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    <title>Was wir hier empfehlen ...</title>
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      <title>„Interessant, du, faktisch …“</title>
      <description><![CDATA[<p>von <em><a href="https://shop.falter.at/search/?name=Edek Bartz" target="_blank">Edek Bartz</a></em></p>

<p><a href="https://images.thalia.media/00/-/75664e2141444969ac6b09f1d82952b5/interessant-du-faktisch-taschenbuch-edek-bartz.jpeg" target="_blank"><img alt="" height="280" src="https://images.thalia.media/00/-/75664e2141444969ac6b09f1d82952b5/interessant-du-faktisch-taschenbuch-edek-bartz.jpeg" style="float:left" width="176" /></a></p>

<table class="data-table falter-responsive-table" id="product-attribute-specs-table">
	<tbody>
		<tr class="first odd">
			<td>ISBN:</td>
			<td class="data last">9783701736300</td>
		</tr>
		<tr class="even">
			<td>Verlag:</td>
			<td class="data last"><a href="https://shop.falter.at/search/?publisher=Residenz&amp;exact=1" target="_blank"><em>Residenz</em></a></td>
		</tr>
		<tr class="odd">
			<td>Format:</td>
			<td class="data last">Taschenbuch</td>
		</tr>
		<tr class="even">
			<td>Genre:</td>
			<td class="data last">Sachbücher/Musik, Film, Theater/Biographien, Autobiographien</td>
		</tr>
		<tr class="odd">
			<td>Sammlung:</td>
			<td class="data last"><a href="https://shop.falter.at/feature/popfest-wien" target="_blank"><em>Popfest Wien</em></a><br />
			<a href="https://shop.falter.at/feature/unsere-bestseller" target="_blank"><em>Unsere Bestseller</em> </a><br />
			<a href="https://shop.falter.at/feature/aktuelle-biografien" target="_blank"><em>Aktuelle Biografien</em></a></td>
		</tr>
		<tr class="odd">
			<td>Umfang:</td>
			<td class="data last">196 Seiten</td>
		</tr>
		<tr class="even">
			<td>Erscheinungsdatum:</td>
			<td class="data last">14.04.2025</td>
		</tr>
		<tr class="last odd">
			<td>Preis:</td>
			<td class="data last">€ 24,00</td>
		</tr>
	</tbody>
</table>

<h5><b>Kurzbeschreibung des Verlags</b></h5>

<p align="justify">1946 wird Edek Bartz in einem Lager in Kasach&shy;stan ge&shy;bo&shy;ren, er wächst in Po&shy;len auf und zieht 1958 mit sei&shy;ner Mut&shy;ter nach Wien. Er er&shy;wirbt sich auf ei&shy;ge&shy;ne Faust eine Bil&shy;dung, die zur Grund&shy;lage ei&shy;ner ein&shy;zig&shy;ar&shy;ti&shy;gen Kar&shy;riere wer&shy;den soll: Als Mu&shy;si&shy;ker, Plat&shy;ten&shy;ver&shy;käu&shy;fer, DJ, Kul&shy;tur&shy;mana&shy;ger und Ku&shy;ra&shy;tor ist Bartz über Jahr&shy;zehnte stets zum rich&shy;ti&shy;gen Zeit&shy;punkt am rich&shy;ti&shy;gen Ort – etwa als Or&shy;gani&shy;sa&shy;tor der ers&shy;ten Öster&shy;reich-Kon&shy;zer&shy;te von Jimi Hend&shy;rix, Frank Zappa oder Pink Floyd. Bartz be&shy;glei&shy;tet Peter Ale&shy;xan&shy;der durch Deutsch&shy;land und Falco nach Japan. Bartz er&shy;zählt in den Gesprächen, die der Journalist Klaus Nüchtern aufgezeichnet hat, auch von seiner Begegnung mit dem späteren Maler-Star Jean-Michel Basquiat oder von der un&shy;ab&shy;sicht&shy;li&shy;chen Ent&shy;füh&shy;rung des Edek Bartz durch Frank Sinatra.</p>

<h5><b>FALTER-Rezension</b></h5>

<p><b>"Wenn's schlecht ausgeht, messen die mir Betonpatscherln an"</b></p>

<p><a href="https://shop.falter.at/search/?reviewer=Klaus Nüchtern"><b>Klaus Nüchtern</b></a> in <a href="https://shop.falter.at/buecher/besprochene-buecher.html?falter=202515"><b>FALTER 15/2025</b></a> vom 11.04.2025 (S. 36)</p>

<p align="justify">Seine Geschichten beginnt Edek Bartz gern mit den Worten "Inter&shy;es&shy;sant, du, fak&shy;tisch " Als Kon&shy;zert&shy;ver&shy;an&shy;stal&shy;ter lernte Bartz die hal&shy;be Pop&shy;welt ken&shy;nen, von Leonard Cohen bis zu The Clash. Fal&shy;ter-Lite&shy;ra&shy;tur&shy;kri&shy;ti&shy;ker Klaus Nüch&shy;tern packte die Er&shy;in&shy;ne&shy;run&shy;gen in ein die&shy;ser Tage er&shy;schei&shy;nen&shy;des Buch. Einen "men&shy;schen&shy;freund&shy;li&shy;chen Zy&shy;niker" und "dis&shy;kre&shy;te Gmoaratschn" nennt Nüch&shy;tern im Vor&shy;wort sein Ge&shy;gen&shy;über, das im Fol&shy;gen&shy;den die Be&shy;geg&shy;nun&shy;gen mit Jean-Michel Bas&shy;quiat und Frank Sinatra erzählt.<br />
Klaus Nüchtern: Sie hatten über André Heller mit Jean-Michel Basquiat zu tun?<br />
<br />
Edek Bartz: Ja, ich war damals fast drei Monate in New York, um Hel&shy;lers Pro&shy;duk&shy;tion "Body and Soul" zu be&shy;glei&shy;ten, eine Musik&shy;revue, für die neben Keith Haring und Roy Lich&shy;ten&shy;stein auch Bas&shy;quiat Büh&shy;nen&shy;de&shy;ko&shy;ra&shy;tio&shy;nen ge&shy;stal&shy;tet hat. Er hat&shy;te keine Gale&shy;rie, aber einen Mana&shy;ger, der meinte, ich müsse di&shy;rekt mit Jean-Michel Kon&shy;takt auf&shy;neh&shy;men. Der hat aber nur Bar&shy;geld ak&shy;zep&shy;tiert, und in New York Bar&shy;geld von einer Bank zu be&shy;zie&shy;hen, war in den 80er-Jahren ziem&shy;lich kom&shy;pli&shy;ziert. Da&shy;bei ging es um ein paar tau&shy;send Dol&shy;lar. Heute komvmen Bas&shy;quiats für 30,40 oder 50 Mil&shy;lio&shy;nen Dol&shy;lar unter den Hammer!<br />
<br />
Also bin ich in sein Studio in der Great Jones Street, ein ehe&shy;ma&shy;li&shy;ges Ge&shy;schäft, bei dem die Roll&shy;bal&shy;ken im&shy;mer un&shy;ten wa&shy;ren. Nach&shy;dem al&shy;les Läu&shy;ten nichts ge&shy;nutzt hat, bin ich drauf&shy;ge&shy;kom&shy;men, dass ich ihm ei&shy;nen Zet&shy;tel unter der Tür durch&shy;schie&shy;ben muss, und auf dem stand: "Hallo Jean-Michel, hier ist Edek. Ich habe das Geld." Es war in&shy;so&shy;fern lus&shy;tig, als ich durch meine Boten&shy;gänge und das ewi&shy;ge Rum&shy;ste&shy;hen vor der ver&shy;schlos&shy;se&shy;nen Tür die meis&shy;ten La&shy;den&shy;be&shy;sit&shy;zer von neben&shy;an schon kannte und mich mit denen unter&shy;hal&shy;ten habe. Irgend&shy;wann hat Basquiat dann auf&shy;ge&shy;macht und mich rein&shy;ge&shy;las&shy;sen - aller&shy;dings nur in den Vor&shy;raum. Es hat sich ab&shy;ge&shy;spielt wie in einem Gang&shy;ster&shy;film: Ich habe ihm das Geld ge&shy;geben, er mir seine Ent&shy;würfe -das ging zack, zack. Ich weiß nicht, ob er mir miss&shy;trau&shy;te, ich ihm jeden&shy;falls schon.<br />
<br />
Eines Tages stand die Tür zum Atelier offen. Ich schaue rein, sehe ein Rie&shy;sen&shy;bild und muss schmun&shy;zeln - da stan&shy;den Buch&shy;sta&shy;ben und Zah&shy;len: V 825 671-2. Er sieht das, wird gleich gran&shy;tig und fragt: "Wa&shy;rum lachst du?" Und ich sage: "Das ist doch die Num&shy;mer von Charlie Par&shy;kers Album 'Now's the Time'!" Das "V" stand für das Label Verve. Da&shy;mals habe ich sol&shy;che Sachen ge&shy;wusst. Ab die&shy;sem Mo&shy;ment hat er sich etwas ge&shy;öffnet, ist freund&shy;li&shy;cher ge&shy;wor&shy;den. Er hat&shy;te eine rie&shy;sige Jazz&shy;plat&shy;ten-Samm&shy;lung, es gibt auch in sei&shy;nen Bil&shy;dern im&shy;mer wie&shy;der Ver&shy;weise auf Jazz, auf Mu&shy;si&shy;ker wie Charlie Parker oder Max Roach. Rock&shy;mu&shy;sik war über&shy;haupt nicht sein Ding. Ich kann mir auch nicht vor&shy;stel&shy;len, dass er über Warhol Kon&shy;takt zu Leu&shy;ten wie John Cale oder Lou Reed hatte. Weil eines muss man schon sa&shy;gen: Die Warhol-Truppe war eine weiße Par&shy;tie -auch äs&shy;the&shy;tisch ge&shy;sehen. Es würde mich sehr wun&shy;dern, wenn Basquiat Ge&shy;fal&shy;len an Velvet Under&shy;ground oder Nico ge&shy;fun&shy;den hätte. Außer&shy;dem war er schon eine Gene&shy;rat&shy;ion weiter.<br />
<br />
Wenn man für ein paar tausend Dollar eine Zeichnung kriegen konnte, kann der Sta&shy;tus von Basquiat da&shy;mals nicht son&shy;der&shy;lich gla&shy;mou&shy;rös ge&shy;wesen sein.<br />
<br />
Bartz: Zu dem Zeitpunkt war seine Karriere prak&shy;tisch nicht exis&shy;tent. Er wurde hin und her ge&shy;scho&shy;ben und so&shy;gar in der Kunst&shy;szene selbst ab&shy;ge&shy;schasselt. Als ich er&shy;zählte, dass ich täg&shy;lich bei ihm vor&shy;bei&shy;schaute, um Skiz&shy;zen ab&shy;zu&shy;ho&shy;len, wurde mir gesagt: "Nimm dir ein Bild mit!" Wie jetzt? "Ja, gib ihm halt tau&shy;send Dol&shy;lar, der braucht ohne&shy;dies stän&shy;dig Kohle für Dro&shy;gen, und nimm dir ein Bild. Das ma&shy;chen eh alle!" In Wien kannte ich Künst&shy;ler, die so be&shy;sof&shy;fen waren, dass sie nicht mehr auf&shy;ste&shy;hen konnten; aber so ab&shy;fäl&shy;lig wie über Basquiat wurde über kei&shy;nen von denen ge&shy;sprochen!<br />
<br />
Es war eindeutig rassistisch, aber darüber hinaus haben sie auch die Schwä&shy;che von Basquiat ver&shy;ach&shy;tet, der sich in der weißen Kunst&shy;welt nicht be&shy;haup&shy;ten konnte. Je&shy;mand wie Keith Haring, mit dem er sehr gut be&shy;freun&shy;det war, hat&shy;te na&shy;tür&shy;lich ein Rie&shy;sen&shy;büro mit Sekre&shy;tä&shy;rin und al&shy;lem Drum und Dran. Mir ha&shy;ben Leu&shy;te er&shy;zählt, dass der be&shy;rühmte Züri&shy;cher Gale&shy;rist Bruno Bischof&shy;berger Basquiat in sein Cha&shy;let hat ein&shy;flie&shy;gen und im Kel&shy;ler hat malen las&shy;sen. Und Basquiat ist in Snea&shy;kers und T-Shirts an&shy;ge&shy;reist, weil er nicht ge&shy;checkt hat&shy;te, dass in der Schweiz Win&shy;ter war. Das Ver&shy;hält&shy;nis von Weißen zu Schwar&shy;zen war damals vor al&shy;lem von Igno&shy;ranz ge&shy;prägt. Ich habe zum Bei&shy;spiel die schwarze Crew, mit der ich für "Body and Soul" zu&shy;sam&shy;men&shy;ge&shy;ar&shy;bei&shy;tet habe, ein&shy;mal mit "Hey, boys!" adres&shy;siert. Auf ein&shy;mal sind alle er&shy;starrt. Ich habe über&shy;haupt nicht ka&shy;piert, was los ist. Erst als ei&shy;ner meinte: "You shouldn't say this", habe ich es ge&shy;schnallt.<br />
<br />
Erzählen Sie doch bitte die Geschichte von der unab&shy;sicht&shy;li&shy;chen Ent&shy;füh&shy;rung des Edek Bartz durch Frank Sinatra.<br />
<br />
Bartz: Ich glaube, ich war damals mit Kim Wilde auf einer Tour, bei der sie in Wien in der Kur&shy;halle Ober&shy;laa auf&shy;ge&shy;tre&shy;ten ist. Zu&shy;gleich hat&shy;te da&shy;mals Frank Sina&shy;tra ein Kon&shy;zert in der Stadt&shy;halle, und ich dach&shy;te, ich schau dort ein&shy;mal vor&shy;bei und tref&shy;fe viel&shy;leicht ein paar Buddies, mit de&shy;nen ich trat&shy;schen kann. Ich war sehr zei&shy;tig dran und setz&shy;te mich dort mal hin, um zu war&shy;ten. Ich bin nicht wei&shy;ter auf&shy;ge&shy;fal&shy;len, und es hat mich ja auch je&shy;der ge&shy;kannt. Auf ein&shy;mal geht die Tür zu einer der Gar&shy;dero&shy;ben auf, und ein äl&shy;te&shy;rer, eng&shy;lisch spre&shy;chen&shy;der Herr kommt raus und sucht die Toi&shy;lette. Die fin&shy;det er nie von al&shy;leine, denke ich, und sage: "I'll show you", brin&shy;ge ihn hin und auch wie&shy;der zu&shy;rück. Da fragt er mich, ob ich hier zum Per&shy;so&shy;nal ge&shy;höre. In dem Mo&shy;ment fällt mir ein, dass ich mich ohne Back&shy;stage-Pass in die&shy;sem Be&shy;reich eigent&shy;lich gar nicht auf&shy;hal&shy;ten darf, ant&shy;worte da&shy;her natür&shy;lich mit "ja, ja", wo&shy;rauf er meint, dass ich ihm doch hel&shy;fen könnte.<br />
<br />
Also begleite ich ihn in die Garderobe, wo er gerade damit be&shy;schäf&shy;tigt war, die Hem&shy;den von Frank Sina&shy;tra zu bü&shy;geln. Na gut, ich halte ihm halt die Hem&shy;den aufs Bügel&shy;brett. Wie er fer&shy;tig ist, sagt er: "Du nimmst die Hand&shy;tü&shy;cher und gehst von rechts auf die Büh&shy;ne, ich nehme die linke Seite und bringe die Drinks." Das war aller&shy;dings der Job, für den ein Kol&shy;lege ab&shy;ge&shy;stellt war, also denke ich mir: So&shy;bald der kommt, werde ich mich schlei&shy;chen. Wie der end&shy;lich auf&shy;taucht, be&shy;ginnt er, auf mich ein&shy;zu&shy;reden, ich müsse un&shy;be&shy;dingt blei&shy;ben: Offen&shy;bar hätte man mich mit ihm ver&shy;wech&shy;selt, und wenn der Irr&shy;tum jetzt auf&shy;ge&shy;klärt würde, gäbe es einen Riesen&shy;skan&shy;dal, weil er nicht recht&shy;zei&shy;tig da ge&shy;we&shy;sen sei und weil sich ein Un&shy;be&shy;fug&shy;ter Zu&shy;tritt zur Garde&shy;robe von Frank Sinatra ver&shy;schafft habe. Aber: "Wenn das vor&shy;bei ist, tau&shy;schen wir wieder."<br />
<br />
Okay. Nach einiger Zeit gehen die Tore der Stadt&shy;halle auf und schwarze Limou&shy;si&shy;nen fah&shy;ren vor. Der Ver&shy;schlag wird ge&shy;öffnet, Frank steigt aus und wird di&shy;rekt in die Garde&shy;robe ge&shy;bracht. In dem Mo&shy;ment wurde mir schon ziem&shy;lich mul&shy;mig, weil: Wenn die über&shy;&shy;reißen, dass ich gar nicht zur Crew gehöre, kann das so&shy;wohl für den Ver&shy;an&shy;stal&shy;ter als auch für mich sehr un&shy;an&shy;ge&shy;nehm wer&shy;den. Wenn's ganz schlecht aus&shy;geht, kom&shy;men ein paar Ty&shy;pen von der Mafia und mes&shy;sen mir Beton&shy;patscherln an.<br />
<br />
Die Band hat schon zu spielen begonnen, da zündet sich Frank erst ein&shy;mal läs&shy;sig einen Tschick an. Auf ein&shy;mal springt der Alte auf, drückt mir die Hand&shy;tücher in die Hand und wir be&shy;glei&shy;ten Sina&shy;tra im locke&shy;ren Lauf&shy;schritt auf die Bühne; er steht exakt in dem Mom&shy;ent vor dem Mikro, in dem der Song be&shy;ginnt. Wie ein Metro&shy;nom. Er hatte ein un&shy;fass&shy;ba&shy;res Ge&shy;fühl für Timing! So et&shy;was hat&shy;te ich noch nicht ge&shy;sehen, und da&shy;nach auch nie wie&shy;der er&shy;lebt. Ich war fas&shy;zi&shy;niert. Und das, ob&shy;wohl ich kein Sina&shy;tra-Fan war, ja seine Mu&shy;sik nicht ein&shy;mal wirk&shy;lich ge&shy;kannt habe. Es war ge&shy;rade&shy;zu un&shy;heim&shy;lich, mit wel&shy;cher Musi&shy;ka&shy;li&shy;tät er die Pau&shy;sen zwi&shy;schen den Songs über&shy;brückt hat, wie er mit der Band im Kon&shy;takt stand und wie diese jede sei&shy;ner Be&shy;we&shy;gun&shy;gen regis&shy;triert und da&shy;rauf rea&shy;giert hat. Ich habe in der kur&shy;zen Zeit irr&shy;sin&shy;nig viel ge&shy;lernt und auf ein&shy;mal be&shy;grif&shy;fen, was eine Big&shy;band aus&shy;macht, wie die funk&shy;tio&shy;niert und wie ent&shy;schei&shy;dend es ist, wer auf der Büh&shy;ne und wer am Pult steht. Die Chance, eine sol&shy;che Maschi&shy;ne&shy;rie aus der Nähe zu beo&shy;bach&shy;ten, hat man ja nicht oft. Bis da&shy;hin hat&shy;te ich, der aus dem Rock-und Free-Jazz-La&shy;ger kam, das al&shy;les als Kom&shy;merz-Lulu ver&shy;achtet -aus rei&shy;ner Un&shy;kennt&shy;nis. Ich hat&shy;te ein&shy;fach keine Ahnung!<br />
<br />
Na gut. Das Konzert ist aus, wir verlassen die Halle, die Limousinen ste&shy;hen be&shy;reit. Frank springt in die erste, der Alte schiebt mich in die zwei&shy;te, steigt auf der ande&shy;ren Seite ein und es geht los. Wie, was, wohin? Nach eini&shy;ger Zeit be&shy;greife ich: Rich&shy;tung Flug&shy;hafen. Na gut, dort wer&shy;de ich dann end&shy;lich ab&shy;hauen. Bloß dass die Limou&shy;si&shy;nen direkt aufs Roll&shy;feld fah&shy;ren, wo ich mit al&shy;len ande&shy;ren aufs Flug&shy;zeug zu&shy;aufe. Die Ma&shy;schine hebt ab, und ich frage die Stewar&shy;dess: "Wo&shy;hin flie&shy;gen wir denn?" Sagt sie: "Na, eh wie im&shy;mer." Aha. Stellt sich heraus: "Wie im&shy;mer" ist Genf. Dort hat&shy;te sich Sina&shy;tra eine Villa ge&shy;mie&shy;tet, in der seine Entou&shy;rage unter&shy;ge&shy;bracht war. Die ha&shy;ben Whisky ge&shy;trun&shy;ken und bis spät in die Nacht Kar&shy;ten ge&shy;spielt -eine ziem&shy;lich gemüt&shy;liche, sehr net&shy;te Trup&shy;pe. Das Prob&shy;lem war nur, dass ich ab&shy;so&shy;lut nichts mit&shy;hatte: weder Unter&shy;wäsche noch einen Pass.<br />
<br />
So ging das etwa eine Woche dahin: zuerst Kon&shy;zert, da&shy;nach zu&shy;rück nach Genf. Es war al&shy;les super&shy;smooth auf Sina&shy;tra ab&shy;ge&shy;stimmt und lief genau&shy;so ab, wie man sich das in sei&shy;nen kühns&shy;ten Träu&shy;men vor&shy;stellt: Back&shy;stage klin&shy;gelt das Tele&shy;fon und Dean Mar&shy;tin ruft an. Frank kommt, muss auf nichts war&shy;ten, und nach dem Kon&shy;zert sitzt er mit sei&shy;nen Habe&shy;rern bei&shy;sam&shy;men. Da wa&shy;ren sicher vier&shy;zig, fünf&shy;zig Leute im Haus. Haupt&shy;säch&shy;lich net&shy;te, äl&shy;tere Leu&shy;te. Man sieht sich täg&shy;lich, führt ein biss&shy;chen Small Talk: "Und was machen Sie?" - "Mir ge&shy;hört Sea&shy;gram's Whisky. Ich sel&shy;ber trin&shy;ke aber nicht." Das ging zehn Tage so, und am Schluss hat je&shy;der ein gol&shy;de&shy;nes Feuer&shy;zeug ge&shy;schenkt be&shy;kom&shy;men, auf dem "Thanks, Frank" ein&shy;gra&shy;viert war. Ich wusste aber, dass ich das sicher bald ver&shy;lie&shy;ren würde, und habe es ge&shy;gen eine Rolex ein&shy;ge&shy;tauscht.<br />
<br />
Außerdem habe ich mir eine Platte von ihm signieren lassen, auf der er von Count Basie be&shy;glei&shy;tet wird. Als der dann eines Tages auch in Wien auf&shy;ge&shy;treten ist, habe ich ihm das Album zum Sig&shy;nie&shy;ren ge&shy;ge&shy;ben; und wie er die Unter&shy;schrift von Frank Sina&shy;tra sieht, sagt der alte Count Basie: "He's still around?" Das wa&shy;ren schon un&shy;glaub&shy;liche Ty&shy;pen. Man muss sich mal vor&shy;stel&shy;len, wer al&shy;les in so einer Big&shy;band ge&shy;spielt hat. Das wa&shy;ren keine Kin&shy;der von Trau&shy;rig&shy;keit! Ich habe er&shy;lebt, wie Paul Gon&shy;salves in der Duke Elling&shy;ton Band so be&shy;trun&shy;ken war, dass er schon nicht mehr rich&shy;tig ste&shy;hen konnte. Er hat ein super Solo ge&shy;spielt und ist dann von der Bühne ge&shy;kippt. In der Früh war kei&shy;ner der Musi&shy;ker im Ho&shy;tel. Frage ich den Por&shy;tier, ob er weiß, wo die alle ab&shy;ge&shy;blie&shy;ben sind. Er hat nur mit der Hand in Rich&shy;&shy;tung Bahnhof ge&shy;deu&shy;tet -dort war näm&shy;lich das Puff. Auf der Bühne aber hat die Band funk&shy;tio&shy;niert wie eine Ma&shy;schine. Duke Elling&shy;ton hat ja prak&shy;tisch nichts ge&shy;&shy;macht, der hat die mit den Augen und dem klei&shy;nen Fin&shy;ger dirigiert.</p>
<br /><a href='https://www.az-neu.eu/„interessant-du-faktisch-…“'>Allé Wilfried</a>&nbsp;&nbsp;<a href='https://www.az-neu.eu/„interessant-du-faktisch-…“'>...</a>]]></description>
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      <author>wilfried.alle@chello.at (Allé Wilfried)</author>
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      <pubDate>Sun, 24 Aug 2025 06:46:00 GMT</pubDate>
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