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Lohnkosten müssen runter! - Eine Forderung der Wirtschaft in der Dauerschleife

Posted by Wilfried Allé Wednesday, January 14, 2026 10:09:00 AM
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Lohnkosten und Lohnstückkosten

Die Lohnkosten setzen sich aus den Brutto­löh­nen und -gehäl­tern der Ar­beit­neh­mer so­wie den So­zial­bei­trägen der Ar­beit­ge­ber zu­sammen.
Zur Bestimmung der Lohnstück­kosten wer­den die Lohn­kos­ten je Ar­beit­neh­mer be­zie­hungs­weise je Ar­beit­neh­mer­stunde ins Ver­hält­nis zur Ar­beits­pro­duk­ti­vi­tät je Er­werbs­tä­ti­gen (Per­so­nen­kon­zept) be­zie­hungs­weise je Er­werbs­tä­ti­gen­stunde (Stun­den­kon­zept) gesetzt.

In der öffentlichen Dis­kus­sion wird häu­fig den Lohn­kos­ten eine große Be­deu­tung beim Stand­ort­wett­be­werb zu­ge­spro­chen. Bei ei­nem Ver­gleich der Lohn­kos­ten soll­ten al­ler­dings die Lohn­stück­kos­ten be­trach­tet wer­den, da bei die­sen die Lohn­kos­ten ins Ver­hält­nis zur Ar­beits­pro­duk­ti­vi­tät ge­setzt wer­den – hohe Lohn­kos­ten kön­nen da­bei durch ho­he Pro­duk­ti­vi­tät aus­ge­gli­chen werden.

Fakten

Ein zentrales Thema der Globalisierungsdebatte ist der Standortwettbewerb. Aber schon auf die Frage, wie die Wettbewerbsfähigkeit eines Standortes zu messen ist, können verschiedene Antworten gegeben werden. Fest steht lediglich, dass bei der Beurteilung der Wettbewerbsfähigkeit mehrere Faktoren berücksichtigt werden müssen. Über die Wettbewerbsfähigkeit eines Standortes bestimmen unter anderem die infrastrukturellen Voraussetzungen (Kommunikationsnetze, Verkehrswege, Umschlagplätze, Logistiknetzwerke, Transport- und Energiekosten etc.), die Forschungsbedingungen, das allgemeine Ausbildungsniveau, der Aufbau und die Flexibilität der staatlichen Bürokratie, staatliche Förderungen, gesetzliche Auflagen, die Steuer- und Abgabenbelastung sowie das Lohnniveau und andere Kostenfaktoren.

Ob und warum sich Unternehmen an einem Standort niederlassen, ist von großem Interesse für politische Entscheidungen, da die Standortwahl unmittelbare Auswirkungen auf Investitionen, Steuereinnahmen und Arbeitsplätze hat.

Traditionelle Unternehmens- und Marktverflechtungen, der Zugang und die Nähe zu großen oder neuen Märkten, natürliche Ressourcen bzw. die Verfügbarkeit von Rohstoffen, räumliche Voraussetzungen, die Einkommens- und Vermögensstruktur, politische und rechtsstaatliche Stabilität, das Image eines Standortes sowie das Vorhandensein von spezialisierten Unternehmen und Fachkräften beeinflussen ebenfalls die Investitionsentscheidungen. Und ob wiederum die Fachkräfte an einen Standort gebunden werden können, hängt neben den rein ökonomischen Voraussetzungen auch vom Wohnumfeld, der Umweltqualität, der medizinischen Versorgung, den Fürsorgeeinrichtungen sowie den Bildungs-, Erholungs-, Kultur- und Freizeitangeboten ab.

Bei einer Bewertung der Lohnkosten sollten allerdings nicht allein die Bruttolöhne der Arbeitnehmer sondern die Lohnstückkosten verglichen werden.

Zur Ermitt­lung der Lohn­stück­kos­ten wer­den die Lohn­kos­ten ins Ver­hält­nis zur Ar­beits­pro­duk­ti­vi­tät ge­setzt. Die Höhe der Lohn­stück­kos­ten ist da­mit so­wohl von der Pro­duk­ti­vi­tät als auch von der Höhe der ge­zahl­ten Löhne ab­hän­gig. Bei­spiels­weise kön­nen die Lohn­stück­kos­ten ei­nes Stand­or­tes mit nied­ri­gen Löh­nen und ei­ner ge­rin­gen Pro­duk­ti­vi­tät hö­her sein als die Lohn­stück­kos­ten ei­nes Stand­or­tes mit ho­hen Löh­nen und ei­ner ho­hen Pro­duk­ti­vi­tät. Durch den Ein­satz neuer Tech­no­lo­gien, die ef­fi­zi­ente Ar­beits­or­ga­ni­sa­tion, eine aus­ge­bau­te In­fra­struk­tur und ein ho­hes Quali­fi­ka­tions­ni­veau der Be­schäf­tig­ten wird die Ar­beits­pro­duk­ti­vi­tät ge­stei­gert und so­mit ein Teil der hö­he­ren Lohn­kos­ten aus­ge­glichen.

Die inter­na­tio­na­le Wett­be­werbs­fä­hig­keit hängt auch stark von Wech­sel­kurs­ände­run­gen ab. Um die Wech­sel­kur­se mit ein­zu­be­zie­hen, muss die Ent­wick­lung der Lohn­stück­kos­ten in ei­ner ein­heit­li­chen Wäh­rung ab­ge­bil­det wer­den (und nicht auf Ba­sis der je­wei­li­gen Wäh­rung). Al­ler­dings geht diese Dar­stel­lungs­form zu Las­ten der Fak­to­ren, die die Lohn­stück­kos­ten in den ein­zel­nen Staa­ten ab­seits der Wech­sel­kur­se be­ein­flus­sen (z.B. die Ent­wick­lung der Pro­duk­ti­vität).

Abseits der zahlreichen Faktoren, die die Kosten eines Produkts beeinflussen, ist zu bedenken, dass bei vielen Produkten die Löhne der Arbeitnehmer einen immer geringer werdenden Anteil haben und sich unternehmerischer Erfolg zunehmend auf Produktimage, Produktqualität, Kundenservice, Lieferpünktlichkeit und Innovationsfähigkeit gründet.

Dazu passen die Forschungsergebnisse, auf die das ISI (Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung) hinweist, nach denen "jede vierte Produktionsverlagerung innerhalb von drei bis fünf Jahren wieder rückgängig gemacht wurde." 2012 nannten die Unternehmen Flexibilitätseinbußen am häufigsten als Grund für die Rückverlagerung (59 Prozent). Darauf folgten Qualitätsprobleme 53 Prozent), Kapazitätsauslastung (28 Prozent), zu hohe Transportkosten (25 Prozent), Probleme bei der Koordination und mit der Infrastruktur (21 und 13 Prozent) sowie Fachkräftemangel und Know-how-Verluste (13 und 11 Prozent).

aus: https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/globalisierung/52647/lohnstueckkosten-im-verarbeitenden-gewerbe/

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