichs heißestes Jahr der Messgeschichte geht zu Ende. Die klimaschädlichen Gase sind auf ein Rekordhoch gestiegen. Österreichs Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) leugnet in einem Interview den menschengemachten Klimawandel. Österreichs Umweltpartei – die Grünen – ist politisch am Boden.

Seit drei Jahrzehnten liegt das Land im klimapolitischen Koma, trotz immer besserer Technologie werden hierzulande so viele Tonnen an Treibhausgasen wie 1990 in die Luft geblasen. Dabei werden die wissenschaftlichen Vorhersagen immer dramatischer: Die Klimakrise gilt als eine der größten Bedrohungen der Erde, sie wird zur Überflutung bevölkerungsreicher Küsten führen, Dürre- und Hungerwellen auslösen, Pflanzen- und Tierarten auslöschen, hunderttausende Hitzetote fordern und Millionen Menschen zu Flüchtlingen machen. Doch Staatenlenker aus aller Welt setzen im polnischen Katowice gerade die nächste UN-Klimakonferenz in den Sand.

Es scheint in diesem Dezember 2018 alles so zu sein wie immer. Bis auf eine Kleinigkeit. Während der Klimakonferenz in Katowice tritt ein Mädchen ans Rednerpult, das schon einiges hinter sich hat: von Klassenkameraden ausgegrenzt, gemobbt und geschlagen, Depression, Essstörungen. Greta Thunberg, 15 Jahre alt, Asperger-Syndrom, hat den aktuellen Stand der Wissenschaft zur Klimakrise studiert und unerträgliche Angst vor dem Weltuntergang bekommen. Die Schwedin ist unscheinbar, aber hinter dem Mikrofon in Katowice entfaltet sie eine Urgewalt, die bald Europa erschüttern wird.

„Wir sind nicht hergekommen, um die Regierungschefs der Welt zu bitten, dass sie sich kümmern. Sie haben uns in der Vergangenheit ignoriert und werden uns wieder ignorieren“, sagt sie. „Ihnen gehen die Entschuldigungen aus, und uns geht die Zeit aus. Wir sind hergekommen, um Sie wissen zu lassen, dass der Wandel kommt, ob ihnen das gefällt oder nicht.“ Ein Mädchen liest den Mächtigen die Leviten. Das Video ihrer Rede verbreitet sich viral.

Ein Jahr später. Dezember 2019. In wenigen Tagen endet Österreichs innenpolitisch heißestes Jahr der jüngsten Geschichte. Die FPÖ liegt politisch am Boden, die Partei hat sich mit dem Ibiza-Skandal aus der Regierung gesprengt und Neuwahlen ausgelöst. Die Grünen sind aus dieser Wahl so stark wie nie zuvor hervorgegangen, sie verhandeln gerade mit der ÖVP das Klimakapitel für ein neues Koalitionsprogramm.

Eine Woche nach dem Jahreswechsel gelobt Bundespräsident Alexander Van der Bellen die türkis-grüne Bundesregierung an – zum ersten Mal in der Geschichte des Landes sitzen die Ökos an den Schalthebeln der Macht. Bis 2040 soll Österreich klimaneutral werden. Gelingt das, wird Österreich in Sachen Klimaschutz vom Sorgenkind zum Musterschüler in Europa.

Es scheint, als hätte eine unsichtbare Macht die Republik an den Beinen gepackt, durchgerüttelt und auf den Kopf gestellt. Was ist da passiert?

Blicken wir noch einmal zurück, in den Dezember 2018. Nicht nur Thunberg ist ins Tagungszentrum von Katowice zur UN-Klimakonferenz gekommen, auch drei österreichische Studierende sind angereist, um dort etwas gegen die Klimakrise zu unternehmen. Sie treffen dort Thunberg, die mit ihrem Schild „Skolstrejk för klimatet“ auf dem Gang sitzt. Nur wenige Tage nachdem die Schwedin ihre Rede bei der Klimakonferenz gehalten hat, gehen die drei Studierenden mit selbstgebastelten Schildern in Wien auf die Straße. Sie haben sich Thunbergs Schulstreik fürs Klima angeschlossen, obwohl sie selbst längst nicht mehr zur Schule gehen.

Die neu gegründete Bewegung Fridays for Future Vienna ist in einem Wiener Café eher spontan entstanden und besteht zu diesem Zeitpunkt im Wesentlichen aus einer Facebook- und einer Instagram-Seite. Die erste Fridays-Demo in Österreich am 21. Dezember 2018 auf dem Wiener Heldenplatz dauert sechs Stunden, aber zu keinem Zeitpunkt werden gleichzeitig mehr als 50 Demonstranten zu sehen sein. Das sieht nicht so aus, als ob hier gerade Geschichte geschrieben würde, sondern eher wie zwei Maturaklassen, die sich dazu entschlossen haben, heute ein bisschen Lärm zu schlagen.

Genau daraus entwickelt sich binnen weniger Wochen eine Massenbewegung, die Österreichs politische und mediale Landschaft verändern wird. Von Wien schwappt die Protestwelle in die Landeshauptstädte, zunächst nach Innsbruck, dann Linz, dann Salzburg und Graz. Bis auf eine große Veranstaltung in der Steiermark bleiben die Demonstrationen bis Anfang März 2019 allesamt nahezu unter der Wahrnehmungsschwelle. Obwohl Greta Thunberg und Fridays for Future immer berühmter werden, kommen zu den Demos in Österreich nur einige Menschen. Wenn es sehr gut läuft, über 100.

Und dann macht es bumm. 15. März 2019, der erste globale Klimastreik. Rund 1,6 Millionen Menschen demonstrieren an diesem Tag auf der Welt für mehr Klimaschutz. Allein in Wien sind es – je nach Zählung – zwischen 10.500 und 30.000. Es ist die größte Klimakundgebung, die die Repu­blik bis dahin gesehen hat.

Der 15. März 2019 ist der D-Day der jungen Bewegung, er macht sie über Nacht zum innenpolitischen Faktor. Die Klimaschützer bekommen Audienzen beim Bundespräsidenten, beim Bildungsminister und bei der Umweltministerin. Mit dem Gewicht kommen die ersten Unstimmigkeiten innerhalb der einzelnen Fridays-Ortsgruppen in Österreich. Sie beginnen, sich zu vernetzen und gemeinsam das Land zu verändern. Und sie tun das gleich mehrfach.

Da ist zum Beispiel die Wissenschaftscommunity. Jahrzehntelang sprachen die Forscher zurückhaltend und leise über die zunehmend alarmierenderen Erkenntnisse zur Klimakrise. Im Jahr der Fridays verlassen sie ihren Elfenbeinturm. Als Politiker der jungen Klimabewegung die Kompetenz in Klimafragen absprechen, reicht es den Wissenschaftlern. Sie beschließen anlässlich des ersten globalen Streiks Mitte März, gemeinsam ein starkes Zeichen zu setzen und der jungen Klimabewegung den Rücken zu stärken. Sie gründen – angelehnt an den Namen der Klimabewegung – die Scientists for Future und erklären öffentlich, dass die Jugendlichen mit ihrer Kritik an der Politik recht haben. Mehr als 26.800 Wissenschaftler im deutschsprachigen Raum schließen sich Scientists for Future an.

Die Dynamik entwickelt eine derartige Wucht, dass manche von ihnen in Österreich sogar Wahlwerbung für die Grünen machen. Der Klimaforscher Gottfried Kirchengast, der als einziger Wissenschaftler im Nationalen Klimaschutzkomitee sitzt, macht hingegen genau das Gegenteil von Wahlwerbung. Er kanzelt ÖVP-Chef Sebastian Kurz öffentlich ab. Kurz sei „nicht staatsmännisch“, das Klimaschutzprogramm der ÖVP eine „ziemlich dreiste Irreführung der Bevölkerung“. Das sind völlig neue Töne aus den Universitäten. Das zivilgesellschaftliche Engagement der Wissenschaftler habe „durch Fridays for Future eine enorme Blüte erlebt“, sagt Kirchengast rückblickend, „das war eine Formung in der Community“.

Mit Großdemonstrationen machen die Fridays die Klimakrise im Wahljahr zum bestimmenden Thema in den Medien. Die Aufmerksamkeitsexplosion veranschaulichen folgende Zahlen, die zeigen, wie oft die Nachrichtenagentur APA und die zehn größten österreichischen Tageszeitungen insgesamt über das Thema Klimawandel berichtet haben:

Im Jahr 2017: 5202 Artikel.

Im Jahr 2018: 5721 Artikel.

Im Jahr 2019: 14.323 Artikel.

„Es sind irre Zugriffszahlen, die sich da entwickelt haben“, sagt Standard-Redakteurin Nora Laufer, die regelmäßig über Klimathemen berichtet, „das können wir genau nachverfolgen. Ich schreibe die gleichen Klimageschichten wie vor zwei Jahren, aber auf einmal lesen das um ein Vielfaches mehr Leute.“

International schließen sich 250 Medien zur Klimajournalismus-Initiative „Covering Climate Now“ zusammen. Auch hierzulande setzt es Schwerpunkt um Schwerpunkt. Der ORF erschafft etwa den „Klima-Tag“ und sendet zehn Stunden Programm zum Klimawandel, die Kronen Zeitung startet die Kampagne „Klimakrise“ und ändert ihre Sprache. „Die Formulierung ,Klimawandel‘ wird man in der Krone in der Regel jetzt nicht mehr finden“, sagt Krone-Chefredakteur Klaus Herrmann, „wir sehen das als Klimakrise oder Klimaschock.“ Österreichs bekannteste Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb bekommt eine eigene Krone-Kolumne – und das ist ihre Idee. „Es war uns irgendwie klar, dass wir an die Menschen herankommen müssen, an die wir sonst nie herankommen“, sagt die Klimaforscherin, „denn die kommen nicht zu unseren Vorträgen.“

Zwei Tage vor der Nationalratswahl 2019 geht die bislang größte Machtdemonstration der Klimabewegung über die Bühne. Je nach Zählung bringen die Fridays mit ihren Allianzpartnern beim Earth Strike zwischen 70.000 und 150.000 Menschen in Österreich auf die Straße. Am 28. September 2019 – also einen Tag vor der Wahl – füllen die Bilder der Massenkundgebung die Titelseiten quer durch die Zeitungslandschaft.

Die Nationalratswahl einen Tag später wird zur Klimawahl. Die Wahlbefragung zeigt: Über kein Thema haben die Menschen mehr gesprochen als über Umwelt- und Klimaschutz. „Es wäre ja nicht so gewesen, dass dieser Wahlkampf nicht ein Thema gehabt hätte: Ibiza, die Parteifinanzen, die Spesendebatte um Strache – das war durchaus ein starkes Konkurrenzthema“, sagt der Politikexperte Christoph Hofinger vom Sora-Institut, „aber Umwelt- und Klimaschutz sind im Verlauf des Sommers über die anderen Themen hinausgewachsen.“

Noch am Wahlabend des 29. September stellt ein ORF-Journalist dem grünen Spitzenkandidaten Werner Kogler folgende Frage: „War das eigentlich Ihr Sieg, oder ist das auch ein bisschen der von Greta Thunberg?“ Kogler, der drei Monate später als erster grüner Vizekanzler der Republik angelobt wird, antwortet: „Es war jedenfalls ein ,Sunday for Future‘.“

Benedikt Narodoslawsky in FALTER 11/2020 vom 13.03.2020 (S. 22)

Posted by Wilfried Allé Saturday, June 6, 2020 2:34:00 PM Categories: Fachbücher
Rate this Content 0 Votes

Das Glücksdiktat 

Und wie es unser Leben beherrscht

von Edgar Cabanas, Eva Illouz

Übersetzung: Michael Adrian
Verlag: Suhrkamp
Format: Taschenbuch
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Gesellschaft
Umfang: 242 Seiten
Erscheinungsdatum: 27.10.2019
Preis: € 15,50

 

Kurzbeschreibung des Verlags:

Glück lässt sich lernen. Das will uns die boomende Glücksindustrie weismachen. Und so explodiert seit den neunziger Jahren die Zahl der Glücksseminare, Glücksratgeber und Happiness-Indizes. Heute liegt es an uns selbst, negative Gefühle zu blockieren, uns selbst zu optimieren und Achtsamkeit zu praktizieren. Dann – so das Heilsversprechen – kommt auch das Glück. Doch was bedeutet es für unsere Gesellschaft, wenn der Staat sich zunehmend nicht mehr für soziale Gerechtigkeit oder ein funktionierendes Gesundheitssystem zuständig fühlt und den Bürgerinnen und Bürgern einer ultra-individualistischen Gesellschaft die gesamte Verantwortung für das eigene Schicksal übertragen wird?Die israelische Soziologin Eva Illouz und der spanische Psychologe Edgar Cabanas beschreiben in ihrem scharfsinnigen Essay erstmals das gefährliche Potential, das sich hinter der millionenschweren Glücksindustrie verbirgt – und zeigen auf, wer die Nutznießer und wer die Verlierer dieses vermeintlich positiven Trends sind. Edgar Cabanas ist Professor für Psychologie an der Camilo-José-Cela-Universität in Madrid und assoziierter Wissenschaftler am Zentrum für Geschichte der Gefühle des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin. Eva Illouz, geboren 1961, ist Professorin für Soziologie an der Hebräischen Universität von Jerusalem sowie Studiendirektorin am Centre européen de sociologie et de science politique, CSE-EHESS in Paris.

 

Rezension von Stephanie Metzger

Jeder ist seines Glückes Schmied: Dieses Sprichwort hat derzeit Hochkonjunktur. Glück ist eine Art Lifestyle geworden, wer keins hat, ist selbst Schuld. In "Das Glücksdiktat" zeigen Eva Illouz und Edgar Cabanas, wie verhängnisvoll dieses Ideen sind.

Es gibt sie, die Formel für das Glück: Glück = V + L + W. Aufgestellt hat sie Martin Seligman, Chefalchimist der sogenannten "Positiven Psychologie". Die Ingredienzien: vererbtes Glückspotential, Lebensumstände und der Willen zum Glück. Gemischt im prozentualen Verhältnis von 50 zu 10 zu 40 wird Glück in dieser Formel zu einer ziemlich individuellen Sache, die wir herstellen können – und die nur wenig von sozialen Umständen abhängt.

Die Message: Glück ist steuerbar

Eine echte Glücks-Verheißung, diese Glücksformel, könnte man meinen. Und in Zeiten analoger, viel lieber aber noch digitaler Selbstdarstellung und Selbstoptimierung der Baustein für ein gelungenes Leben. Denn, so die Diagnose von Eva Illouz und Edgar Cabanas in ihrem Buch "Das Glücksdiktat": Wir alle wollen oder besser sollen heute vor allem eines: glücklich sein! Oder mit anderen Worten: narzisstische Konsumenten. "Glück ist zu einer Art Lifestyle geworden," erklärt Edgar Cabanas, "individualistisch, konsumorientiert und uns immer auf unser Innenleben zurückwerfend. Permanent sollen wir auf unsere Gefühle, Gedanken, Empfindungen usw. hören. Das ist auch eine sehr konservative Idee, die sagt, man kann sein Leben einfach dadurch ändern, dass man sich selbst ändert und nicht die Verhältnisse".

"Glücksdiktat" nennen der spanische Psychologe Cabanas und die israelische Soziologin Illouz den Motor hinter einem Lifestyle, der die Kategorie "Glück" zu seinem obersten Prinzip erklärt. Sie zeichnen nach, wie sich die Positive Psychologie seit den 1990er-Jahren mit ihren Lehren von Selbstwirksamkeit, Achtsamkeit und der Transformation negativer Gefühle im akademischen Feld etablieren konnte. Und wie sie zugleich im Verbund mit Glücksforschung und Glücksökonomie Glück zu einer steuerbaren, berechenbaren und vor allem verkäuflichen Variablen formte. Ein Prozess, methodisch gestützt von Stimmungsanalysen und digitaler Selbstvermessung, bildgebenden Verfahren in der Hirnforschung und Big Data. Erst so konnte Glück überhaupt zum messbaren Gegenstand einer ganzen Industrie werden.

Das Geschäft mit dem Glück

Glück bestimmt den Markt und wird ein Mitspieler der Macht, so Edgar Cabanas: "Glück ist tief verstrickt in die Strukturen der Macht. Es wird zum Argument in Entscheidungsprozessen, etwa im Unternehmensmanagement. Dann soll Glück dafür stehen, was gut für uns ist, was gesund ist, was uns zum Erfolg bringt. Mit Glück wird aber auch Ungerechtigkeit gerechtfertigt. Und es wird zum Schlüsselbegriff bei der Lösung komplexer politischer Probleme, die aber eben nicht nur dadurch gelöst werden können, dass man sich auf das Wohlergehen oder die Gefühlslage der Bevölkerung beruft."

Wenn Glück höchst individualistisch aufgefasst, als solches aber zugleich zum Index des gesellschaftlichen Gemeinwohls erklärt wird, ist Sozialabbau leicht zu rechtfertigen. Wenn Entlassungen zur Chance in der persönlichen Entwicklung und diese wiederum zur Voraussetzung von Glück mutiert, können sich Arbeitgeber aus sozialer Verantwortung zurückziehen. Noch dazu, wenn der neue "Psychobürger", den die Autoren mit dem Glücksdiktat aufsteigen sehen, gerade deshalb glücklich ist, weil er seine Gefühle im Griff hat, sich im "personal branding" seinem authentischen Selbst anzunähern glaubt oder nach persönlicher Optimierung strebt. Alles Eigenschaften, die sich sehr geschmeidig ins neoliberale Narrativ von Flexibilität, Mobilität und Wettbewerb einpassen. Wer glücklich ist, ist selbst dafür verantwortlich. Aber, wer leidet eben auch. Eine gefährliche Idee: "Wenn man Glück als eine Wahl versteht," so Canabas, "dann wird auch das Leiden zu einer Wahl. Dann leidet man entweder, weil man leiden möchte, oder, weil man es verdient hat, weil man eben nicht alles dafür tut, das Leid zu überwinden."

Die Jagd nach Glück entpolitisiert und entsolidarisiert

Mit viel Engagement für eine solidarische Gesellschaft machen Eva Illouz und Edgar Cabanas die Jagd nach dem Glück als Prozess der Entpolitisierung transparent. Soziale Verantwortung, Empathie oder gesellschaftskritisches Denken gehen in diesem Prozess verloren, der selbst nur immer mehr Unglück erzeugt. Weil es eben immer noch besser, harmonischer und authentischer geht. Es sind keine unbekannten Diskurs-, Macht- und Marktmechanismen, die die Autoren aufschlüsseln. Aber wie präzise und mit welcher politischen Schärfe sie aufzeigen, was eine reduktionistische Auffassung von Glück an sprachlicher Manipulation in Unternehmenskulturen, an Entsolidarisierung oder Vermarktung ermöglicht, ist so erhellend wie alarmierend.

Denn eigentlich wissen wir ja nicht erst, seitdem wütende junge Menschen eine entschiedene Klimapolitik einfordern, dass "unglückliche" Gefühle wie Frust, Angst oder Wut sozialen Wandel, oder sollte man sagen "Glück" befördern können. Glück, so anstrengend das sein mag, ist eben doch keine Formel, sondern das Ergebnis politischer Aushandlung: "Wir sehen ja, dass die Menschen Veränderung wollen und gegen diese Ideen zu kämpfen beginnen. Sie wehren sich gegen all die Konzepte und falschen Versprechungen. Nur so kann das Glücksdiktat torpediert werden. Und um das zu befördern, muss man diese falschen Versprechungen erst einmal durchdringen, die Lügen und die Konzepte von Glück dahinter. Wir Wissenschaftler können keine Definition von Glück liefern, denn Glück ist eine politische Idee, sie muss demokratisch ausgehandelt werden. Die Bürger, nicht Soziologen müssen entscheiden, was Glück ist."

Posted by Wilfried Allé Wednesday, June 3, 2020 9:11:00 PM Categories: Gesellschaft Sachbücher/Politik Wirtschaft/Gesellschaft
Rate this Content 0 Votes

Mythos Bildung 

Die ungerechte Gesellschaft, ihr Bildungssystem und seine Zukunft

von Aladin El-Mafaalani

Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Format: Hardcover
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
Umfang: 320 Seiten
Erscheinungsdatum: 13.02.2020
Preis: € 20,60

 

Rezension aus FALTER 23/2020

Vom Start weg nicht mit gleichen Chancen unterwegs

Seit es internationale Bildungsvergleichsstudien gibt, vor allem seit der ersten PISA-Testung im Jahr 2000, wissen wir, dass hierzulande die Bildungsungerechtigkeit größer ist als in den meisten vergleichbaren Ländern. Daran hat sich seither wenig geändert. In den letzten Wochen hat uns die Coronakrise mit aller Vehemenz darauf hingewiesen. Einige Wochen vorher ist dazu ein Buch erschienen, das aktueller nicht sein könnte. Der Erziehungswissenschaftler und Soziologe Aladin El-Mafaalani, der an der Universität Osnabrück den Lehrstuhl für Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft innehat, behandelt zwar die Situation in Deutschland, doch lässt sich fast alles eins zu eins auf Österreich übertragen, mit Ausnahme der weitaus höheren Kompetenzen der deutschen Länder. El-Mafaalani weist anhand von zahlreichen Studien (beeindruckende 20 Seiten Literaturverzeichnis) nach, dass der Zusammenhang zwischen Herkunft und Zukunftschancen in kaum einem anderen vergleichbaren (OECD-)Land so hoch ist wie in Deutschland. Von Chancengleichheit könne aber nach wie vor keine Rede sein. Diese Ungleichheit ist strukturell zugrunde gelegt. Ein in den Grundzügen meritokratisches System wie das deutsche fokussiert auf die tatsächlich entwickelten Kompetenzen und Leistungen und sieht Chancengleichheit dann gegeben, wenn jeder Mensch nach seinen Fähigkeiten in der Gesellschaft positioniert ist. Inwieweit aber wirklich gleiche Startchancen vorlagen, wird nicht gefragt. Hier beginnen aber genau die Probleme, denn Kinder mit schlechten Startchancen kommen bereits mit erheblichen Entwicklungsrückständen in die Grundschule, an deren Ende sind es zwei Jahre. Aber nicht nur das: Studien (auch für Österreich) weisen nach, dass diese Kinder selbst bei gleichen Leistungen strenger beurteilt werden. Besonderes Gewicht hat auch die Rolle der Eltern, deren aktive ­Mitarbeit an der ­Leistungsentwicklung der Schüler und Schülerinnen im System vorausgesetzt wird, wodurch sich die Tendenz zur „Vererbung“ von Bildungsaffinität und sozialer Ungleichheit weiter verstärkt. ­Gleichzeitig wird das traditionelle Familienbild konserviert, klassische Rolle der Frau inbegriffen. Scharf kritisiert El-Mafaalani auch das Festhalten an der Halbtagsschule, die die Institution Schule bis heute prägt und die Gleichstellung von Mann und Frau nachhaltig beeinträchtigt. Die frühe Trennung im Alter von zehn Jahren hat klar belegbare Effekte hinsichtlich sozialer Ungleichheit, wenngleich keine Wirkung auf die Leistungsfähigkeit eines Schulsystems insgesamt nachgewiesen werden konnte. Wie kann man es besser machen? Dazu bringt der Autor im letzten Kapitel eine Reihe von sehr brauchbaren Ansatzpunkten, wie die Fokussierung auf den Bereich der Frühkindförderung und die Grundschule sowie darauf, was er die „Mikrosysteme“ von Schulen nennt. Interdisziplinäre und multiprofessionelle Teams arbeiten an den jeweiligen Standorten in unterschiedlichen Zusammensetzungen. Elterngespräche müssen verstärkt stattfinden, allerdings anlasslos und niederschwellig. Das Ziel, die Chancen von Kindern aus benachteiligten Elternhäusern und Milieus zu verbessern, darf nicht gegen die Eltern verfolgt werden, sondern muss mit ihnen umgesetzt werden. Dafür braucht es einen grundlegenden Paradigmenwechsel. Nicht nur in Deutschland, sei mit Nachdruck angemerkt. Fazit: „Mythos Bildung“ ist ein ausgesprochen wichtiges Buch und nicht nur allen Interessierten zur Lektüre empfohlen, sondern vor allem den politisch Verantwortlichen. Höchste Zeit nämlich, dass das Thema Gerechtigkeit und Chancengleichheit in der Bildung endlich zum vorrangigen Bildungsziel wird.

Heidi Schrodt in FALTER 23/2020 vom 05.06.2020 (S. 15)

Posted by Wilfried Allé Wednesday, June 3, 2020 7:36:00 PM Categories: Gesellschaft Sachbücher/Politik Wirtschaft
Rate this Content 0 Votes

Resilienz im Krisenkapitalismus 

Wider das Lob der Anpassungsfähigkeit

von Stefanie Graefe

Verlag: transcript
Format: Taschenbuch
Genre: Soziologie/Sonstiges
Umfang: 234 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.09.2009
Preis: € 19,99

 

Kurzbeschreibung des Verlags:

Ob Stress, Erschöpfung, Armut, Klimawandel oder Neoautoritarismus: Die Krisenförmigkeit des Gegenwartskapitalismus ist unübersehbar. Mit »Resilienz« wird vor diesem Hintergrund nicht zufällig eine Norm der Selbst- und Menschenführung populär, die die flexible Anpassungsfähigkeit von Subjekten und Systemen an eine prinzipiell krisenförmige Umwelt propagiert. Wer resilient ist, so die Botschaft, bleibt auch in unsicheren Zeiten erfolgreich, glücklich und gesund. Gesellschaftliche Strukturbedingungen werden dabei tendenziell unsichtbar.
Stefanie Graefe unterzieht die aktuelle Konjunktur der Resilienz einer kritischen Überprüfung und fragt nach dem Preis, den wir für das Lob der Krisenfestigkeit zahlen müssen. Stefanie Graefe ist Privatdozentin und Soziologin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Sie forscht und lehrt mit den Schwerpunkten Arbeit und Gesundheit, Politische Soziologie, Subjekttheorie, Biopolitiken und Qualitative Sozialforschung.

Posted by Wilfried Allé Sunday, May 31, 2020 6:16:00 PM Categories: Soziologie/Sonstiges
Rate this Content 0 Votes
Page 30 of 40 << < 20 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 > >>

Statistics

  • Entries (394)
  • Comments (7)

Categories